Der Spaziergang mit der Ortsvorsteherin von Spielberg, dem kleinsten der fünf Stadtteile Sachsenheims, beginnt vor dem neuen alten Bahnhöfle am Fontanisbrunnen, das fast fertiggestellt ist. „Der gesamte Ortschaftsrat, bestehend aus acht Männern und drei Frauen, hat in Eigenregie, zusammen mit sehr vielen Helfern aus dem Ort, dazu beigetragen, dass dies ein schöner Verweilort wird“, freut sich Viola Lepp.
Sachsenheimer Stadtteile „Spielberg hat einen sehr hohen Erholungsfaktor“
Vom Erhalt der Verwaltungsstelle bis zum möglichen neuen Baugebiet: Was Bürger im kleinsten Stadtteil Spielberg vermissen und schätzen, erzählt Ortsvorsteherin Viola Lepp
Das einstige Wartehäuschen stand zuvor als Bushaltestelle an der Landstraße zwischen Ochsenbach und Spielberg (die BZ berichtete) und war früher für Menschen ohne Auto die einzige Möglichkeit, aus dem Ort rauszukommen. Die Sitzgelegenheit draußen sowie im Inneren das Spielberger Wappen mit dem Hirten, werden in Kürze montiert.
Spielberg mit seinen rund 400 Einwohnern, im Kirbachtal zwischen Ochsenbach und Hohenhaslach am Naturpark Stromberg-Heuchelberg gelegen, ist sehr ländlich geprägt. Die Vögel zwitschern an diesem Maientag und aus dem Sulzbrunnen plätschert „kalziumreiches Wasser aus der Fontanis-Mineralquelle“, wie Viola Lepp erklärt. Der Trinkbrunnen laufe das ganze Jahr, „man kann jederzeit hier kostenlos Mineralwasser holen“, informiert die 43-Jährige. Bürger aus dem ganzen Kirbachtal kommen mit ihren Flaschen zum Auffüllen hier her. Daneben steht das Gebäude der Fontanis Mineralbrunnen GmbH, die ihr Mineralwasser aus den Spielberger Quellen schöpft. Neben dem Brunnenbetrieb gibt es noch ein paar landwirtschaftliche und Weinbau-Betriebe im Nebenerwerb in dem Örtchen.
Orstvorsteherin seit 2014
Lepp wuchs mit ihren Eltern und zwei Schwestern in Spielberg auf, zog ein paar Jahre aufgrund von Studium und Beruf weg und kehrte vor einiger Zeit mit ihrem Mann zurück in die Heimat. „Spielberg ist klein und hat wenig Infrastruktur, aber es ist einfach ein total schöner Ort, sehr naturbezogen und mit einem sehr hohen Erholungsfaktor“, schwärmt die Ortsvorsteherin, die seit 2014 das Ehrenamt als erste Frau in Sachsenheim leitet.
Der Spaziergang führt die Sulzbrunnenstraße an blühenden Streuobstwiesen und am Fuße der imposanten Weinberghänge entlang, an dem das Dorf liegt. Am Fontanisbrunnen starte auch eine beliebte Panoramawanderung, empfiehlt Viola Lepp: Der Hans-Ott-Weg, vor einigen Jahren nach einem engagierten Spielberger Ortschaftsratsmitglied benannt. Am Wiesenhang grasen rotbraune Rinder der Spielberger Familie Stierle. „Die Angusrinderherden sorgen um den Ort herum für Landschaftspflege“, erzählt Lepp. Unterhalb der Straße befinden sich die die Tennisplätze des Tennisclubs Strombergs – neben den Landfrauen Ochsenbach-Spielberg und der Feuerwehrabteilung Spielberg einer der wenigen Vereine im Ort.
Freizeitanlage als Treffpunkt
Daneben steht der einzige Spielplatz Spielbergs, idyllisch eingebettet von Hecken und Bäumen, sowie ein Fußballplatz und eine Boulebahn. „Wir Spielberger schätzen dieses gepflegte Freizeitensemble sehr“, sagt die Ortsvorsteherin stolz. Auf kleinem Raum gibt es hier passend zum Ortsnamen Spielberg unterschiedlichste Spielmöglichkeiten: Neben dem Bolzfeld befindet sich seit 2024 ein Minispielfeld mit kleinen Toren, die von der Hohenhaslacher Kirbachschule nicht mehr gebraucht wurden. Die großen Fußballtore sind mit Basketballkörben versehen. An den zwei Tischtennisplatten ist Sicht auf den höchsten Berg in der Region, den Baiselsberg. Daneben befindet sich die Boulebahn, die durch die Städtepartnerschaft mit dem südfranzösischen Valréas und in Kooperation mit dem TV Ochsenbach entstand.
Pläne für Baugebiet ruhen
Auch in Spielberg wird die Weinkrise anhand einiger brachliegender Rebflächen zwischen den Weinbergen sichtbar. Zurück im kleinen Ort fallen viele liebevoll gepflegte Gärten vor den Häusern auf. In der Südlichen Weinbergstraße befindet sich auf einer ungenutzten Grünfläche das einzige mögliche Baugebiet, das in den vergangenen Jahren von der Stadt Sachsenheim lokalisiert wurde, aber deren Planverfahren vorerst ruht. „Die Bauplätze hier sind rar“, sagt Lepp. Es dürfe keine Versiegelung mehr stattfinden.
An dem Haus, in dem sich die einzige Gaststätte Spielbergs befand, ist der Schriftzug „Zum Ochsen“ noch lesbar. Heute gibt es keine Gastronomie mehr in dem Örtchen, keinen Kindergarten, keine Nahversorgung. Schön sei, dass sich die Menschen untereinander sehr helfen, sagt Lepp.
Traum vom Eisautomaten
An einem Selbstbedienungsstand bietet ein junger Landwirt je nach Saison selbst Erzeugtes wie Popcornmais, Traubensaft, Kartoffeln und Kürbis an. Viola Lepp träumt von einem Eisautomaten mit Sitzgelegenheiten im Dorf. „Besonders im Sommer ist es hier eine schwäbischen Toskana, Spielberg hat richtig Urlaubscharakter“.
Das Hauptproblem sei, „dass wir sehr klein sind, und wegen der engen Haushaltslage der Stadt mit unseren wenigen Wünschen nicht immer gehört werden“, sagt Viola Lepp. Sie wünscht sich, dass auch weiterhin alle Sachsenheimer Orte in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleiben und auch in sie investiert werde. Ab diesem Jahr steht der behindertengerechte Umbau der Bushaltestelle Brunnenwiese an, und frühestens 2027 der Bushaltestelle am Dorfplatz, was auf dem Kopfsteinpflaster wegen der Bordsteinerhöhung „relativ schwierig“ werde.
Der Spaziergang endet in der Verwaltungsstelle von Spielberg, einem ehemaligen Schulgebäude. Jeden Mittwoch ist sie von 15 bis 16:30 für alle Bürger Sachsenheims und für alle amtlichen Anliegen der Bewohner geöffnet. „Es ist absolut wichtig, dass die Verwaltungsstelle mit dem kleinen Sitzungssaal uns Bürgern erhalten bleibt“, betont die Ortsvorsteherin. Der Saal sei der einzige Raum im Ort, an dem sich die Einwohner versammeln könnten.
