Die Idee zum Projekt ‚Miteinander ohne Gewalt’ entstand vor Ort an der Kirbachschule in Sachsenheim“, sagt Lena Frey, die zuständige Leiterin des Projekts von der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf im Kreis Ludwigsburg. Die dortige Schulsozialarbeiterin Doris Bothner und Rektor Rainer Graef wollten für männliche Jugendliche der Klassenstufen sechs bis neun ein Angebot schaffen, um gegen mangelnde Impulskontrolle, wiederkehrende Regelverstöße und Arbeitsverweigerung anzugehen. Ziel sei ein Sozialkompetenztraining gewesen, sagt Eva Teufel, die Leiterin der Jugendhilfe Hochdorf. Nur zu reden komme jedoch gerade bei männlichen Jugendlichen in diesem Alter kaum an. Es musste ein Angebot her, das theoretische Inhalte vermittelt, aber auch mit physischer Arbeit verbunden ist, „um das Selbstwertgefühl der Jungen zu steigern“, sagt Frey.
Sachsenheim Selbstwertgefühl Jugendlicher durch sinnige Aufgaben stärken
In diesem Schuljahr wird an der Kirbachschule das Schulprojekt „Miteinander ohne Gewalt“ durchgeführt. Auch die BZ-Aktion unterstützt es finanziell.
Aus einer Idee wird ein Projekt
Aus dieser ersten Idee ist das Schulprojekt „Miteinander gegen Gewalt“ entstanden, das nach den Herbstferien an der Kirbachschule angelaufen ist.
Ein Mal pro Woche, immer donnerstagnachmittags, trifft sich nun eine feste Gruppe, bestehend aus neun Jugendlichen und zwei Pädagogen. „Uns war wichtig, dass auch ein männlicher Betreuer dabei ist“, sagt Frey. „Positive männliche Vorbilder sind wichtig“, ergänzt Teufel. Neben der Schulsozialarbeiterin Doris Bothner konnte dafür eine 15-Prozent-Stelle für Tim Ellwein geschaffen werden, der das Projekt gemeinsam mit Bothner leitet. Er sei die Idealbesetzung, finden die Vertreterinnen der Jugendhilfe Hochdorf und kein Unbekannter in Sachsenheim, ist er doch auch Mitarbeiter im Sachsenheimer Jugendhaus Hot.
Um das Kommen der Jungen zu sichern, ist die Teilnahme verpflichtend, wenn man sich für die Gruppe gemeldet hat. Parallel gebe es sowieso verpflichtenden Unterricht, sagt Teufel. „Die, die da waren, haben aber gesehen, dass es Spaß macht und ‚cool’ ist, ein Teil der Gruppe zu sein“, sagt Frey.
Projekte für die Allgemeinheit
Es werden unter Anleitung kleinere Reparaturen in der Schule, aber auch außerhalb durchgeführt. „Projekte, die auch etwas für andere tun“, erklärt Frey. Durch physische Arbeit soll dabei angestaute Energie abfließen sowie das Selbstwertgefühl gestärkt werden. Das Projekt soll in Kooperation mit Seniorenheimen, Kindergärten und der Sozialstation umgesetzt werden, mit dem Schulhausmeister und Mitarbeitern des Bauhofs. „Es geht nicht darum, die Jugendlichen für ihr Verhalten abzustrafen, sondern darum, ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich zu entwickeln“, sagt Teufel. Es wird aber auch einfach mal miteinander Fußball gespielt. „Die Jungen kommen regelmäßig, schwänzen nicht“, sagt Frey freudig.
Das Projekt ist erst einmal auf ein Schuljahr begrenzt, „dann werden wir sehen, wie es damit weitergeht“, sagt Teufel. Für ein Schuljahr kostet die Umsetzung des Schulprojekts 15.000 Euro, es wird von der Stadt Sachsenheim mit 5000 Euro unterstützt und auch die BZ-Aktion Menschen in Not steigt in die Finanzierung ein. Damit wird allem voran die Stelle von Tim Ellwein finanziert. Bislang sei man sehr zufrieden mit der Umsetzung. „Es ist ein gutes Zusammenspiel zwischen den beteiligten Einrichtungen und eine tolle Chance für die Jungs“, sagt Teufel. Es sei für die Jugendlichen ein positives und bestärkendes Gefühl, in der Schule an etwas vorbeizulaufen, das man selbst instand gesetzt habe, sei rückgemeldet worden.
Evangelische Jugendhilfe Hochdorf im Kreis
1924 baut Pfarrer Wilhelm Schilpp in Hochdorf das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde als ländliches Bildungszentrum auf. Schwestern kümmerten sich nach dem Krieg um Waisen. 1955 wird der Verein „Evangelisches Kinderheim Hochdorf“ gegründet. Später entstehen auch Außenwohngruppen im Kreis, unter anderem in Bietigheim-Bissingen und Hessigheim. 1955 wird der Verein umbenannt in „Hochdorf – Evangelische Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg“.
