Mama, Papa, können wir nicht ein Kätzchen haben?“ Diese Frage stellte der 13-jährige Jona (Name von der Redaktion geändert) seinen Eltern. Die waren skeptisch: „Was machen wir denn mit der Katze, wenn wir mal in den Urlaub fahren wollen? Wer kümmert sich dann um sie?“ Der 13-Jährige startete eine Online-Recherche und konnte den Eltern nach kurzem Suchen die Antwort präsentieren: Den Haustierservice von Birgit Warrington in Sachsenheim. Das Argument war unstrittig, wenig später durfte sich der kleine Jona über das Katzenjunge Zelda freuen.
Sachsenheim Wo Katzen Urlaub machen, wenn die Besitzer verreisen
Birgit Warrington betreibt eine Katzenpension. Eine Eingewöhnungsphase vor dem ersten Urlaubsaufenthalt sei wichtig, sagt die Katzenexpertin. Ein Besuch vor Ort.
Eingewöhnung wie in der Kita
Mittlerweile ist Zelda neun Monate alt und zum ersten Mal bei Birgit Warrington. „Eine Eingewöhnungsphase vor dem ersten Aufenthalt während des Urlaubs der Katzenbesitzer ist wichtig“, sagt Warrington im Gespräch mit der BZ. Ja, wie bei einem Kleinkind, das eine Kita besuchen soll. Gerade bei Jungtieren gehe die Eingewöhnung schnell, bei älteren Tieren könne es etwas länger dauern, maximal drei Tage. In dieser Zeit halte sie Video- und Telefonkontakt zu den Besitzern. Für kranke Katzen oder Katzen, bei denen die Eingewöhnung gescheitert ist, bietet die Sachsenheimerin auch einen Heimservice an, bei dem sie die Katzen zuhause versorgt. Aktuell sei eine gute Zeit, die Eingewöhnung durchzuführen, es ist Nebensaison und wenig los in der Pension.
„Ich liebe Katzen“, sagt Birgit Warrington. Die 51-jährige gebürtige Dresdnerin hat ihre Katzenpension im Juli 2024 im Industriegebiet Holderbüschle eröffnet. „Schon meine Mutter hatte eine Katzenpension und meine Oma hat Katzen gezüchtet“, erzählt sie. Irgendwie liege ihr die Liebe zu den Stubentigern im Blut.
Gelernt hat sie ursprünglich Sozialversicherungsfachangestellte. Sie machte sich nach ein paar Jahren im Berufsleben selbstständig – und eröffnete einen Pflegedienst in Backnang, allerdings für Menschen. Und dann ergab sich die Möglichkeit, die Katzenpension in Sachsenheim zu eröffnen – und sie packte die Gelegenheit am Schopf. Nun wohnt sie mit ihrem Mann und ihrer 16-jährigen Tochter in einem Haus, das in zwei Wohnungen aufgeteilt ist: jene, in der die Familie wohnt, und eine zweite, Tür an Tür, in der Katzen auf Zeit wohnen können.
Kommt man in die Räume der etwa 100 Quadratmeter großen Katzenpension, wird schnell klar: Das ist das Katzenparadies. Überall gibt es Kletter- und Kratzmöglichkeiten, gemütliche Ecken, in die sich die Tiere verziehen können, wenn sie ihre Ruhe wollen. Es gibt ein Katzenrad, in dem sich die Tiere sportlich betätigen können, Spielzeug und die Fenster sind mit Freisitzen ausgestattet.
Die Nachbarschaft stets im Blick
Interessiert sieht man Kater Anton etwa den Nachbarn beobachten, der gerade seine Hecke zurechtstutzt. Währenddessen genießt er den Sonnenplatz an der frischen Luft.
Derzeit ist Zelda zur Eingewöhnung da, die Familie möchte im Sommer verreisen. „Zelda ist noch schüchtern“, sagt Warrington. Und doch folgt sie beim BZ-Besuch in jeden Raum, schaut interessiert. Im großen Außenbereich, der über die Balkontür zugänglich ist, thront Eduard, er ist ein reiner Freigänger. Die Langhaarkatzen Luna und Kiwa kennen sich von Zuhause, sie gehen immer wieder zueinander. Auch Tiere, die sonst alleine leben, seien oft sozialer als man denke. Innerhalb weniger Tage seien sie eingelebt und Teil des sozialen Gefüges. „Das macht mich so stolz, wenn ich sehe, wie sich die Tiere miteinander beschäftigen“, sagt die Katzenfachfrau.
Warrington schaue fast stündlich nach den Tieren, auch hat sie in der Pension Kameras aufgehängt. Sie schenke jedem Individuum Aufmerksamkeit. Das merkt man auch. Kaum betritt sie die Räume, kommen die Tiere auf sie zu und holen sich Streicheleinheiten ab. Laut Veterinäramt dürfte Warrington rund 25 Tiere zeitgleich betreuen, ihre persönliche Grenze sind etwa 15 Besucher. „Sonst wird es zu viel“, findet sie. Es sei wichtig, die Gruppendynamik stets im Blick zu behalten.
