Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, sagte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal. Patrick Appl hatte eine Idee, doch den Arzt hat er deshalb nicht nötig – denn er ist ein ausgesprochen ausgeglichener Mensch. Ein Charakterzug, der wohl auch darin begründet sein dürfte, dass er sein Dasein als Nebenerwerbslandwirt lebt und liebt. Denn von Beruf ist er eigentlich Elektromeister und arbeitet 30 Stunden in der Woche als solcher: „Hier kann ich mir meine Zeit weitestgehend einteilen“, sagt er, um genau zu wissen, dass dies bei seinen Kühen, Schafen und Hühnern, bei seinen Äckern und Wiesen, in weiteren rund 50 Wochenstunden nicht geht.
Sachsenheim Traum vom Stückle wird wahr
Nebenerwerbslandwirt Patrick Appl bietet Hobbygärtnern gegen Pacht eine Ackerparzelle zum Eigenanbau an.
Natur nimmt keine Rücksicht
„Die Natur nimmt keine Rücksicht, das Wetter kann jeden Moment umschwenken, kein Tag ist wie der andere“, sagt der 32-Jährige, der zusammen mit seiner Frau Heike den Leonhardshof am südlichen Rand von Großsachsenheim nahe der L 1125 bewirtschaftet. Und gerade das Arbeiten im Stall und auf dem Feld, bei Wind und Wetter, unabhängig, ob nun Mittwoch oder Sonntag oder Feiertag ist, das Tagwerk im Ablauf der Jahreszeiten – all dies hat ihn geerdet, bringt ihm jenen Ausgleich, der ihn mit Zufriedenheit erfüllt.
Die Liebe zu Tieren ist ihm an die Wiege gesungen worden, denn er wuchs in einer Familie auf, deren Passion die Kleintierzucht war. Wenn Appl von seinem Hof redet, ist ihm die Begeisterung dafür anzumerken. Bei seinen Tieren setzt er nicht nur auf möglichst artgerechte und tierwürdige Haltung, sondern fördert auch die Nachzucht althergebrachter, beinahe vergessener Rassen – so stehen bei Familie Appl rund 120 Coburger Fuchsschafe und sieben Limpurger Mutterkühe im Stall. „Neben der Tierhaltung und Direktvermarktung unserer lokalen Produkte ist mir auch die damit verbundene Landschaftspflege ein besonderes Anliegen“, sagt der Sachsenheimer. Nur durch Fruchtfolge und pflegliche Behandlung des Bodens könne dessen Fruchtbarkeit erhalten bleiben.
50 Hektar Land, hälftig zugepachtet, bewirtschaftet Patrick Appl derzeit. Was Boden und Stall hergeben, wird im eigenen Hofladen vermarktet oder aber auch teilweise in den Läden von benachbarten Höfen. Nun also kam ihm vor einiger Zeit die Idee, einen Acker an der Goethestraße am westlichen Rand des Gewerbegebiets „Holderbüschle“, der auch mit dem Fahrrad gut erreichbar ist, an Dritte stückweise zu verpachten.
„Rent a Huhn“ weitergedacht
„Wir kennen alle Aktionen wie ,Rent a Huhn’, und da habe ich einfach noch ein bisschen weitergedacht und den Versuchsballon mit dem Acker gestartet“, sagt der Sachsenheimer Teilzeitlandwirt. Das Prinzip ist denkbar einfach – gegen eine Pacht für 20 (oder 40 und 60) Quadratmeter vom Äckerle von 200 Euro pro Saison – sie geht von Mai bis November – können Freizeitgärtner, Hobby-Gemüsebauer und sich all jene, die entweder keinen eigenen Garten besitzen oder diesen nicht als Nutzgarten angelegt haben, bei ihm anmelden.
In der Pacht mit inbegriffen ist die freie Nutzung von Arbeitsgeräten und auch das für das Wachstum benötigte Wasser. Und damit die „Stücklesbesitzer auf Zeit“ flexibel bleiben können, gilt die Pacht jeweils nur für eine Saison. Wer möchte, kann dann entweder ganz damit aufhören, pausieren oder eben weitermachen.
„Der Bedarf ist da“, sagt Appl, und damit die Leute – die nicht nur aus Sachsenheim, sondern auch aus dem Bietigheim, Metterzimmern und Bissingen und sogar aus Freudental stammen und die Scholle an der Goethestraße beackern – nicht bei Null anfangen müssen, gibt es in Zusammenarbeit mit der Gärtnerei Currle für jeden ein Starterset mit 40 Jungpflanzen von Paprika, Zucchini, Zwiebel und verschiedenen Salatsetzlingen. Patrick Appl hatte eine Idee, die Realität geworden ist.
Und nun lässt er auch seine Mitbürger daran teilhaben, damit sie realisieren, dass das Gemüse nicht im Supermarkt wächst und die Erbsen nicht in der Dose. Denn er weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut: „Mit Erde unterm Fingernagel schmeckt jede Gemüsesorte noch besser.“
Nun freut er sich erst einmal auf seinen neueste Errungenschaft – „in der kommenden Woche bekomme ich meinen mobilen Hühnerstall“, dann können er und seine Hühner auch hier flexibler agieren. „Mir ist wichtig“, sagt Appl, „dass die Leute nicht nur die Eier kaufen, sondern später, wenn die Hühner nicht mehr zum Eierlegen taugen, auch ein Suppenhuhn kaufen.“ So leiste der Kunde nicht nur einen wertvollen Beitrag des regionalen Konsums, sondern zeige mit dem nachhaltigen Kauf des Tieres auch den Respekt vor dem, was uns Mutter Natur gegeben habe.
