Vor sieben Jahren wurde Lukas Beck von einem befreundeten Insektenfotograf mit seiner Faszination für besonders schöne und schillernde Insekten angesteckt. Damals sah der heute 21-Jährige zum ersten Mal, wie ein Wandelndes Blatt als perfektes Tarninsekt über den Boden huscht. Seitdem züchtet der Besigheimer die grünen grazilen Schönheiten selbst, Gespenstschrecken und Stabschrecken sind ebenfalls seine Weggefährten an grauen Wintertagen.
Sammelleidenschaft in Besigheim Vogelspinnen leben im Jugendzimmer
In seiner Sammlung von Stabschrecken, Vogelspinnen, Wandelnden Blättern und Gottesanbeterinnen fühlt sich Lukas Beck pudelwohl.
Sieben Vogelspinnen und 19 Gottesanbeterinnen
Als Lukas Beck erst einmal Blut geleckt hatte, zogen immer mehr weitläufige Verwandte der drei in die Insektenarche im Hartweg in Besigheim ein. Stabschrecken turnen heute in schrillen Farbverläufen an der Decke des großen Terrariums entlang, das Becks Zimmer einnimmt. Sieben Vogelspinnen leisten ihm dort zur Zeit Gesellschaft, dazu 19 junge Gottesanbeterinnen, die sich sofort auf flugunfähige Fruchtfliegen stürzen, sobald Beck ihr Gehäuse öffnet.
Die Fliegen der Gattung Drosophila melanogaster züchtet Lukas Beck selbst, weil das praktisch ist und den Geldbeutel schont. „Dafür setze ich eine Futterlösung aus Haferflocken, Hefe und Zucker an.“ Dazu kommt Holzwolle in die Brutkammer, damit die Tiere klettern können. In wenigen Wochen wird es soweit sein: Sobald der junge Forscher den Damenstrumpf, den er als Deckel über das Gefäß gespannt hat, lüftet, kann er einzelne Fliegen entnehmen. Die Gottesanbeterinnen, sein ganzer Stolz, sehen das sofort, rennen auf die Minifliegen zu und schnappen sie mit ihren winzigen Greifarmen. Was für ein Schauspiel. „Ohne meine Tiere wäre mir sicher öfter langweilig, aber so gibt es immer viel zu beobachten und zu organisieren“, sagt er.
Die brasilianische Juwelenvogelspinne glotzt aus ihrem Versteck. Obwohl Beck fasziniert ist von seinen Spinnen mit lila Streifen und goldgelben Flecken lässt er an dieser Stelle die Finger von der Zucht. „Vogelspinnen-Weibchen legen bis zu 1000 Eier“, weiß er. Diese Invasion an frisch geschlüpften Spinnen würde sein Zimmer sprengen. Der Rest der Wohnung ist nämlich insektenfrei.
Seit der Besigheimer Schüler ein Praktikum im Terraristik-Geschäft in Freiburg gemacht hat, weitet sich seine Leidenschaft auch auf Reptilien aus. Seitdem leben immer mal wieder Geckos und Schlangen bei ihm. Doch Insekten sind kleiner und passen deshalb besser in sein Zimmer.
Da sich das Füttern und Pflegen der Insekten längst in seinem Leben eingespielt hat, läuft das Organisatorische fast schon automatisch. Und das, obwohl es manche Arten trocken und andere feucht lieben. „Am Anfang habe ich immer genau gemessen, wie feucht es sein muss und wie viel ich füttern muss. Heute füttere ich nach Gefühl und besprühe die Wände, wenn ich das Gefühl habe, es wird zu trocken“, macht er deutlich. Zu füttern sind seine Stabschrecken ganz einfach: Man reiche ihnen Brombeerblätter und erneuere den Zweig, sobald er abgenagt ist.
Beruflich will Lukas Beck in die Terraristik
Die Begeisterung über das Entstehen und Vergehen des Lebens ist Lukas Becks eigentlicher Antrieb für sein Tun. Er selbst ist Ziel des Prozesses. Er hängt zwar mit Liebe an seinen Tieren, kann aber den Prozess des Lebens und Vergehens gut annehmen. Stirbt eine Generation Wandelnde Blätter züchtet er eine neue.
Beruflich sieht Lukas Beck sich schon in der Terraristik und freut sich drauf, nach der Schule so richtig eintauchen zu können in die bunte Welt der Insekten. Natürlich tauscht der Besigheimer gerne auch Exemplate mit anderen Insektenzüchtern aus der Region und freut sich jedes Mal, wenn bei diesen Deals eine Win-Win-Situation entsteht.
