Eingebettet in sanfte Weinberge und sonnige Hügel mit Wiesen und Weiden und gekrönt von dichtem Laubwald gibt Häfnerhaslach ein romantisches Bild ab. Hier, am oberen Kirbach, wo sich das Tal zunehmend verjüngt, liegt, etwas abgeschieden und dennoch idyllisch, der nach Spielberg zweitkleinste Teilort der Stadt Sachsenheim. So weit die subjektive Wahrnehmung von außen.
Sachsenheim „Wir finden leider oft zu wenig Gehör“
Mit rund 650 Einwohnern ist Häfnerhaslach der zweitkleinste Teilort der Stadt - und hat wegen seiner Abgeschiedenheit so seine Probleme.
„Natürlich ist es wunderschön, ich lebe gerne hier und möchte auch gar nicht mehr weg. Hier ist es sehr ruhig, die Luft ist gut und so nah an der Natur zu leben, das finde ich einfach wundervoll“, sagt Ortsvorsteherin Claudia Volk, und aus ihren Worten klingt echte Begeisterung. Doch wo viel Licht ist, gibt es durchaus auch Schatten, das weiß sie nur zu gut. Denn die Abgeschiedenheit hat auch ihre Nachteile.
Sachsenheim ist weit weg
„Manches Mal ist Sachsenheim doch schon sehr weit weg“, sagt sie, und damit meint sie nicht nur die gut zwölf Kilometer Luftlinie bis in den Schlossgarten, sondern schlicht auch die Tatsache, dass Häfnerhaslach in der Wahrnehmung von Stadtverwaltung, Rathausspitze und Gemeinderat schlichtweg nicht oder nur unzureichend existiert.
Sie habe - wie auch ihre Stellvertreter Wolfgang Möbus und Martin Hirsch - schon öfters erlebt, dass Anliegen aus ihrem Teilort schlichtweg nicht ernst genommen würden, im Gemeinderat finde man oft kein Gehör, und auch seitens der Verwaltung gebe es zwar die einen oder anderen Zugeständnisse, geschehen würde jedoch selten etwas – „und von Lippenbekenntnissen alleine können wir nicht leben“, sagt Volk. Ein Beispiel sei das dringend zu sanierende, ehemalige Rathaus, das heute die Verwaltungsstelle beherberge. Das Fachwerk wird behelfsmäßig durch ein zweites Fachwerk-Korsett gestützt, zwischen den Gewerken soll ein Drahtgeflecht das Mauerwerk vor Abbrüchen schützen. „Die dafür notwendigen 80.000 Euro hätte man auch gleich in einen ersten umfassenden Sanierungsschritt investieren können“, moniert Volk.
Häfnerhalle muss saniert werden
Ein weiteres Beispiel, dass Häfnerhaslach anscheinend keine oder eine nur unzureichende Lobby bei der Verwaltung habe, sei die Häfnerhalle. Seinerzeit eines der „Hochzeitsgeschenke“ im Zuge der Verwaltungsreform 1973 ist auch die „gute Stube“ der Vereine längst an einem Punkt angelangt, an dem eine umfassende Sanierung unumgänglich erscheint. Vor allem die maroden Lichtkuppeln müssten dringend ersetzt werden, „nur leider wurde unser Ansinnen bei der Mittelanmeldung der Ortschaftsräte mit dem Verweis auf leere Kassen abgelehnt.“ Mittlerweile liege ein Kostenvoranschlag über die Herstellung der Kuppeldächer vor, doch eine Firma, welche diese montieren könne, habe man bis dato nicht gefunden.
Dass überhaupt Bewegung in die Sache kam, sei dem Verein „Unser Dorf 2005“ zu verdanken, der sich um den Fortbestand der Halle kümmere. Ansonsten habe es nicht nur ein Mal seitens der Verwaltung bereits lapidar geheißen, wenn das Dach nicht gerichtet werden könne, müsse die Halle eben geschlossen werden. Geld sei keines da. „Dabei könnte man mit ungefähr einer Million Euro das Rathaus hier sanieren und auch bei der Halle würden wir ein großes Stück vorankommen“, sagt die Ortsvorsteherin, die Verständnis zeigt, dass die Finanzlage der Stadt nun einmal äußerst angespannt und auch in den kommenden Jahren keine Besserung in Sicht sei.
„Doch es kann nicht sein, dass nur noch Geld für den übrigens äußerst wichtigen Ausbau der Kirbachschule fließt.“ Hier sollten die Finanzen gerechter verteilt und auch die Belange der Teilorte gehört werden. Wobei Volk hinzufügt, dass man mit der Verwaltung trotz mancher Schwierigkeiten oft gut und auf Augenhöhe zusammenarbeite – so stellt sie, unter anderem, Simon Michel vom Team Infrastruktur und Umwelt ein vorzügliches Zeugnis aus, bei dem sie stets bei ihren Anliegen auf offene Ohren stoße, so jüngst bei der – zunächst provisorischen – Ertüchtigung des Bolzplatzes.
Die Sache mit dem ÖPNV
Eine weitere „Baustelle“ – mit aktuell nur wenig Hoffnung auf Besserung – sei vor allem der nur unzureichende Anbindung des Örtchens durch den ÖPNV. Immer wieder ausfallende Schulbusse, die Stundentaktung an Werktagen sowie nur alle zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen wären schlicht zu wenig. „Eine höhere Taktung, dafür mit kleineren Bussen, die nur an die 20 Leute fassen, wäre ein guter Anfang.“ Außerdem sollte das Augenmerk auf die Beförderung verstärkt in Richtung Gündelbach und/oder gleich nach Vaihingen gelenkt werden, „das wäre für die Pendler hier im Ort, die nach Ludwigsburg oder weiter nach Stuttgart müssen, ein Quantensprung.“
Trotz alledem schaut Claudia Volk zuversichtlich in die Zukunft: „Der Zusammenhalt hier im Ort ist toll, und ab dem 1. April haben wir für die Nahversorgung wieder eine Anlaufstelle, wenn Selina und Valentin Stuber ihren ,Dorfschrank’ eröffnen werden.“ Und dies mache dann doch wieder Hoffnung, aller Abgeschiedenheit zum Trotz.
