Die Welt steht Kopf“, unter diesem Motto findet vom 15. bis 27. September im Landkreis Ludwigsburg die Woche der Demenz statt, denn für viele Betroffenen ist genau dieses Motto bittere Wirklichkeit, wenn sie ihre Diagnose erhalten. Auch in Sachsenheim nimmt die Zahl der Demenzkranken immer mehr zu, denn die Bevölkerung wird immer älter. „Daher ist es wichtig, dieses Thema aus einer Art Tabuzone herauszuholen, damit Betroffene und Angehörige wissen, dass es Hilfe gibt“, betont Bürgermeister Holger Albrich.
Sachsenheim Wenn die Welt Kopf steht
Sachsenheim will eine demenzfreundliche Kommune werden. Dafür soll ein Kompetenznetzwerk für Demenzkranke und ihre Angehörigen entstehen.
Kompetenznetzwerk Demenz
Die kreisweite Aktionswoche soll in Sachsenheim Auftakt für die Errichtung eines Kompetenznetzwerkes „Demenz“ in der Stadt sein. „Zunächst gilt es, das Thema in der Bevölkerung sichtbar zu machen, da es immer noch mit Scham und Heimlichkeit behaftet ist“, erläuterte Nicole Raichle von der Stadtverwaltung bei der Vorstellung des Konzepts für eine „demenzfreundliche Kommune“, die Sachsenheim mit einem Weg der kleinen Schritte in Zukunft werden will. Die Federführung haben dabei neben Raichle auch die Leiterin des Pflegeheims Sonnenfeld, Patricia O’ Rourke, und Sozialarbeiterin Claudia Queisser von der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim übernommen.
So haben sie in der „Woche der Demenz“ unterschiedliche Aktionen wie einen Demenzparcours am 18. September am Pflegeheim Sonnenfeld organisiert. „Wir haben dazu von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft spezielle Module ausgeliehen, die es ermöglichen, auf ‚spielerische Weise‘ die Welt aus der Perspektive eines Demenzkranken zu erleben“, erläutert Queisser.
Infostand auf dem Krämermarkt
Am 21. September, dem Weltdemenztag, wird an einem Stand auf dem Krämermarkt in Sachsenheim rund um das Thema „Demenz“ informiert. An diesem Tag gibt es im „Haus der Senioren“ ab 18 Uhr auch einen Vortrag unter dem Motto „Wenn aus Pantoffeln Handtaschen werden“, der Tipps für den Umgang mit Demenzkranken gibt. Am 26. September können Angehörige und Betroffene bei einem Erlebnisnachmittag im Evangelischen Gemeindehaus in Großsachsenheim mit Tischharfen gemeinsam musizieren.
„Wir wollen Demenz ins Bewusstsein der Bevölkerung in Sachsenheim holen und Berührungsängste mit diesem Thema abbauen. Dafür werden wir auch eine Plakat- und Flyeraktion überall im Stadtgebiet starten“, macht Raichle deutlich. Dabei sollen die Entscheider im Gemeinderat und in den Ortschaftsräten, Vertreter der Polizei, der Kirchen, Mitglieder von Vereinen und Verbänden sowie Ehrenamtliche mit ins Boot geholt werden.
„Runder Tisch Demenz“
Dazu findet am 17. Oktober ein „Runder Tisch Demenz“ statt, der alle Beteiligten zum gemeinsamen Gedankenaustausch zusammenbringen soll. „Mittelfristig wollen wir einen gemeinsamen Demenz-Wegweiser erarbeiten, der alle Hilfs- und Beratungsangebote von Fachstellen aufzeigt“, schildert Raichle. Auch eine zentrale Anlaufstelle in der Stadt für alle Fragen rund um die Demenz soll eingerichtet werden.
Spezielle Angebote
„Wir möchten Demenzkranken in der Stadt Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und dafür spezielle Sport- und Bewegungsangebote, Tanzabende, Schulungsofferten für Angehörige oder Aktionstage schaffen“, blickt Raichle in die Zukunft. Dafür haben die Mitglieder des Kompetenzteams auch enge Kontakte zu den Fachleuten der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Weiterhin sollen auch die bereits gesammelten Erfahrungen am Pflegestützpunkt in der Stadt sowie in der bestehenden Demenzgruppe „Abendrot“ der Kirchlichen Sozialstation genutzt werden.
„Wir sehen die Aufgabe, eine demenzfreundliche Kommune zu werden, als eine gesellschaftliche und kommunale an, die wir gerne erfüllen wollen. Das im Aufbau befindliche Netzwerk soll dazu beitragen, dass die Hilfe und Unterstützung genau dort ankommt, wo sie tatsächlich gebraucht wird“, unterstreicht Bürgermeister Albrich. Immer noch suchen sich nämlich die Angehörigen von Demenzkranken viel zu spät Beistand, wenn sie schon an ihren eigenen Belastungsgrenzen angekommen sind. Dies soll sich künftig in Sachsenheim und seinen Stadtteilen ändern, denn auch im Kirbachtal sollen Offerten für Betroffene und Angehörige auf die Beine gestellt werden.
