Sachsenheim hat gewählt und sich, wenn auch jeweils relativ knapp, sowohl für die Errichtung der Freiflächen-Photovoltaikanlage als auch für die beiden Windräder entschieden. Im Vorfeld war die Diskussion über das Für und Wider zuweilen emotional geführt worden, dennoch blieb es weitestgehend ruhig und beide Lager – die der Gegner wie der Befürworter – begegneten sich auf einer respektvollen Ebene.
Bürgerentscheid Sachsenheim Kirbachtal wird überstimmt
Die Befürworter des künftigen Energieparks auf dem Alleenfeld haben beide Bürgerentscheide jeweils knapp gewonnen. Eine Wahlanalyse.
Dass das nunmehr feststehende Ergebnis der ersten Bürgerbeteiligung in der Geschichte der Stadt jedoch auch weiterhin die Menschen umtreibt, war und ist vor allem auf Facebook zu beobachten. Hier geht es durchaus direkt zur Sache und es zeigt sich in den aktuell über 300 Kommentaren, wie sich beide Lager doch meist diametral argumentierend gegenüberstehen.
Da wird beispielsweise angezweifelt, ob denn ein Bürgerentscheid mit einer Beteiligung von knapp 45 Prozent überhaupt demokratisch legitimiert sei, auch wurde die Notwendigkeit des Energieparks infrage gestellt, die mutmaßlich damit verbundenen negativen Eingriffe in die Natur thematisiert und über den Terminus „Demokratie“ diskutiert.
6568 Wähler gaben ihre Stimme ab
Grundsätzlich hatten am Sonntag beim Bürgerentscheid von den 14.621 Wahl- und Stimmberechtigten 4680 an der Urne von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, zusätzlich gab es 1888 Briefwähler, was in der Summe 6568 Wählern und mithin einer Wahlbeteiligung von annähernd 45 Prozent entspricht. Bei dem Entscheid über die Verwirklichung der Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem Alleenfeld stimmten 2431 Bürgerinnen und Bürger mit „Nein“, sprachen sich also für das Vorhaben aus, wohingegen 2229 Urnengänger mit „Ja“ votierten und somit das Projekt ablehnten.
Inkludiert man nun noch die Briefwähler, ergibt sich ein Verhältnis von 3009 Gegnern und 3536 Befürwortern. Beim Thema Windkraftanlagen sprachen sich 2244 Bürger gegen und 2410 Wähler für die Errichtung der beiden Windräder aus, zusammen mit den Briefwählern ergibt sich hier das Verhältnis 3034 Stimmen der Gegner zu jenen 3504, die dafür gestimmt haben. Bei den Wahllokalen Mehrzweckhalle Kleinsachsenheim I wie auch in den Wahllokalen Kindergarten Unterm Weinberg – sowohl in der „Löwe-“ als auch in der „Hippo“-Gruppe – überwogen, wenn auch moderat, die Gegner, ebenso im Wahllokal Kindergarten „Sonnenblume“ und in den beiden Verwaltungsstellen Spielberg und Häfnerhaslach. In den anderen Lokalen waren die Befürworter der Anlage, ebenfalls mit zurückhaltender Begeisterung, etwas stärker als die Gegner.
Blick in die einzelnen Wahllokale
Bei der Abstimmung der beiden Windkraftanlagen ergibt sich ein ähnliches Bild. Wo in den vorgenannten Wahllokalen die Gegner respektive die Befürworter der Photovoltaikanlage (leicht) überwogen, so war dies auch bei der Windkraft der Fall. Auch hier gab es allenfalls moderate Unterschiede, besondere Ausreißer waren nicht auszumachen. Dass die Gegner sich vor allem aus den unmittelbar vom geplanten Energiepark am meisten betroffenen Teilorten Kleinsachsenheim und Hohenhaslach, aber auch aus den oberen Kirbachtalgemeinden Ochsenbach, Spielberg und Häfnerhaslach rekrutierten, liegt in der Sache selbst.
Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 45 Prozent – diese mag recht niedrig erscheinen, liegt aber im Durchschnitt vergleichbarer Quoren in der Vergangenheit. So hatte beispielsweise der Bürgerentscheid in Bietigheim-Bissingen vom 18. Juli 2016, als es gegen oder für den Bau einer – ebenfalls umstrittenen – Biogasaufbereitungsanlage ging, ebenfalls etwas über 45 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne locken oder für die Briefwahl mobilisieren können.
