Es gibt unumstößliche Tatsachen, die einfach in Stein gemeißelt scheinen und so unveränderlich sind wie ein Naturgesetz – zum Beispiel jene, dass immer am letzten Samstag eines jeden Monats das Reparaturcafé im „Tender“, dem Veranstaltungssaal des Bahnhofs, stattfindet.
Sachsenheim Soziale Komponente ist auch wichtig
Immer am letzten Samstag im Monat findet in Sachsenheim das Reparaturcafé statt, in dem defekte Bügeleisen, Fahrräder, Radios und ähnliches gangbar gemacht werden.
Wenn sich am Samstagnachmittag Sachsenheimer dort einfinden, um etwas Defektes durch die Mitglieder des Vereins Ibisa (Initiative zur Belebung der Innenstadt Sachsenheims) wieder gangbar machen zu lassen, blicken die Ehrenamtlichen auf zwei Jahre dieses Angebots zurück. Einer davon ist Ralf Kroneberger, der „Geburtshelfer“ des Reparaturcafés, der zuvor, 2020 war das, in Mühlacker und drei Jahre später in Vaihingen ein solches aus der Taufe gehoben und mit aufgebaut hatte.
Vor zwei Jahren dann, mittlerweile in Sachsenheim wohnend, hat er die Idee hierher gebracht. Der passionierte Bastler fand schnell begeisterte Mitstreiter, auch bei der Stadtverwaltung fand er Gehör.
Mit Ein- und Ausgangsprüfung
„In den zwei Jahren, die das Reparaturcafé mittlerweile angeboten wird, hat es sich zu einem Selbstläufer entwickelt. Aber es steckt auch jede Menge Arbeit dahinter.“ Nicht zu unterschätzen sei auch der bürokratische Teil, der manches Mal die ganze Sache etwas bremst, wie Karl Heinz Sieber weiß: „Die Vorschriften verschärfen sich, will man ein solches Reparaturangebot verwirklichen.“ Man habe aber von selbst, auch und vor allem zum Schutz der Reparateure und der Gäste, die mit defektem Gerät im „Tender“ stehen, eine Ein- wie auch eine Ausgangsprüfung eingerichtet, um sicherzustellen, dass die Geräte – im Idealfall – dann auch so funktionieren, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht. „Wir haben einen Pool aus rund 15 Reparateuren, auf den wir zurückgreifen können“, sagt Herbert Deumelhuber, freilich seien sie eigentlich noch mehr, aber viele hätten meistens keine Zeit, sich den Samstagnachmittag freizuschaufeln. Aber der „harte Kern“ stehe parat, wenn das Fahrrad nicht mehr fährt, der Mixer streikt oder der Plattenspiel die Kooperation verweigert.
Der ganze Service ist kostenfrei, aber über eine Spende freuen sich die Vereinsmitglieder dennoch. Dann gebe es auch immer, betont Kroneberger, drei Leute im „Backstagebereich“, die sich um die Bewirtung der Gäste kümmern, denn: „Die soziale Komponente ist eines der Standbeine unseres Reparaturcafés. Wir wollen nicht nur, dass die Leute hierherkommen, wenn zum Beispiel ein Bügeleisen scheinbar den Geist aufgegeben hat oder der Staubsauger schwächelt, sondern auch, um hier gemütlich eine Tasse Kaffe und ein Stückchen Kuchen zu genießen. Daher die Verbindung aus Reparatur und Café, die unseren monatlichen Treff ausmacht.“ Und beim Kuchen gebe es keinen „selbstgekauften“ vom Konditor, sondern hausgemachten von Mitglied Dorothee Schock.
Die Gäste haben dann immer die Wahl zwischen zwei Kuchensorten, „das ändert sich jahreszeitabhängig“, wie die passionierte Hobbykonditorin hervorhebt: „Aktuell ist der Apfel- und der Zwetschgenkuchen in all seinen Variationen auf der Agenda, im Mai eher der Rhabarber-, später im Sommer der Träubleskuchen.“ „Unser Angebot ist auch immer ein Stück weit Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Ralf Kroneberger, denn während das defekte Teil repariert werde, sollen die Gäste zuschauen, wie es repariert wird, um bei einem neuerlichen Funktionsaus- und im Idealfall selbst den Schraubendreher oder den Lötkolben zu schwingen. „Es gibt aber auch Gäste“, weiß Karl Heinz Siber, „die nur des Kuchens wegen kommen, das ist uns auch recht und wir freuen uns, dass die Backkünste von Dorothee so gut ankommen.“ Hausbesuche würde man allerdings nicht anbieten, „die Leute müssen schon zu uns in den ‚Tender’ kommen.“ Und dies taten in den vergangenen zwei Jahren rund 250 Gäste, „wir haben bei erfolgreich verlaufenen Reparaturen eine Quote von über 50 Prozent.“
Kuriose Begebenheiten
Freilich gebe es, weiß Herbert Deumelhuber und lacht, auch immer wieder kuriose Begebenheiten, „so etwa der scheinbar defekte Staubsauger, der nur nicht mehr saugte, weil der Staubsaugerbeutel schlicht vergessen wurde, gewechselt zu werden und der Schmutz dann den Motor verstopft hat.“ Instandgesetzt werde alles, aber es gebe auch Dinge, die man nicht reparieren würde: „Das Gangbarmachen von Waschmaschinen oder Kühlschränken lehnen wir ab, auch bei Mikrowellen kümmern wir uns nur um die Mechanik, die Elektrik bleibt tabu“, sagt Ralf Kroneberger. Und da das Reparaturcafé – schon alleine des Mangels an ausreichendem Stauraum wegen – keine Ersatzteile vorhalte, müssen sich die Gäste selbst um die Beschaffung dieser Module bemühen.
In Zeiten des Internethandels jedoch keine große Sache: „Die bestellen das benötigte Teil und kommen dann zum nächsten Reparaturcafé wieder, dann wird die Sache final gemacht“.
