Das Haus ist zu groß und zu leer, die Betreuung des kranken Ehemanns alleine zu viel, der Wunsch nach einer Wohngemeinschaft mit gemeinsamen Spieleabenden und dem gegenseitigen Austausch groß. Gründe gibt es viele, die Interessenten aus Sachsenheim und aus den umliegenden Gemeinden bewogen haben, zu einem Kennenlern-Treffen des Projekts „Gemeinsame Nutzung von Wohnraum zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenlebens“ (GeNuWo) ins Haus der Senioren im Schlossgarten Großsachsenheim zu erscheinen.
Sachsenheim „Senioren haben oft Angst, Wohnpartner aufzunehmen“
Das Projekt „Gemeinsame Nutzung von Wohnraum zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenlebens“ könnte mehr Resonanz erfahren.
Unterschiedliche Erwartungen
Sie haben sich mit Unterstützung der ehrenamtlichen Wohnpaten in einer großen Gesprächsrunde zusammengefunden, um gegenseitig Kontakte zu knüpfen und eventuell den Weg für eine künftige Wohnpartnerschaft anzubahnen. Dass dies nicht ganz einfach werden könnte, zeigt sich schnell, denn sehr unterschiedlich sind die gegenseitigen Erwartungen.
Während eine Frau im mittleren Alter den Weg in eine Wohngemeinschaft sucht, um nach dem Arbeitsalltag nicht mehr alleine zu sein, sich mit jemandem austauschen und gemeinsam kochen zu können, die Mithilfe im Haushalt aber auf bestimmte Aufgaben beschränken möchte, kann sich ein junger Mann aus einer Asylbewerber-Unterkunft in Bietigheim-Bissingen durchaus vorstellen, dem künftigen Wohnpartner auch bei der Hausarbeit, beim Einkaufen oder im Garten unter die Arme zu greifen.
„Ich habe ein schlechtes Gewissen, so viel Wohnraum alleine zu belegen, ich weiß aber auch, dass es nicht einfach ist, den passenden Wohnpartner zu finden. Ich sehe es realistisch und glaube, dass diese gleichberechtigte Wohnbeziehung wachsen muss“, erklärt eine ältere Frau, die bereits einmal für ein Jahr jemanden in ihr Haus aufgenommen hatte. Als sehr wertvoll sehen es alle Beteiligten an, dass beim GeNuWo-Projekt ehrenamtliche Wohnpaten zur Unterstützung an der Seite von Wohnungsgebern und Wohnungsnehmern sind und bei auftretenden Konflikten oder Unstimmigkeiten vermitteln können. Zudem heben die Teilnehmer der Gesprächsrunde positiv hervor, dass die Möglichkeit für ein Probewohnen geschaffen wurde, um sich gegenseitig noch besser kennenzulernen.
Probewohnen im Idealfall
„Sollte sich eine Wohnpartnerschaft finden, treffen sich Wohnpaten und künftige Wohnpartner zu einem Besichtigungstermin vor Ort, um die weiteren Details zu besprechen. Im Idealfall wird anschließend ein Probewohnen vereinbart und danach eine Entscheidung für oder gegen den Abschluss eines Mietvertrags getroffen“, erläutert der Projektverantwortliche Patrick Schneider. Er geht von einer Miete von zehn Euro pro Quadratmeter aus, die jedoch pro Stunde Unterstützung des Wohnungsgebers wiederum um je zehn Euro reduziert werden kann.
„Aufgabe zu naiv angegangen“
„Zu Beginn des Projekts im Oktober 2024 bin ich vielleicht etwas zu naiv diese Aufgabe angegangen. Es hat sich gezeigt, dass die Ängste und Hemmnisse bei den Senioren in Sachsenheim zu groß sind, um einen fremden Wohnpartner aufzunehmen“, macht Schneider deutlich.
So hat er im Lauf der Zeit die Zielgruppe auf die Generation 50plus erweitert und zudem die umliegenden Kommunen ebenfalls einbezogen. Auch die Gruppe der Wohnungssuchenden ist längst nicht mehr nur auf Studierende oder Auszubildende beschränkt, sondern melden können sich inzwischen auch ältere Menschen, die in einer derartigen Wohngemeinschaft leben möchten.
Ende des Jahres laufen die Fördermittel für dieses Projekt von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt aus. „Anschließend müssen die Verantwortlichen der Stadt Sachsenheim entscheiden, wie es mit dem Projekt weitergehen soll und ob sie es unter ihrer Regie weiterführen wollen“, stellt Schneider klar. Bis dahin hofft er, dass die ersten Wohnpartnerschaften erfolgreich gestartet sind.
Jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr steht Schneider mit Mitgliedern seines Teams und der acht ehrenamtlichen Wohnpaten im Haus der Senioren in Großsachsenheim für Gespräche bereit. Am 12. Oktober besteht auch beim Gemeindefest der katholischen Kirchengemeinde Gelegenheit für einen Erfahrungsaustausch, ebenso am 9. November bei der evangelischen Kirchengemeinde in Großsachsenheim.
