Attilo Scaricamazza wischt sich den Schweiß von der Stirn. Gerade eben ist er dem Rasen vor dem Gebäude der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum zu Leibe gerückt, an den Rändern sah er doch schon wieder etwas verwildert aus. Sommerzeit ist Wachstumszeit, „und Ferienzeit ist Arbeitszeit“, lacht der 50-Jährige und wischt damit eine weit verbreitete Annahme beiseite, dass Schulhausmeister auch sechseinhalb Wochen Sommerferien haben.
Sachsenheim Zwischen Rasenpflege und Seelsorge
Als Schulhausmeister ist man Handwerker, Ansprechpartner, Kumpel und Organisator in einem – und auch in den Ferien immer gefragt.
„Nee, eher im Gegenteil“, sagt er, denn gerade in der schulbetriebsfreien Zeit habe er die Gelegenheit, „all das in Ordnung zu bringen, was unterm Jahr liegengeblieben ist.“ Und das, sagt er aus mittlerweile elfjähriger Erfahrung, sei ganz schön viel. „Kaum, dass der letzte Schulgong die großen Ferien eingeläutet hat, geht es bei uns rund“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker, „dann geht es zunächst an den Großputz in allen Klassenräumen, was bedeutet, dass sie zunächst einmal leer geräumt werden müssen.“ Das sei eine echte Plackerei, angesichts der über 60 Klassenzimmer in den vier Lehranstalten ein einleuchtendes Argument.
Zu viert unterwegs
Scaricamazza, der sich auf seine Stellvertreterin Ulrike Dusch und die beiden weiteren Kollegen Hagen Koch und Francesco Carluzzo verlassen kann, fungiert hierbei nicht nur als „Möbelpacker“, sondern auch als Organisator, denn die 14 Reinigungskräfte und diejenigen einer externen Firma wollen eingeteilt werden, damit die Fenster bald wieder glänzen, die Wände wie neu erstrahlen und die Böden mit Wachs bestmöglich konserviert werden, dass sie den Tritten und dem Gewicht der Tische und Stühle auch im neuen Schuljahr werden standhalten können. „Freilich teilen wir uns da auf“, sagt er, „zwei Kollegen schauen jeweils in der ersten, die zwei anderen in der zweiten Ferienhälfte danach, dass alles reibungslos klappt“.
Dazu gehören auch die abendlichen Kontrollgänge samt Schließdienst, denn auch wenn kein Schulbetrieb herrscht, so gibt es doch die Ferienbetreuung, die Handballer trainieren, das Heimatmuseum ist geöffnet, „und auf dem Schulhof steigt schon die eine oder andere Party, manches Mal leider auch mit Hinterlassenschaften wie leeren Flschen, Verpackungen und Pizzakartons.“ Es gibt überall etwas zu tun, „hier muss eine Leuchte ersetzt, dort eine neue Pinnwand angebracht oder ein Abfluss gängig gemacht werden, und als es lange heiß war, mussten wir das Laub von den Dächern der Schulgebäude beseitigen“. Die Bäume hatten schlicht Trockenstress und warfen früher und stärker ihr Blattwerk ab als gewöhnlich.
„Ohne Feingefühl geht es nicht“
„Es ist schon etwas ruhiger in den Ferien“, sagt Scaricamazza, und es klingt beinahe etwas traurig, denn die Schüler fehlen ihm, das gibt er zu. Als Hausmeister, sagt er, sei er nicht nur Handwerker, Organisator, Multitalent und – im Bereich der Tagespost – auch Botengänger, „sondern Kumpel, Ansprechpartner und, ja, auch Seelsorger“. Klar gebe es einmal einen Rüffel, wenn er beobachtet, wie eine Packung achtlos weggeworfen werde, „das geht aber nur mit Feingefühl, gerade bei den Kindern und auch den Jugendlichen gegenüber“. Und so freut er sich auf seine „Rasselbande“, die immerhin weit mehr als 1200 Schüler umfasst: „Ich liebe meine Arbeit und das Miteinander mit den Schülern, aber auch mit den Lehrerkollegien, den Rektoren, den Eltern.“
Noch sind Ferien, doch schon bald wird er wieder gefragt sein, wenn eine Toilette verstopft ist, die Jalousie klemmt, der Beamer streikt oder er einfach nur zuhören soll bei den kleinen oder auch größeren Problemen. Ein Hausmeister ist ein Allrounder – auch oder gerade in der Ferienzeit.
