Viele von uns sind sportbegeistert, und man hört oft, Sport sei nicht nachhaltig. Deshalb wollten wir ein Produkt erfinden, das nachhaltig ist und mit Sport zu tun hat“, sagen die Mitglieder der Schülerfirma „Wonderball“ des Lichtenstern-Gymnasiums Sachsenheim. Ihre Idee kam gut an: Beim IW Junior-Landesfinale Wettbewerb hat die Schülerfirma gewonnen, nächste Woche, am 16. Juni, geht es weiter zum Bundesfinale in Köln.
Sachsenheim „Wir wollten aus etwas Altem etwas Neues machen“
Die Schülerfirma „Wonderball“ hat den Landeswettbewerb gewonnen. Wie haben sie das mit alten Sportbällen geschafft?
Die Schülerfirmen sind am Lichtenstern-Gymnasium fester Bestandteil des Unterrichts für alle, die sich für das Ökonomieprofil entschieden haben – und das sind immerhin 50 Prozent der Schüler. In den achten Klassen entstehen so jedes Schuljahr vier neue Firmen. Sie werden unter anderem von Lehrer Till Kernen betreut. Die vier Stunden Ökonomieunterricht pro Woche teilen sich im achten Schuljahr in zwei Theorie- und zwei Praxisstunden auf: In der Theorie werden Finanzen, Marketing und was sonst noch alles zur Unternehmensgründung gehört besprochen. In der sogenannten Juniorzeit, den zwei Praxisstunden, bekommen die Schüler dann eigene Zeit, um ihre Schülerfirma zu gründen, eine Idee zu entwickeln und sie umzusetzen.
Schüler werden selbstständiger
Am Anfang unterstütze der Lehrer noch mehr, zum Ende des Schuljahres müsse er dann nicht mehr viele Anweisungen geben, erzählt Kernen. „Die Schüler wachsen über das Jahr in die Aufgabe hinein, dann verselbstständigt sich das.“ Zu Beginn sind sie im Unterricht verschiedene Methoden der Ideenfindung durchgegangen, haben sich die Produkte von Firmen der vergangenen Schuljahre angeschaut und auch eine Start-up-Coachin eingeladen. Außerdem haben sie gelernt, ihre Finanzen in ein Portal einzutragen, ihre gearbeiteten Stunden aufzuschreiben und von jeder Schülerfirma-Unterrichtsstunde ein Protokoll anzufertigen.
Kompromisse statt Streit
Dann mussten die Schüler auf Abteilungen verteilt werden: Es gibt eine für Marketing, Finanzen, Organisation und Produktion sowie jeweils Abteilungsleiter und einen Vorstand. Mit Tests wurde geschaut, wessen Stärken in welchem Bereich liegen. Manchmal wollten zwar mehrere Schüler dieselbe Position haben, berichten sie – aber schließlich konnten sie immer einen Kompromiss finden und sich einigen.
Bei der Ideenfindung haben die Schüler dann lange recherchiert und Inspiration gesucht. Jeder notierte Ideen auf Zetteln, die man dann gemeinsam durchgehen und kommentieren konnte. Fest stand: Das Produkt sollte nachhaltig sein. Notizhefte aus alten Schulheften standen beispielsweise zur Debatte, es wurden dann aber Mäppchen, Regale und Vasen aus gebrauchten Sportbällen. „Wir wollten aus etwas Altem etwas Neues machen.“
Der Erfolg der „Wonderball“-Schülerfirma war dabei schon absehbar: Die Gruppe sei außerordentlich motiviert gewesen und habe von Beginn an als Team zusammengearbeitet, sagt Kernen. Die unterschiedlichen Charaktere der Schüler, die dabei aufeinandertrafen, seien als Chance genutzt worden. „Sie sind mit Herzblut dabei geblieben und haben eine gute Idee konsequent verfolgt“, so der Lehrer.
Zielgruppe für die Produkte seien Menschen, die mit Sport zu tun haben. Das haben die Schüler gemerkt, als sie einen Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt hatten: Normalerweise mache man hier als Schülerfirma am meisten Umsatz, „Wonderball“ jedoch kam hier weniger an, dafür bei Spielen von Ballsportarten umso mehr. Besonders beliebt waren die Produkte bei den MHP-Riesen, wohl auch, weil die meisten aus alten Basketbällen hergestellt sind.
Gut vorbereitet die Jury überzeugt
Überzeugt waren jedoch nicht nur Kunden, sondern auch die Jury beim IW Junior-Landesfinale. Da die meisten anderen antretenden Schülerfirmen in der Kursstufe seien und somit ein ganzes Stück älter, waren die „Wonderball“-Mitglieder ziemlich aufgeregt. „Es ist aber super gelaufen“, erzählen sie jetzt. Sie mussten beim Wettbewerb eine fünfminütige Kurzpräsentation vortragen sowie Juryinterviews meistern. Den Vortrag hatten sie dafür komplett auswendig gelernt, um nicht ablesen zu müssen. Für das Interview haben sie sich im Vorhinein mögliche Fragen und ihre Antworten darauf überlegt. Ihrem nachhaltigen Anspruch sind sie dabei treu geblieben: Auf einheitliche T-Shirts haben sie bewusst verzichtet, da man diese danach oft nicht mehr trage. Stattdessen haben sie sich, passend zu ihrem sportlichen Produkt, Trikots angezogen, die sie auch in Zukunft weiter nutzen können.
Hohe Gewinnmarge erreicht
Auch die bisherigen Verkaufszahlen sprechen für den Erfolg der Firma. Die Produkte kosten zwischen zehn und 15 Euro, aber da die Schüler alles selbst herstellen (ein Mäppchen dauert eine halbe bis Dreiviertelstunde), halten sich die Produktionskosten in Grenzen, wodurch sie eine hohe Gewinnmarge erzielen können.
Teilweise war die Nachfrage größer als das Angebot, und die Preise, die zunächst niedriger angesetzt waren, konnten im Verlauf erhöht werden. Etwa 150 Stück sind bis jetzt verkauft, damit konnte ein Umsatz von 2500 Euro erzielt werden.
Für das Bundesfinale in der kommenden Woche sehen die Schüler eine reale Chance: „Mit der Konkurrenz können wir gut mithalten, ich denke, wir werden relativ gut abschneiden. Wir haben großes Potenzial“, so ein Schüler.
