Sachsenheim Schülersprecher schreibt an Kultusministerin

Von Martin Hein
Der Vaihinger Schülersprecher möchte, dass in der gymnasialen Oberstufe zwei Gesellschaftswissenschaften als Leistungskurs auf dem Weg zum Abitur gewählt werden können⇥ Foto: Sebastian Gollnow

Der Erste Schülersprecher des Vaihinger Stromberggymnasiums, Jon Buchmüller, möchte, dass zwei Gesellschaftswissenschaften als Leistungskurs gewählt werden können. Er hat an die Kultusministerin geschrieben – und Antwort erhalten.

Der Erste Schülersprecher des Stromberggymnasiums in Vaihingen, Jon Buchmüller (16), setzt sich dafür ein, dass es in der gymnasialen Oberstufe in Baden-Württemberg möglich sein soll, zwei Gesellschaftswissenschaften als Leistungskurs wählen zu können.

Ende März hat er einen Brief mit genau dieser Forderung an Kultusministerin Theresa Schopper geschrieben und sein Anliegen formuliert: „Aus unserer Sicht ist es unverständlich, dass Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe lediglich eine Gesellschaftswissenschaft als Leistungskurs wählen können. Hingegen ist es sogar möglich, drei Naturwissenschaften als Leistungskurs zu wählen“.

Jon Buchmüller argumentiert, dass die Gesellschaftswissenschaften einen wichtigen Baustein der Demokratiebildung vermitteln. Dieser sei essenziell, um Lernende zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu machen, welche sich aktiv am politischen Geschehen beteiligen, so Buchmüller in seinem Schreiben an Ministerin Theresa Schopper.

Wenige Wochen später hat Jon Buchmüller tatsächlich ein Antwortschreiben des Kultusministeriums erhalten. In dem Schreiben dankt Ministerin Theresa Schopper dem Vaihinger Schülersprecher für seine Nachricht mit dem Hinweis, dass die zuständige Fachabteilung gebeten worden sei, ihm zu antworten.

Recht umfangreich wird darin der Ist-Zustand beschrieben, wonach beispielsweise die Fächer Deutsch, Mathematik und die Fremdsprachen als basale, also elementare Fächer des Gymnasiums definiert werden. Gemäß dem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Oktober 2007 wurden für die Naturwissenschaften ebenso wie die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch Abiturstandards erstellt.

„Organisatorisch nicht möglich“

So weit so gut. Mit Blick auf die Forderung von Jon Buchmüller folgt dann der Hinweis, dass „weitere Fächer, wie beispielsweise die Gesellschaftswissenschaften, an dieser Stelle aufzunehmen auch aus organisatorischen Gründen nicht möglich sei, da jedes weitere Fach einen einzelnen Prüfungstag im Abitur benötigen würde“.

Jon Buchmüller hat sich zwar sehr darüber gefreut, dass das Kultusministerium ihm geantwortet hat. Die Antwort empfindet er jedoch mehr als irritierend, zumal sich das Kultusministerium auf einen rund 15 Jahre alten Beschluss beruft. Die weltpolitische Situation habe sich seither dramatisch verändert. Aus der Sicht Buchmüllers ist es dem Ministerium scheinbar zu aufwendig, die Gesellschaftswissenschaften gleichgestellt wie Sprachen und Naturwissenschaften zu behandeln. Er gibt zu bedenken, dass nach dem Abitur der eine oder andere vielleicht Mathematiker, Physiker oder Germanist wird, „aber wir alle werden Staatsbürger“, so der Vaihinger Schülersprecher.

Er sieht darüber hinaus auch eine Benachteiligung der Schüler, die sich für Gesellschaftswissenschaften interessieren. Auch die Empfehlung des Kultusministeriums, dass er sein Anliegen an den Landesschülerbeirat herantragen soll, ist aus Sicht von Jon Buchmüller wenig hilfreich, zumal der Landesschülerbeirat kein Initiativrecht habe und erst nachdem das Kultusministerium in Aktion tritt aktiv werden dürfe.

Der Schülersprecher fordert einen echten Dialog zwischen Schülern und der Politik. Zuhören anstatt anhören sollte das Motto sein, so Buchmüller. „Wir jungen Menschen, wissen selbst am Besten, was gut für uns ist.“

MdL Rösler will helfen

Mit seinem Anliegen hat sich Jon Buchmüller an die Landtagsabgeordneten Markus Rösler (Grüne) und Konrad Epple (CDU) gewandt. Von Konrad Epple habe er keine Antwort erhalten. Markus Rösler hingegen habe ihm zugesichert, dass er sich für sein Anliegen bei der Kultusministerin einsetzen wolle. Beinahe 50 Schülersprecher unterstützen inzwischen Buchmüllers Vorstoß. Auch die jungen Philologen und die Gewerkschaft GEW sieht er auf seiner Seite.

Jon Buchmüller ist seit Anfang des Jahres bei den Jungliberalen aktiv. Seit Anfang des Monats ist er Mitglied der FDP. Jon Buchmüller: „Die bildungspolitischen Inhalte der FDP begeistern mich“.

Vorschlag aus dem Jahr 2020

Neu ist diese Forderung nach zwei Gesellschaftswissenschaftlichen Leistungskursen auf dem Weg zu Abitur indes nicht. Bereits 2020 hat der Landesschülerbeirat diesen Vorschlag in seinem Grundsatzprogramm verankert. Damals hätten die SPD und die FDP einen entsprechenden Vorstoß im Landtag gemacht, der jedoch abgeschmettert worden sei, so Jon Buchmüller.

Für ihn Grund genug, diese Forderung erneut aufzugreifen. Er stehe mit der SPD und der FDP in Kontakt. Beide Parteien wollen seinen Vorschlag in ihre bildungspolitische Arbeit mit einfließen lassen.

Sollte Jon Buchmüller mit seinem Anliegen Erfolg haben, wird er selbst nicht mehr davon profitieren, zumal er nächstes Jahr sein Abitur macht. Er sieht sich jedoch in der Verantwortung für die nachfolgenden Generationen.

Info Zu den Gesellschaftswissenschaften gehören die Fächer Politik/Sozialwissenschaften, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft, Philosophie, Erdkunde und Geschichte.

 
 
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