Sachsenheim Von Hundert auf Null – und umgekehrt

Von Markus Wirth
Das Bild zeigt das bislang letzte TVG-Zeltlager im Jahr 2019. Nun steigt es, nach sechsjähriger Pause, ab dem kommenden Mittwoch wieder auf dem Fußballplatz der Sportfreunde. Foto: Ilshöfer

Nach sechsjähriger Pause bietet der Turnverein Großsachsenheim wieder sein Jugendzeltlager an – ein Gespräch über Corona-Pause, Ehrenamt und Zuversicht in die Zukunft.

Ja, es ist immer noch da, dieses Fieber, diese Vorfreude, diese positive Anspannung, die wir fast schon vergessen hatten“. Nadine Ilshöfer sitzt am Esszimmertisch und lässt die Blicke nach draußen schweifen. Sonnenschein und ein blauer Himmel spannen sich über den Strombergrücken und malen ein Bild der Ruhe in den Himmel.

Fast schon vergessen hatten sie und ihr Ehemann Heiko, was es heißt, ein Zeltlager für Kinder und Jugendliche des Turnvereins sowie auch für Nichtmitglieder, vorzubereiten. Was es bedeutet, gemeinsam mit vielen emsigen Mitgliedern des Organisationsteams ein solches auf den Weg zu bringen, dafür zu sorgen, dass es rund 100 jungen Sportsfreunden zwischen acht und 15 Jahren während der Sommerfrische an nichts fehlt. Denn das letzte Zeltlager fand 2019 statt.

Sportplatz wird zum Zeltlager

„Wir sind natürlich etwas aufgeregt, wie es mit neuen Kindern und vielen neuen Betreuern wird, denn keines war durch die sechsjährige Pause schon einmal dabei“, sagen die Sachsenheimerin, und ihr Ehemann, beide sind schon seit Kindestagen Mitglied des TVG.

Doch nun, da Corona seit gut zwei Jahren Geschichte ist und es ab dem kommenden Mittwoch auf den Fußballplatz der Sportfreunde Großsachsenheim gehen wird, ging es bereits im Vorfeld hoch her. Heiko Ilshöfer: „Die Vorbereitungen laufen seit Ende 2024. Ein Meilenstein sind immer die Anmeldungen. Bis dahin muss das grobe Konzept und die Betreueranzahl stehen und die Anmeldelisten müssen fertig sein“.

Natürlich müsse auch an den Flyer für die Aushänge und Plakate gedacht werden. „Durch die Betreuer, in Kleingruppen eingeteilt, werden dann die Spiele ausgearbeitet, ebenso die Bastelaktionen, und alles läuft dann letztlich bei der Organisation zusammen“, sagt der 52-Jährige.

Normalerweise gibt es zwei Betreuer je Zelt, zwei Personen je für die Leitung, die Technik und das Programm, zwischen fünf und sechs Personen werden fürs Küchenteam abgestellt, zwei Personen für die Nachtwache: „So kommen wir“, sagt Heiko Ilshöfer, „summa summarum auf gut 30 Helfer, auf die wir zählen können.“

Es wird endlich wieder für ein paar Tage in die nahe gelegene Natur gehen. Abenteuerlust, Lagerfeuer, gemeinsame Wanderungen. Ein paar Tage weg vom Elternhaus. Sich groß fühlen dürfen und doch behütet sein. Alles wieder da. „Und natürlich auch der ganze Stress im Vorfeld“, lacht Nadine Ilshöfer. Stress, der nicht ausbleibt, aller Vorfreude zum Trotz. „Wir müssen Zelte und Betreuer einteilen sowie alle erforderlichen Listen für Essensreihenfolgen, Helferliste, Spülplan und dergleichen erstellen“. Es gebe ein Kernteam mit den übrig gebliebenen „alten Hasen“, zu denen inzwischen auch Ilshöfers erwachsene Kinder Dennis und Nele gehören.

„Wir waren und sind ein gut eingespieltes Organisationsteam“, lobt die 51-Jährige ihre Mitstreiter, von denen manche schon seit vielen Jahren dabei sind, gerade so wie die Ilshöfers. „Wir hatten 2007 die Idee, ein solches Lager zu initiieren, dann 2008 unser erstes Zeltlager organisiert und dieses zwölf Jahre lang mit viel Freude und Jahr für Jahr auf den Weg gebracht – bis eben Corona uns das Ganze vermasselte und seine eigenen Spielregeln aufstellte“, erinnert sich Nadine Ilshöfer.

Und jetzt, nach der pandemisch verordneten Zwangspause, sind viele, die zuvor als Feriengäste dabei waren, selbst schon bei der Organisation engagiert. Wer erst einmal reinschnuppern und dennoch schon bei der Betreuung helfen möchte, der kann sich der „Teenie-Gruppe“ anschließen: „Das sind die Großen, die 14- und 15-jährigen Zeltlagerbesucher“, sagt Heiko Ilshöfer.

Freude über regen Zuwachs

Beim Blick in die Zukunft wird ihm nicht bange: „Abgesehen von der Corona-Zeit verzeichnen wir einen regen Zuwachs an Mitgliedern, speziell im Jugendbereich gibt es bei den meisten Gruppen mittlerweile Wartelisten. Im Erwachsenenbereich gibt es unterschiedlich gut besuchte Gruppen, teilweise müssen wir da schon etwas Werbung machen“.

Sich ehrenamtlich zu engagieren, das können Nadine und Heiko Ilshöfer nur wärmstens empfehlen: „Ganz ehrlich, ja, es ist Arbeit und ja, es ist zusätzliches Engagement, aber es gibt auch ganz viel zurück und man findet Freunde, die das Leben bereichern.“

Was macht die TVG-Freizeit aus? „Sie ist“, sagt Heiko Ilshöfer, „etwas ganz Besonderes und nicht mit anderen Freizeiten zu vergleichen.“ Und seine Frau ergänzt: „Sie ist einzigartig und für mich Balsam für die Seele.“

 
 
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