Für Motorradfahrer ist das obere Kirbachtal ein Paradies: enge Kurven, Spitzkehren, Serpentinen, die – je nach Sichtweise – bergan oder bergab führen, dazu herrliche Ausblicke auf eine nahezu noch unberührte Natur und auf altes Bauernland mit seinen zum Teil historischen Weinbergen, die schon viele Jahrhunderte haben kommen und gehen sehen. Daher ist es kein Wunder, dass die Zweirad-Freizeitsportler zum Teil aus der Kurpfalz anreisen, um hier ihrem Hobby zu frönen. So weit, so gut und schön für die Biker, weniger schön hingegen für die Anwohner, die gerade jetzt, in der beginnenden warmen Jahreszeit, wieder durch den Lärm der Motorräder gestört werden.
Sachsenheim Saisonaler Interessenkonflikt
Die Saisonbeginn für Motorradfahrer bedeutet für die Bewohner im Kirbachtal auch immer ein Mehr an Lärmbelastung, doch eine Lösung scheint fern.
Fahrgeräusch potenziert sich
Und dies seit Jahren, denn, wie auch die Ortsratsvorsitzende von Häfnerhaslach, Claudia Volk, im Gespräch mit der BZ betont, das hier sich mehr und mehr verjüngende Tal wirke wie ein Schalltrichter: „Wenn die Biker die Straßen nach Zaberfeld und Gündelbach hoch oder runter fahren, potenziert sich das Fahrgeräusch zum Lärm, denn das Gelände wirkt schallverstärkend. Es herrscht eine Akustik wie in einem Amphitheater.“ Und so sei man seit vielen Jahren dieser Lärmbelastung vor allem im Frühjahr und Sommer bis in den Herbst hinein ausgesetzt.
Doch wie könnte ein Ausweg aus dem Dilemma aussehen, wie könnte der Interessenskonflikt in einem für alle Seiten gerecht werdenden Kompromiss münden? Tempo 30 für Motorradfahrer, Fahrverbot für motorisierte Zweiräder zu bestimmten Zeiten? Und – gab es Lärmmessungen oder etwaige Verkehrserhebungen, wie viele Motorradfahrer zu Spitzenzeiten im Kirbachtal unterwegs waren? Die BZ hat bei der Stadtverwaltung und der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes nachgefragt.
„Grundsätzlich werden keine Lärmmessungen durchgeführt“, sagt Arved Oestringer, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, „auch für Lärmaktionspläne im Allgemeinen werden die Lärmwerte anhand der Zahl der gezählten Fahrzeuge ermittelt, nicht anhand der Lautstärke einzelner Fahrzeuge. Da die Stadt Sachsenheim einen gültigen Lärmaktionsplan hat, sind keine weiteren Zählungen vorgesehen.“ Auch der Sprecher des Landratsamts, Dr. Andreas Fritz, sagt: „Lärmmessungen werden ausschließlich von der Polizei während Verkehrskontrollen durchgeführt. Dabei wird überprüft, ob die Geräuschpegel eines Fahrzeugs mit den Werten übereinstimmen, die in den Fahrzeugpapieren aufgeführt sind.“
Werte nicht vor Ort gemessen
Werte für Verkehrslärm wiederum würden nicht direkt vor Ort gemessen, sondern auf Basis vorhandener Verkehrsdaten berechnet. Fritz weiter: „Diese Berechnungen werden normalerweise von den Kommunen im Rahmen der gesetzlichen Lärmaktionsplanung durchgeführt. Bis jetzt hat das Landratsamt keine spezifischen Lärmwerte für die Gebäude entlang der Kreisstraßen.“
Eine Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkung für Motorradfahrer im Bereich des oberen Kirbachtals erteilt der Pressesprecher eine Absage: „Ob und welche Verkehrsbeschränkungen aufgrund von Lärmschutzmaßnahmen nötig sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Bei der Anordnung von Maßnahmen müssen die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung beachtet werden.“
Eine verkehrsrechtliche Maßnahme, so Fritz, dürfe nur ergriffen werden, wenn es aufgrund besonderer örtlicher Gegebenheiten eine Gefahrenlage gebe, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung deutlich übersteige. Auch Arved Oestringer teilt mit: „Die Stadt ist hier nicht zuständig und kann gar keine Regelungen treffen, wir haben auch keine eigene Verkehrsbehörde.“ Derzeit seien Abweichungen von der innerörtlich gesetzlich festgelegten Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern begründungspflichtig, nicht umgekehrt, so Oestringer: „Wir würden eine Reduzierung auf 30 Stundenkilometern begrüßen. Der Lärmaktionsplan hingegen lieferte damals jedoch leider nicht die notwendige Grundlage“, sagt er.
Kampagne mit dem ADAC
Man habe aber im vergangenen Jahr – mit einer Kampagne des ADAC – Motorradfahrer darauf aufmerksam gemacht, Achtsamkeit walten zu lassen. „Wir werden weiterhin versuchen, in Abstimmung mit dem Landratsamt Maßnahmen wie Geschwindigkeitsüberprüfungen zu erzielen. Wir haben das Thema weiterhin auf der Agenda und werden uns für eine Verbesserung der Situation einzusetzen.“ Dem stimmt auch Dr. Andreas Fritz zu: „Appelle an Verkehrsteilnehmer wie Motorradfahrer sind grundsätzlich sinnvoll und können über Displays oder Plakate verbreitet werden. Die Stadt Sachsenheim hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem ADAC Plakate aufgestellt, die mit dem Appell ,Bitte nicht röhren’ beziehungsweise ,Easy leiser’ beschriftet waren.“
Aber selbst wenn Rücksicht genommen wird und die Motorradfahrer mit gemächlicherer Geschwindigkeit fahren, ein Ende der Belastung würde dies nicht bedeuten. Und so werden die Anrainer weiter mit dem Lärmstress leben müssen.
