Sachsenheim „Wir müssen die Sache nun angehen“

Von Markus Wirth
In die Jahre gekommen: Die Kirbachtalhalle wird umfassend saniert und den heutigen Anforderungen angepasst. Der Vorbau soll laut Gemeinderatsbeschluss abgerissen werden. Foto: /Martin Kalb

Die Kirbachtalhalle wird saniert – doch im Vorfeld des Beschlussvorschlags entbrennt eine Diskussion über einen Antrag der WIR-Fraktion, das ganze Vorhaben nochmals neu zu denken.

Die Kirbachtalhalle ist ein veritables Kind ihrer Zeit –  gebaut aus Sichtbeton-Fertigteilen, architektonisch unauffällig, dafür aber von großem und umfassendem Nutzen, sowohl für die benachbarte Schule als auch für die Vereine und Organisationen. Seit ihrer Inbetriebnahme 1978 hat sie unzählige Feste und Veranstaltungen wie Sportereignisse gesehen, doch nun, nach fast fünf Jahrzehnten, ist es an der Zeit, sie auch für die Zukunft und die kommenden 50 Jahre fit zu machen.

Aus diesem Grund stand der Tagesordnungspunkt über den Abbruch des Vorbaus der Halle im südlichen Bereich, die Barrierefreiheit und allgemein die Anpassung an heutige und künftige Anforderungen auf der Agenda der Gemeinderatssitzung. Kernpunkt ist, die Halle künftig noch mehr sowohl baulich als auch funktional in den Schulbetrieb zu integrieren, aber auch als eigenständiges, öffentlich nutzbares Gebäude zu erhalten.

Vorbau erhalten – oder nicht?

Freilich ging es in der Vorberatungen und einzelnen Planungsphasen darum, auch den Vorbau zu erhalten und in das neue Nutzungskonzept mit einzubeziehen, doch letztlich wurde dies zu Gunsten einer optimierten Raumeinteilung verworfen, dies geschah darüber hinaus auch auf Grund der Tatsache, dass sich bei einem Erhalt die Gesamtkosten deutlich erhöhen würden. Den vorliegenden Planungen zufolge käme alleine eine Sanierung des Baus mit Foyer, Sanitäranlagen, Küche, Garderobe und Gymnastikraum um rund 940.000 bis 1,6 Millionen Euro teurer als ein Abriss.

Daher sei man, so Bürgermeister Holger Albrich, in den Vorberatungen übereingekommen, das Konzept der Sanierung inklusive des Abbruchs von Vorbau und Ausrichtung auf Barrierefreiheit zu realisieren und dem Architektenbüro Tusker Ströhle BDA (TSA) zu übergeben.

An sich war, schon auf Grund des vorliegenden Beschlussvorschlags, die ganze Angelegenheit lediglich noch eine Formsache gewesen, doch bevor Michael Miorin-Bellermann, der Leiter des Teams Hochbau, mit seinen Ausführungen beginnen und nochmals das Themenkonstrukt umreißen konnte, stellte Eveline Thudt, im Namen ihrer WIR -Fraktion, den Antrag, die Auflösung des Vertrags mit dem Architektenbüro unter Berücksichtigung der Konsequenzen, aber auch unter Rücksichtnahme auf Einsparpotenziale zu realisieren. „Wir wissen“, sagte sie, „dass die Sanierung der Kirbachschule und der Halle nicht einfach werden wird“, auch stehe die Sanierung per se außer Frage. Doch angesichts der stetig steigenden Gesamtkosten, deren Ende der Fahnenstange sie noch nicht absehen könne, sei dieser Schritt dringend geboten, untermauerte die Gemeinderätin argumentativ den Antrag.

Unverständnis über Vorstoß

Die Stadtverwaltungsspitze und viele der Kollegen aus der Ratsgremium sahen dies anders, handelte es sich doch um einen Beschlussvorschlag, der einer Abstimmung harrte. Florian Essig, CDU, zeigte sich verwundert, es sei doch bereits im Technischen Ausschuss alles klar gewesen: „Wir müssen jetzt wirklich Gas geben, denn wir brauchen den Baubeschluss bis Frühjahr, um die Fördergelder des Landes zu erhalten.“ Man könne nicht noch einmal, wie er warnte, „über Los gehen“. Lothar Makkens, Freie Wähler, schloss sich inhaltlich seinem Vorredner an, „die Finanzierung steht, wir sollten hier jetzt keinen Bremskeil reinhauen.“

Steffen Wezstein sekundierte seiner Fraktionskollegin, indem er hervorhob, dass es keine Entscheidung gegen die Schule sei, sondern gegen die millionenschweren Kosten, „die uns aus der Bahn werfen. Uns läuft das Ding aus dem Ruder.“ Jasmin Braun von der GLS lehnte den Beschlussvorschlag wegen der Tatsache ab, dass mit der projektierten Küche künftig nur noch der Caterer dort werde wirken können, die Vereine blieben bei Veranstaltungen außen vor, „und wir wollen die Küche und mithin die Halle nicht nur für die Schule, sondern auch weiterhin für unsere Vereine öffnen. Ein Caterer wird diese jedoch nicht dulden“

Hans-Günther Neumann, CDU, meinte: „Der Antrag haut mich um, wir drehen hier eine zusätzliche Runde, und gerade die wird uns zusätzliches und vermeidbares Geld kosten.“ Man solle doch bitte einen Knopf an die Sache machen, ansonsten mache man sich lächerlich.

„Zeitlichen Verzug vermeiden“

Bauamtsleiter Miorin-Bellermann zeigte wenig Verständnis für den Antrag und die um sich greifende Diskussion: „Wir müssen die Sache nun angehen, ein Zurückrudern bringt uns unnötig in Verzug und gefährdet zudem den Zeithorizont der Fertigstellung der Maßnahmen in 2029 und vor allem die uns zustehenden Fördergelder.“ Er bat das Gremium darum, wie er sagte, groß zu denken: „Diese Schule hat Potenzial und wir wollen für die kommenden 50 Jahre planen.“ Der Antrag der „Wir für Sachsenheim“-Fraktion wird – wie von deren Mitgliedern vorgesehen – gestellt und in einer der beiden folgenden Ratssitzungen Berücksichtigung finden und behandelt werden.

Dessen ungeachtet brachte das Gremium den Abriss des Hallenvorbaus, den Ausbau zur Barrierefreiheit und die neue Küche – Gemeinderat Oliver Häcker, FDP: „Als Caterer freue ich mich über sie und künftig mehr Platz“ – mit 13 Ja- und sechs Gegenstimmen bei einer Enthaltung auf den Weg.

 
 
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