Sachsenheim Wenn der Sonnengruß auf die Schafherde trifft

Von Michaela Glemser
Yogalehrerin Tanja Serr und Schäfer Hans-Peter Schuhmacher haben das besondere Projekt ins Leben gerufen. Foto: /Martin Kalb

In Ochsenbach gibt es ein neues Angebot für Yoga-Stunden zur Entspannung mitten auf der Tierweide.

Friedlich grasen die Tiere auf der saftig grünen Wiese. Hin und wieder ist ein leises Blöken oder ein sanftes Schnauben zu hören. Einige Vierbeiner dösen auch gemütlich in der Sonne. Der Anblick der Schafherde von Hans-Peter Schuhmacher aus Ochsenbach spendet Ruhe, Gelassenheit und Entspannung. Das ist genau die richtige Atmosphäre, um bei Yoga-Übungen Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

Dieser Ansicht ist jedenfalls Yogalehrerin Tanja Serr aus Eppingen. Sie hat gemeinsam mit Schafzüchter Hans-Peter Schuhmacher die Idee zur Yoga-Stunde bei den Schafen entwickelt. „Wir spielen beide im Musikverein Eppingen und bei einem Fest haben wir zunächst aus Spaß über Yogaübungen bei den Schafen nachgedacht. Danach habe ich mich näher informiert, da ich auch das Angebot ‚Yoga bei Ziegen’ kenne“, erläutert Serr die neue Offerte, die zunächst kurios klingen mag, aber einen vielversprechenden Hintergrund hat.

„Einatmen-ausatmen-grasen“

Unter dem Motto „Einatmen-ausatmen-grasen“ sollen die Tiere auf die Teilnehmer der besonderen Yoga-Stunde eine beruhigende Wirkung haben und sie schneller aus dem oft hektischen Alltagskarussell herausholen und zu echter Tiefenentspannung führen. „Die Tiere sind von Natur aus immer im Hier und Jetzt. Genau darauf kommt es mir auch beim Yoga an. Wichtig ist dabei das Gefühl, dass ich mit mir im Augenblick eins bin, denn eigentlich ist Yoga eine mentale Lehre, die körperlichen Übungen sollen das nur unterstützen“, betont Serr.

Auf einer Rucksack-Tour durch Asien kam die Eppingerin erstmals in Verbindung mit Yoga und war sofort fasziniert davon. Diese Begeisterung wollte sie an andere weitergeben und hat sich 2013 zur Yoga-Übungsleiterin und anschließend zur Yoga-Lehrerin ausbilden lassen. Inzwischen hat Serr einige Weiterbildungen absolviert, unter anderem 2022 zur Wald-Yoga-Lehrerin. „Ich bin gerne in der Natur und mache dort meine Yoga-Übungen. Das ist für mich die passende Umgebung für Entspannung und innere Ruhe“, schildert sie.

Weiteres Angebot: Bier und Yoga

Überhaupt versucht sie beim Yoga, die Verbindung von Körper, Geist und Seele mit bestimmten Elementen zu fördern. Sei es durch die umgebende Landschaft oder auch wohltuenden Gerstensaft, denn auch „Bier und Yoga“ gehört zu den ungewöhnlichen Angeboten der Eppingerin. „In diesen Kursen sind meist die männlichen Teilnehmer in der Überzahl. Aber der Genuss eines kühlen Bieres zwischen den Yoga-Übungen trägt zur Entspannung bei und verstärkt die positiven Effekte der Yoga-Übungen“, berichtet Serr mit einem Augenzwinkern.

Am Samstag, 9. Mai, ab 16.30 Uhr lädt die Eppinger Yogalehrerin erstmals auf die Schafweide beim Hof von Schafzüchter Schuhmacher vor den Toren Ochsenbachs ein. „Wir werden die Tiere auf unserer sonnenverwöhnten Weide zunächst mit einem kleinen Zaun von den Yoga-Teilnehmern abtrennen, denn Schafe sind von Natur aus Fluchttiere und müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen“, erklärt Schuhmacher. Allerdings besuchen seine Schafe auch immer wieder Kindergärten und Schulklassen, sodass die Tiere häufig in Kontakt mit Menschen sind. Ist die Eingewöhnung erfolgt, wird der Zaun geöffnet und die Schafe können die Teilnehmer auch auf der Yoga-Matte besuchen, diese neugierig beschnuppern oder zum Streicheln auffordern. 90 Mutterschafe und 70 Lämmer befinden sich derzeit in der Herde des Ochsenbachers, die demnächst wieder auf Tour durch das Kirbachtal geht, um Landschaftspflege zu betreiben.

Von den Tieren leiten lassen

„Bereits jetzt sind die Hälfte der Plätze für unser Yoga-Angebot belegt. Daher gibt es schon Überlegungen, diese besondere Yoga-Stunde nochmals zu wiederholen, wenn sich die Tiere in der Nähe unseres Hofes aufhalten“, macht der Schafzüchter deutlich. Die Yoga-Lehrerin freut sich sowohl über Anfänger als auch über Fortgeschrittene, denn egal ob „Sonnengruß“, „Kobra“ oder „herabschauender Hund“, alle Übungen werden für jeden Teilnehmer, auch für den Yoga-Laien, machbar sein. „Wichtig ist für mich, dass die Teilnehmer sich von den sanften Bewegungen der Tiere dazu anleiten lassen, ihren eigenen inneren Rhythmus wiederzufinden.“

 
 
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