Sachsenheim Schwimmend den See durchquert

Von Ralph Küppers
Am Ziel: Sabine Lieschke aus Sachsenheim mit ihren österreichischen Sportsfreunden Linus Laengle (links) und Florian Bartunek nahe des Bregenzer Bodensee-Ufers. Foto:  

Ausdauerschwimmerin Sabine Lieschke aus Sachsenheim bewältigt die über 62 Kilometer lange Strecke zwischen Bodman und Bregenz.

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as macht man, wenn die Beckenränder in den Freibädern der Region immer viel zu schnell erreicht sind? Sabine Lieschke aus Kleinsachsenheim hat ihren Weg gefunden, diese engen Grenzen zu sprengen. Bereits zum dritten Mal war sie auf längeren Strecken im Bodensee unterwegs. Jetzt hat sie ihn aber erstmals in der Längsrichtung durchquert – als Teil einer Staffel mit zwei Österreichern und um Werbung für Autismus-Hilfe zu machen.

Im Sachsenheimer Rathaus hat Bürgermeister Holger Albrich sich von den Erlebnissen berichten lassen und überreichte einen Scheck für den guten Zweck. Das Geld soll dem Ludwigsburger Verein „Autismus-Kompass“ zugute kommen.

Es ist Jahre her, dass die heute 44-Jährige in ihrer Heimat in Rheinland-Pfalz als Leistungsschwimmerin auf Wettbewerbe gegangen ist. Später verlegte sie sich auf die winterliche Variante. „Von Eisschwimmen spricht man laut Definition, wenn das Wasser weniger als fünf Grad Celsius hat“, sagt Lieschke. Als sie bei der deutschen Meisterschaft im Eisschwimmen den zweiten Platz über 50 Meter belegte, lag die Wassertemperatur bei 1,8 Grad Celsius. „Im vorigen Winter waren wir auch im Horrheimer See schwimmen und haben erst mal eine Eisschicht entfernen müssen“, erzählt sie.

Neue Herausforderungen gesucht

Nachdem die Wassertemperatur nicht mehr viel weiter absinken konnte, mussten als neue Herausforderung offenbar längere Strecken her. Ein Anbieter für Langstreckenschwimmen im Bodensee kam da gerade recht. Im August 2024 schwamm Lieschke im Team die Drei-Länder-Querung von Lindau über das schweizerische Rorschach bis nach Bregenz in Österreich.

2025 folgte die Breitenquerung zwischen Friedrichshafen und Romanshorn in der Schweiz. Das war ein Einzelwettbewerb, für die rund zwölf Kilometer brauchte sie vier Stunden und zehn Minuten.

In diesem Jahr sollte es noch einmal ein ganz besonderer Kick sein. Wegen der äußeren Bedingungen beschloss das Team, den Bodensee von Bodman am nordwestlichen Ende bis nach Bregenz ganz im Osten zu durchschwimmen. „Wir hatten eine festgelegte Reihenfolge und jeder musste mindestens zwei Stunden am Stück im Wasser sein, ehe er abgelöst werden durfte“, berichtet Lieschke von klaren Regeln des Anbieters. Durchbeißen war angesagt – auch bei Nacht und beinahe völliger Dunkelheit. „Ich hatte Respekt davor, aber ich habe es echt genossen.“ Und falls unvermittelt Krampf, Erschöpfung oder sonstige körperliche Unzulänglichkeiten zuschlagen sollten, war ein Begleitboot mit aufmerksamen Kollegen ganz in der Nähe. „Im Bodensee hat man nur drei Sekunden, um jemanden zu retten, dann sieht man ihn nicht mehr“, weiß die Sachsenheimerin, die selbst schon mehrfach solche Touren begleitet hatte.

Trinkflaschen an einer Leine

Zur Verständigung zwischen Schwimmer und Begleitmannschaft waren mehrere Zeichen vereinbart. Schwenkte die Crew die rote Fahne, sollte das den Abbruch bedeuten. „War es die mit dem Totenkopf, dann gab es eine Gefahr – zum Beispiel Treibholz“, erinnert sich Lieschke. Und wurde die Fahne mit dem Bierkrug rausgeholt, war es Zeit für Essen oder Getränke. „Wer gerade schwimmt, darf das Boot nicht berühren“, berichtet die 44-Jährige. „Also haben wir Bananen aus dem Netz bekommen oder Trinkflaschen an einer Leine.“

Gegenströmung bremst

Normalerweise sei sie als Schwimmerin etwa in Schritttempo von sieben Kilometern pro Stunde unterwegs, weiß Lieschke. „Es gab aber sehr viel Gegenströmung.“

Flüsse wie Rhein, Bregenzer Ach, Argen und Schussen fließen alle im Osten in den See und verlassen ihn im Westen kurz vor dem Rheinfall wieder. Demzufolge gibt es im Bodensee ohnehin eine Grundströmung entgegen der Schwimmrichtung, Wind und Wellen kommen dazu. Umso schöner war es, nach knapp einem Tag das Ufer erreicht zu haben.

Mit der Aktion suchte das erfolgreiche Trio nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern verfolgte auch einen guten Zweck. Es wurde eine Spendenaktion für den Verein Autismus-Kompass Ludwigsburg ins Leben gerufen.

Sabine Lieschke ist Mutter und über eins ihrer beiden Kinder selbst Betroffene. Sie legt Wert darauf, dass sich der Fokus nicht ausschließlich auf das erkrankte Kind richtet, sondern dass auch Familien und insbesondere Geschwisterkinder ebenfalls Unterstützung bekommen. Zum Beispiel durch Schwimmkurse, die sie für diesen Personenkreis anbietet.

Über den Hilfsverein

Nähere Informationen zu dem relativ jungen Verein und seine Wirkungsfelder wie auch über Unterstützung durch Spenden gibt es im Internet unter www.autismus-kompass-ludwigsburg.de.

 
 
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