Sachsenheimer Planetenweg 30 Kilometer Sonnensystem

Von Lisa Lorenz
Der Ochsenbacher Karl-Heinz Böckle zeigt den Uranus hoch über seinem Heimatort in den Weinbergen des Kirbachtals. Foto: Martin Kalb

Der Sachsenheimer Planetenweg bildet im Verhältnis eins zu 333 Millionen maßstabsgetreu das Sonnensystem ab, bräuchte allerdings ein wenig Zuwendung.

Ich kenne genügend Planetenwege: Sie sind alle wenig anschaulich, die Planeten sind zu nah beieinander, der Maßstab passt nicht“, sagt Karl-Heinz Böckle. Das hat den ehemaligen Gymnasiallehrer wohl so sehr gestört, dass er es besser machen wollte – er ist der Initiator des Sachsenheimer Planetenwegs. „Sachsenheim ist dafür wegen seiner Länge bis nach Häfnerhaslach ideal“, erklärt er. „Nach meiner Pensionierung bin ich in meinen Heimatort Ochsenbach gezogen. Dort habe ich das Projekt gestartet.“ Und zufällig hat auch noch ein einprägsamer Maßstab gepasst: eins zu 333 Millionen.

Ganze 29 Kilometer misst der Planetenweg, der größtenteils auch dem Sachsenheimer Weg folgt und 2013 eingeweiht wurde. Er zieht sich von Großsachsenheim bis nach Häfnerhaslach. Die Sonne, der Merkur, die Venus und die Erde sind in Großsachsenheim in maßstabsgetreuer Entfernung zueinander zu finden.

Nach dem Mars am Rande Kleinsachsenheims führt der Weg über den Jupiter beim Weingut Notz und am Hohenhaslacher See vorbei, an dessen Ufer der Saturn platziert ist. Vom Uranus aus hat man einen Blick auf Ochsenbach, von dort geht es weiter zur letzten Station des Planetenwegs, dem Neptun auf dem Häfnerhaslacher Dorfplatz.

Bei den einzelnen Stationen findet man jeweils ein maßstabsgetreues Modell des jeweiligen Planeten – wobei maßstabsgetreu auch bedeutet, dass der Merkur kaum größer als eine Rosine ist. Die Modelle stehen auf Sockeln aus Steinen, die Initiator Böckle selbst gesammelt hat – auf der Gemarkung Sachsenheim, versteht sich. Auch die Modelle wurden lokal von einem befreundeten Metallbauer geschweißt.

Spenden gesammelt

10.000 Euro hat der Planetenweg insgesamt gekostet, dafür hat Böckle „viele Klinken geputzt“ und Spenden von Privatpersonen und Firmen eingeholt. Auch die Stadt hat sich beteiligt: Der äußere Schlosshof wurde gerade sowieso neu gepflastert, da passte das Aufstellen der Stationen gut.

Böckle besuchte außerdem die Sachsenheimer Schulen und warb für seine Idee. Der Lehrer, der Physik und Technik unterrichtete, erklärte den Schülern dann zunächst das Projekt in der Theorie, dann halfen die Schüler bei der Verwirklichung. So kam es, dass beispielsweise die Erde auf dem Gelände des Lichtenstern-Gymnasiums und die Venus vor der Mensa der Eichwald-Realschule stehen. Einer der Standorte lag nicht im kommunalen Besitz, deshalb habe es dort ein Dreivierteljahr bis zur Genehmigung gedauert. Insgesamt entstand der Planetenweg über zwei Jahre hinweg.

An den Sockeln befinden sich jeweils Infotafeln, auf denen die Stationen des Planetenwegs und eine Beschreibung des jeweiligen Planeten befinden. Außerdem gibt es QR-Codes zum Scannen mit dem Smartphone – an einigen Stationen sind diese allerdings schon so verwittert, dass die Kamera den QR-Code nicht mehr erkennt. Bei manchen Planeten funktioniert der Code zwar noch, er leitet dann jedoch auf eine nicht mehr existente Internetseite weiter. Geht man den Planetenweg zu Fuß, empfiehlt die Stadt Sachsenheim, den Weg in drei oder vier Etappen aufzuteilen. Mit dem Fahrrad geht es etwas schneller; für beide Fortbewegungsarten gibt es Touren online.

Touren nur auf eigene Faust

Diesen zu folgen, ist durchaus sinnvoll – denn sucht man beispielsweise speziell die Erde beim Lichtenstern-Gymnasium, dann landet man mit Google Maps gute 50 Meter entfernt von der Station. Geführte Touren gibt es nicht, „ich habe das aber angeboten“, sagt Böckle. Aber für eine eintägige Wanderung sei der Weg zu lang, und außerdem sei er ja auch weitgehend selbsterklärend. Wie viele ihn tatsächlich abgehen, dazu gibt es keine Zahlen. Aber: „Ich sehe Leute, die stehen bleiben und sich die Planeten und Schilder anschauen.“

 
 
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