Sachsenheim und Klima Mobil Radler, Verkehr, Innenstadt

Von Dietmar Bastian
Rund 40 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Begehung am Dienstag nach Sachsenheim, bei der auch Bürgermeister Holger Albrich (blaue Mappe) und der Fachbereichselter Technik, Thomas Feiert (vorne, 2. von links) dabei waren. ⇥ Foto: Werner Kuhnle

Nach einem Ideenworkshop in dieser Woche soll das Projekt „Klima Mobil“ im kommenden Jahr merklich an Fahrt aufnehmen.

Sachsenheim geht beim Thema Klimakommune in die nächste Runde. Nach dem mehrstündigen „Planungsworkshop Zukunft Innenstadt“ am Dienstagabend mit rund 40 Bürgerinnen und Bürgern, darunter einigen Stadträten, könnte es für die Modellkommune von „Klima Mobil“ (die BZ berichtete) nun schnell gehen: Schon 2022 sollen größere Veränderungen bei der Verkehrsführung bei der Einrichtung eines besser ausgebauten Radnetzes und bei einer freundlicheren Gestaltung des Citykerns in Angriff nehmen – das Einverständnis des Stadtrats vorausgesetzt. Das Geld für potenzielle Maßnahmen kommt zum größten Teil aus Fördertöpfen des Landes.

Am Ideenworkshop waren Hendrik Beeh (Kompetenznetz Klima Mobil), Dr. Bodo Schwieger (Planungsbüro Team Red), die Moderatorin Claudia Peschen sowie Bürgermeister Holger Albrich beteiligt. Ziel des Workshops war es, mit den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern die inzwischen ausgearbeiteten Vorentwürfe zu diskutieren und weiter zu konkretisieren. Vorausgegangen war in 2020 die Möglichkeit, bei einem „Ideenmelder“ online Vorschläge für die Verbesserung der Lebensqualität in Sachsenheim zu formulieren. Die Planer konnten schließlich auf immerhin 123 ausführliche Ideen zurückgreifen.

Rundgang durch Sachsenheim

Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation in der Großsachsenheimer Innenstadt scheint groß zu sein: zu viel Verkehr, kaum Begegnungsräume, unattraktiv für Fußgänger und Radfahrer durch zu kleine Gehwege und das Fehlen von Radwegen, kaum optische Höhepunkte im Stadtbild. Dementsprechend engagiert haben die Teilnehmer des zweigeteilten Meetings zugehört, diskutiert, gestritten und waren schließlich erstaunlich konsenswillig.

Im ersten Teil des Abends gab es einen Rundgang zu vier neuralgischen Punkten in der Stadt. Im Anschluss traf man sich in der Mensa im Schulzentrum zur Präsentation der Vorentwürfe und anschließenden arbeitsteiligen Gruppenarbeit. Man spürte den ganzen Abend hindurch den alle vereinigenden Wunsch, die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Bürgermeister Holger Albrich äußerte in seinem Begrüßungsstatement, die Rahmenbedingungen seien zwar schlecht und ihm fehle auch der fachliche Blick, doch glaube er, mit „Klima Mobil“ sei die Stadt auf einem guten Weg.

„Wie in Sachsenheim gelebt werden soll – das muss die Stadtgemeinschaft selbst entscheiden. Wir Stadt- und Verkehrsplaner setzen die Ideen um, die vor Ort gefunden wurden“, äußerte Bodo Schwieger vom Team Red. Um den Abend nicht zu überladen, beschränkten sich die Beteiligten auf die Bereiche Von-Koenig-Straße, Brunnenstraße und Goethestraße. Als Ziele wurden schließlich formuliert, den Radverkehr massiv zu stärken, den Autoverkehr anders zu steuern und die Attraktivität der Innenstadt deutlich zu erhöhen.

Tempo 30 in Brunnenstraße?

Konkret ist angedacht, die Brunnenstraße zur verkehrsberuhigten Einbahnstraße mit Tempo 30 umzugestalten und die Von-Koenig-Straße als Verweil- und Begegnungsraum mit Grünflächen und Sitzmöglichkeiten aufzuwerten. Die Konsequenz wäre, dass einige Parkplätze wegfielen. Die Goethestraße könnte zur Fahrrad-Einbahnstraße mit Tempolimit werden, auf der nur Autos der Anlieger verkehren.

Auch deutlich weitergehende Visionen wurden diskutiert: den Verkehr komplett aus der Innenstadt zu verbannen, oder die Fußgängerzone deutlich zu erweitern. Unbeantwortete Fragen versprachen die Planer mit nach Hause zu nehmen: Wie berücksichtigt man die Belange der Händler im Stadtzentrum? Wie kommen ältere Menschen zum Ärztehaus? Wie bindet man Jugendliche in die weiteren Planungen ein? Eines machte der Abend deutlich: Es handelt sich bei „Klima Mobil Sachsenheim“ um keine Deko-Maßnahme, sondern um die radikale Umgestaltung der städtischen Infrastruktur.

 
 
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