Sachsenheim Silvester-Feuerwerk: „Die Leute lieben Traditionen“

Von Markus Wirth
Kirsten Helbig und Matthias Brunner sorgen vor Silvester dafür, dass die Menschen das neue Jahr der Tradition entsprechend mit Raketen und Ähnlichem begrüßen können. Foto: /Oliver Bürkle

Kurz vor Silvester wird der Laden von Pyrotechnik Brunner in Hohenhaslach zum Wallfahrtsort für jene, die mit Raketen und Böllern das neue Jahr begrüßen wollen.

Matthias Brunner ist ein in sich ruhender Mensch, der auch dann gelassen bleibt, wenn, metaphorisch gesprochen, die Luft um ihn herum brennt. Die drei Tage vor dem Jahreswechsel haben es für ihn und sein Team von Pyrotechnik Brunner nämlich in sich. Denn immer dann, wenn das alte Jahr zu Ende geht und das neue vor der Tür steht, ist sein Ladengeschäft im Gewerbegebiet von Hohenhaslach ein wahrer Wallfahrtsort für all jene, die es zu Silvester nochmals so richtig knallen lassen wollen.

Böllern – den Enkeln zuliebe

Und dies scheinen auch dieses Jahr wieder zahlreiche Menschen aus der Region und darüber hinaus zu sein – die Parkplätze rund um die Flachdachhalle sind belegt, auch im sich anschließenden Baugebiet sind sie äußerst rar, und wem ein kleiner Spaziergang nichts ausmacht, parkt sein Auto entlang der Horrheimer Straße. So wie Ansgar Marecke aus Stockheim: „Meine Frau und ich hatten uns das Zünden von Feuerwerkskörper zu Silvester schon lange, spätestens als die Kinder aus dem Haus waren, eigentlich abgewöhnt“, sagt der Rentner aus dem Brackenheimer Teilort.

Doch nun seien über den Jahreswechsel zwei seiner Enkel zu Besuch, und da würde er ihnen zuliebe eine Ausnahme machen: „Aber allzu viel Geld möchte ich nicht ausgeben, ich habe mir bei 20 Euro ein Limit gesetzt.“ Vor allem auf Lichteffekte wolle er setzen, „die ganz lauten Knaller gibt es bei uns nicht,“ denn die Nachbarn hätten ein zwei Monate altes Baby und es gebe rings in der Straße, in der er wohne, auch einige Familien mit Haustieren – „da muss man schon auch Rücksicht nehmen“.

Matthias Brunner steht mit seinem Team derweil hinter dem Tresen in seinem Laden und reicht das Gewünschte über die Ladentheke. Dauernd stockt der Verkehr draußen in der Aischbachstraße, in welcher gerade mal zwei Fahrzeuge aneinander vorbei passen, da auch an deren Rändern geparkt wird. „Die Leute lieben Traditionen, wollen den Brauch ausleben, das neue Jahr mit Raketen, Böllern und anderen pyrotechnischen Produkten zu begrüßen“, sagte Brunner. Und das, weiß der Geschäftsmann, lassen sie sich Jahr für Jahr etwas kosten.

So seien die bundesweiten Ausgaben mit etwa 190 Millionen Euro in etwa konstant, sagt der Pyrotechniker, der vor 37 Jahren mit dem Handel von Feuerwerkstechnik anfing – damals noch ganz bescheiden in der Garage seiner Eltern. Vor allem jedoch nach Corona, als die Umsätze auf ein Allzeit-Tief gesunken waren, habe ein wahrer Boom eingesetzt. Aktuell seien die Batterien der Renner, aber auch die Raketen gingen immer noch weg wie geschnitten Brot: „Vor allem die Wunschraketen sind sehr beliebt und werden häufig nachgefragt,“ erklärt Brunner. Bevor ein solcher Himmelsstürmer startet, wird auf einem Zettel ein Wunsch notiert und dieser in einen Schlitz im Raketenkopf gesteckt.

Auch Anna Billthaler aus Magstadt hat den Weg in die Kirbachtalgemeinde auf sich genommen, um bei Brunner einzukaufen: „Meine Kinder haben an den Feuerwerkskörpern an Silvester ihre Freude, das Abfeuern von Knallern gehört einfach zum Ritual dazu“, sagt sie, und Finja, acht, sowie ihre Schwester Lina, vier Jahre alt, stimmen zu. Allerdings wird Anna Billthaler nicht mehr Geld ausgeben, als sie sich vorgenommen hat – „maximal 50 Euro, mehr ist nicht drin, und mehr muss auch nicht sein“.

„Das neue Jahr laut begrüßen“

Einiges tiefer in die Tasche möchte Serdar Korkmaz aus Remseck greifen, „ich habe mir vorgestellt, dass ich so an die 300 Euro investieren werde, es gehört einfach zum Jahresabschluss dazu, mit den Kumpels zu feiern und eben auch das neue Jahr ordentlich laut zu begrüßen. Und seit ich im Sommer mit dem Rauchen aufgehört habe, hab ich für die Raketen und die Knaller auch noch ein bisschen mehr Geld übrig“, sagt er.

Klar, wegen des Krachs sei das für seinen Hund nicht so toll, „aber mittlerweile ist er auch daran gewöhnt. Außerdem dauert das Ganze ja nur eine runde halbe Stunde, dann ist zumindest bei mir wieder Ruhe für den Rest vom Jahr“, lacht er und reiht sich in die Schlange der Wartenden ein.

 
 
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