Sachsenheim Versuchsballon wird zum Erfolg

Von Markus Wirth
Begüm Yilmaz (links) eröffnete im Sommer ihren Geschenkeladen „Livea“. Dank der überwältigenden Resonanz darf sie ihr Geschäft bis Ende Juni kommenden Jahres weiterführen. Foto: /Martin Kalb

 Gemeinderat informiert sich über den Abschlussbericht zum „Pop-Up-Store“, dieser wird nach der hohen Nachfrage bis zum 30. Juni weitergeführt.

Die Idee war genauso simpel wie in sich schlüssig – und letztlich wurde sie ein großer Erfolg. Die Stadtverwaltung hatte zu Beginn des Jahres eine leer stehende Gewerbefläche in bester Innenstadtlage angemietet mit dem Ansinnen, diese an Gewerbetreibende, die sich eine Existenz aufbauen wollten, weiterzuvermieten. So kam, auf Initiative von Arved Oestringer vom Amt für Wirtschaftsförderung, der auch die Idee dazu hatte, das Vorhaben „Pop-Up-Store“ zustande.

Bilanz eines Erfolgs

Bürgermeister Holger Albrich umriss in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nochmals die Erfolgsgeschichte und ging auf die einzelnen Stationen ein, die der „Pop-Up-Store“ seit seiner Öffnung im Februar durchlaufen hatte. So entstand zunächst unter der Leitung von Birgit Kührer ein offener und niedrigschwelliger Kreativraum, der, so der Bürgermeister, „Besucherinnen und Besuchern aller Altersgruppen die Möglichkeit bot, spontan, unkompliziert und ohne Vorkenntnisse kreativ tätig zu werden.“

Zudem habe Kührer zahlreiche thematische Workshops initiiert, die von Bastelaktionen bis hin zu saisonalen Gestaltungsformaten reichten. Albrich: „Die Kreativwerkstatt erfreute sich eines unerwartet hohen Zuspruchs und wurde zu einem wichtigen Anziehungspunkt in der Innenstadt. Sie trug maßgeblich dazu bei, den zuvor leer stehenden Standort zu beleben.“

Der nächste Mieter sei dann die Firma „AVL-Gebrauchtwarenhaus“ gewesen. Das Angebot habe hier Second-Hand-Möbel, Antiquitäten, Dekoartikel, Bücher und Haushaltswaren umfasst, „Gegenstände, die in Großsachsenheim ein zweites Leben fanden und damit aktiv zur Ressourcenschonung beitrugen.“

Auch der Deko- und Geschenkeladen „Livea“, der daraufhin folgte, habe einen wichtigen Impuls für die Belebung der Innenstadt geliefert. Die Idee von Begüm Yilmaz, verschiedene Teesorten, Matcha, Kaffee und kleinere Speisen anzubieten, habe ebenfalls schnell großen Anklang gefunden und den Beweis untermauert, dass es in Sachsenheim durchaus Bedarf an guten Geschäftsideen mit einem entsprechenden Angebot gebe. Gerade Schülerinnen und Schüler schauten gerne vorbei, um, etwa nach der Schule, Erfrischungsgetränke oder einen Matcha zu genießen, und auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung verbrächten dort gerne ihre Pausen. Schon lange hätten die Jugendlichen das Ladengeschäft liebevoll in „Matcha-Store“ umbenannt.

Gemeinsam bis Ende Juni

„Ursprünglich“, hob der Bürgermeister hervor, „war die Dauer des Mietverhältnisses mit ,Livea’ bis Oktober geplant. In enger Abstimmung mit der aktuellen Vermieterin Corinna Hofer wurde die Nutzung jedoch verlängert. Da die vorhandene Fläche von insgesamt 98 Quadratmetern für Corinna Hofer langfristig zu groß war, ergab sich eine ideale Lösung: Die Fläche gemeinsam aufzuteilen.“ Seit November teilten sich nun Yilmaz und Hofer den Laden, jüngst wurde dessen Fortbestand durch die Stadt bis zum 30. Juni garantiert.

Auf Tik-Tok sei die Pop-Up-Geschichte viral gegangen und habe der Stadt auch Gäste aus den Nachbarstädten beschert, die den neuartigen Laden kennenlernen wollten. Albrich: „Damit wurde nicht nur ,Livea’, sondern auch die Sachsenheimer Innenstadt insgesamt bekannter.“ Somit – auch dank der Sozialen Medien – wurde binnen kürzester Zeit geschaffen, wovon die Stadt schon lange träumt: nämlich eine möglichst langfristige Bindung an eine junge Unternehmerin, die ein modernes Konzept zu etablieren weiß und somit die Stärkung der Innenstadt vorantreibt.

Mit Vermieterin in Verhandlung

Da diese Erfolgsgeschichte noch nicht zu Ende erzählt ist, böte sie zudem die Chance, Impulse für weitere Ansiedlungen zu geben.

Die Gemeinderäte nahmen diese erfreuliche Entwicklung gerne zur Kenntnis, jedoch kritisierten Helga Niehues (SPD) und Steffen Wezstein (WIR) andererseits die oftmals horrenden Mieten, die gerade im Innenstadtbereich aufgerufen würden.

Arved Oestringer, der, wie der Bürgermeister ihn nannte, „Vater des Pop-Up“, konzedierte, gerade die Mietpreise seien einer der Knackpunkte: „Wir brauchen Ladenflächen in der Innenstadt, es gibt sie auch, aber wir kommen mit den Vermietern einfach nicht auf einen Nenner.“ Man sei zwar nach wie vor in Gesprächen mit den Eigentümern, doch zeigten diese – Stand heute – wenig Entgegenkommen. Man werde jedoch am Ball bleiben, versprach Oestringer.

 
 
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