Sachsenheimer Feuerwehr-Drehleiter einsatzbereit Fast 1200 Übungsstunden an der neuen Drehleiter absolviert

Von Martin Hein
Viele hundert Übungsstunden haben die Sachsenheimer Feuerwehrleute bereits auf der neuen Drehleiter absolviert. Derzeit ist das Fahrzeug provisorisch untergebracht. Nächstes Jahr erfolgt der Umzug in das umgebaute Feuerwehrhaus in Kleinsachenheim. Foto: /Werner Kuhnle

Zehn Meter lang und satte 320 PS stark ist das Prunkstück der Sachsenheimer Feuerwehr und – ein hoch komplexes Einsatzfahrzeug.

Da steht sie vor dem provisorischen Feuerwehrmagazin, in Kleinsachsenheim, die neue Drehleiter der Sachsenheimer Feuerwehr vom Typ DLK 23/12.

Aktuell beherrschen nach Auskunft des Kleinsachsenheimer Abteilungskommandanten Armin Klein, 24 Feuerwehrleute den Umgang mit der nagelneuen Drehleiter, die mit allerlei technischen Finessen ausgestattet ist.

Unzählige Schulungen und Übungen waren - und sind weiterhin erforderlich, um das komplexe Einsatzfahrzeug im Ernstfall sicher bedienen zu können, so Armin Klein. Dass viel geübt wurde, belegt der Tacho. 2400 Kilometer hat das Fahrzeug bereits hinter sich.

Seit Ende Mai haben die Sachsenheimer Feuerwehrleute sich auf den Einsatz mit der Drehleiter vorbereitet. „Etwa jeden zweiten Tag wurde geübt“, so der Kleinsachsenheimer Feuerwehrkommandant Klein. Ein externer Ausbilder hat die drei Gruppen zunächst in jeweils dreitägigen Schulungen in der Bedienung und Handhabung des Feuerwehrfahrzeuges unterwiesen. Im Rahmen einer Grundausbildung waren das in der Summe rund 580 Stunden. Anschließend gingen die Übungen und Schulungen in Kleingruppen weiter. „Da sind nochmals etwa 600 Stunden zusammengekommen“, berichtet Armin Klein.

Extra Lkw-Führerschein gemacht

Einige Feuerwehrleute haben bereits 2021 mit den Vorbereitungen begonnen und extra den Lkw-Führerschein gemacht.

Die Drehleiter kann bei einer Ausladung von 12 Metern auf respektable 23 Meter ausgefahren werden. Das Fahrzeug hat eine solide Ausstattung, beispielsweise für die klassische Brandbekämpfung.

Der Korb am vorderen Ende der Drehleiter wiegt alleine schon 250 Kilogramm und kann bis zu 500 Kilogramm Zuladung aufnehmen. Bei der Personenrettung können Personen bis zu 270 Kilogramm mit dem Korb aus luftiger Höhe gerettet werden. Eine umfangreiche Ausrüstung komplettiert das Feuerwehrfahrzeug.

Dazu gehört eine Kettensäge, unter anderem zur Beseitigung von Sturmholz, und eine Absturzsicherung, falls Feuerwehrleute aus dem Korb auf ein Dach müssen. Mit dem so genannter „Aldebaran“, benannt nach einem der hellsten Sterne im Sternbild Stier, kann der Einsatzort mit leistungsstarken LED-Lampen ausgeleuchtet werden. Schornsteinfegerwerkzeug das bei Kaminbränden eingesetzt wird, gehört ebenfalls zur Spezialausrüstung, genauso wie ein Elektrolüfter mit dem Rauch aus Gebäuden und Wohnungen geblasen werden kann, sowie zwei Atemschutzgeräte, ein Stromaggregat und – natürlich einige Feuerwehrschläuche, der längste davon misst immerhin 35 Meter – sowie ein Schaumrohr.

2400 Liter Wasser pro Minute

Mit dem dazugehörigen Wenderohr kann ein Brand mit bis zu 2400 Liter Wasser pro Minute bekämpft werden. Der vordere Teil der Drehleiter kann samt Korb abgeknickt werden. Dies sei eine Besonderheit, sagt Feuerwehrmann Daniel Benneweg. Eine Funktion, die beispielsweise bei der Personenrettung eingesetzt werden kann. Vom Hauptbedienstand am unteren Ende der Drehleiter ist die Drehleiter samt Korb mit Joysticks steuerbar. Über eine Kamera und Mikrofon ist der Feuerwehrmann oder die Feuerwehrfrau von dort aus mit den Einsatzkräften im Korb verbunden und sieht jederzeit, was oben im Korb geschieht. Die Drehleiter kann über einen Bedienpult im Korb ebenfalls über Joysticks exakt gesteuert werden.

Eine weitere Besonderheit ist die Hinterradzusatzlenkung: Das heißt, das Fahrzeug kann auch die hinteren Räder einschlagen. Das reduziert den Wendekreis um etwa zwei Meter, so Abteilungskommandant Armin Klein. Das sei wichtig in engen Gassen.

Die Besatzung der Drehleiter besteht in der Regel aus drei Feuerwehrleuten und zwar aus einem Fahrer, der zugleich auch Maschinist ist, in der Mitte sitzt der so genannte „ZbV“ (Zur besonderen Verwendung) und in Fahrtrichtung rechts außen der Fahrzeugführer, der die Verantwortung für die Dreiergruppe trägt. Bei einem solchen Fahrzeug gehen die Fachleute nach Auskunft von Armin Klein, von einer Nutzungsdauer von etwa 30 Jahren aus. Alle zehn Jahre steht eine große Inspektion beim Hersteller an.

 
 
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