Es war wie eine Reise in längst vergangene Zeiten. Frauen und Männer bildeten eine lange Eimerkette, um einen Brand zu löschen. Was für eine Schauübung nur nachgestellt wurde, war früher in Kleinsachsenheim an der Tagesordnung. „Wir wollten anlässlich unseres 150-jährigen Bestehens in diesem Jahr die Bevölkerung natürlich auch anschaulich in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr in Kleinsachsenheim blicken lassen“, erklärte Abteilungskommandant Armin Klein. So entstand die Idee für eine „Historische Meile“ im Ortskern rund um das alte, im Jahr 1833 erbaute „Feuerwehrlöschmagazin“, das 150 Jahre lang auch als solches genutzt worden war. Heute ist das Gebäude ein Feuerwehr-Museum mit historischen Gerätschaften wie einer fahrbaren Schiebeleiter aus dem Jahr 1923, einer Handdruckspritze aus dem Jahr 1875 sowie einer Tragkraftspritze aus dem Jahr 1942.
Sachsenheim Von der Eimerkette zur Drehleiter
Wehrleute in Kleinsachsenheim präsentieren bei der „Historischen Meile“ Schätze aus der 150-jährigen Geschichte ihrer Abteilung.
Die ganze Bevölkerung half mit
Doch nicht nur ihre eigenen historischen Raritäten stellten die Wehrangehörigen auch Kleinsachsenheim zur Schau, sondern auch Ausstellungsstücke aus den Feuerwehr-Museen in Stuttgart oder Winnenden sowie Leihgaben von benachbarten Wehren aus Bietigheim-Bissingen, Löchgau oder Bönnigheim. „Bis die Ortswasserversorgung in Kleinsachsenheim um 1900 hergestellt war, musste das Wasser zum Löschen zusammengetragen werden und dabei half die gesamte Bevölkerung mit“, erläuterte Klein. Allein 16 Wehrleute waren beispielsweise zur Bedienung einer Handdruckspritze notwendig, weil der Kraftaufwand mit den Händen so enorm war, dass die Floriansjünger sich immer wieder abwechseln mussten, um die Flammen eines Brandes endgültig zu löschen.
Aber auch historische Löschfahrzeuge konnten die Besucher bestaunen. Die Wehrleute aus Bissingen hatten ein Tanklöschfahrzeug von 1921 mitgebracht, und das Löschfahrzeug aus Freiberg aus dem Jahr 1937 war ebenfalls ein Feuerwehr-Oldtimer.
Eine Augenweide war aber auch die historische Modenschau mit Uniformen, die teilweise mit ihren typischen Doppelknopfreihen aus dem Jahr 1875 stammten. „Wir haben bei der fast zweijährigen Vorbereitung dieses Jubiläumsfestes schnell gemerkt, dass die Wehrleute früher viel kleiner waren und einen kleineren Kopfumfang hatten“, schmunzelte Thomas Jauß, der gemeinsam mit seinem Vater Siegfried und Werner Enchelmaier die „Historische Meile“ federführend gestaltet hatte. Inzwischen ist es üblich, dass die Uniformen der Wehrleute mindestens alle zehn Jahre ausgetauscht werden, weil die darin verarbeiteten Kunststoffe meist nicht länger haltbar sind. „Dieser stete Wechsel kam erst zu Beginn der 1990er-Jahre auf. Früher waren die Uniformen noch aus Schurwolle“, sagte Jauß. Der Wandel war auch an den Helmen nachvollziehbar, die früher aus Leder mit Messingkamm eine äußerst schmucke Optik hatten. Moderator Michael Gärtner, bekannt als Stadionsprecher „Fury“ von den Steelers, brachte den Zuschauern die historischen Details unterhaltsam nahe.
Steter Wandel
Für die kleinen Besucher hatten die Mitglieder der Jugendfeuerwehr ein buntes Programm mit Spritzenhäuschen und Co. auf die Beine gestellt. „Die Jugendfeuerwehr ist für uns zur Nachwuchsgewinnung ganz wichtig, aber auch mit solchen Veranstaltungen wollen wir die Bevölkerung zu einer Mitarbeit in unseren Reihen motivieren“, sagte der Kleinsachsenheimer Abteilungskommandant Klein. Die Mitglieder des Backhausvereins sorgten für die Bewirtung, die sich zudem an einem Stand auch über den Katastrophenschutz im Kreis informieren konnten.
„Bei der Feuerwehr ist ein steter Wandel zu verzeichnen, dabei ist die Feuerwehrabteilung in Kleinsachsenheim prägend für unsere Stadtgeschichte. Früher wurde mit der Hand und dem Eimer gelöscht, heute steht in Kleinsachsenheim das moderne Drehleiterfahrzeug“, sagte Bürgermeister Holger Albrich. Mit dem beliebten Laternenumzug am 24. Oktober und der Beteiligung am Weihnachtsmarkt am 13. Dezember dieses Jahre endet das festliche Jubiläumsjahr der Feuerwehr Kleinsachsenheim.
