Sandschule Bietigheim: Abschied von Rektorin Isolde Steigelmann Am Ende wird’s nochmal so richtig emotional

Von Gabriele Szczegulski
  Foto: /Martin Kalb

Isolde Steigelmann war 16 Jahre Rektorin an der Sandschule Bietigheim. Währenddessen hat sie bahnbrechende Änderungen auf den Weg gebracht. Jetzt geht sie in den Ruhestand.

Sehr emotional wurde es für Isolde Steigelmann noch vor ihrer eigentlichen Verabschiedung: Überraschend wurde sie von den Viertklässlern in „Geiselhaft“ genommen. Traditionell werden die Viertklässler der Gemeinschaftsschule im Sand mit einem Gang durch ein Spalier und dem Tragen von Akademikerhüten verabschiedet. In diese Riege musste sich die Rektorin einordnen. „Ich hab ein paar Tränchen vergossen“, sagt die Pädagogin, die sonst eine eher praxisorientierte Macherin ist.

Praxis-orientierte Macherin

Dass sie eine Macherin ist, hat sie in 40 Jahren Lehrertätigkeit bewiesen: „Die letzten 16 Jahre davon habe ich in Bietigheim an der Sandschule verbracht: Grund-Haupt und Werkrealschule, Ganztagsschule in der Sekundarstufe, Ganztagsschule in der Primarstufe, zusammengelegte Sand-Buch-Schule, neue Grund- und Werkrealschule, Gemeinschaftsschule, Bildungsplan-2016-Schule, digitale Schule, Corona-Schule, Schule mit Courage“, zählt sie nur einige der Inhalte auf, die sie oft „ad hoc“ umsetzen musste.

Von Vorteil war, dass Steigelmann sich zwar streitbar zeigte, auch gegen Obrigkeiten wie das Staatliche Schulamt, aber immer voller Engagement für ihre Schüler und Schülerinnen. Das zeigte sich 2015, als viele Flüchtlingskinder ankamen und schnellstens integriert werden mussten. Die Kinder, die oft gerade mal ein paar Tage in Deutschland waren, hatten weder Schreibzeug noch Ranzen. Steigelmann und ihr Kollegium halfen auf die Schnelle, organisierten und suchten Sponsoren.

Diese Erfahrungen waren in diesem Jahr gefragt, als „eine ganze Mannschaft ukrainischer Schüler auf einen Schlag“ kam. Im Vergleich zu den Flüchtlingen von 2015 musste hier auch noch eine Homeschooling-Möglichkeit für alle Ukrainer geschaffen werden, da die Kinder auch noch per Videokonferenz ukrainischen Unterricht erhielten. „In der Sprachförderung sind wir spitze“, findet Steigelmann, und auch das ist ihr Verdienst.

Apropos Homeschooling: Steigelmanns Einfallsreichtum und Kreativität zeigten sich vor allem in den vergangenen zwei Jahren während der Corona-Pandemie, als auf die Schnelle während des ersten Lockdowns für alle Klassen ein Heimunterricht organisiert werden musste. „Zu den Grundschülern fuhren die Lehrer teilweise, um Arbeitsbögen abzugeben“. Schnell setzte Steigelmann durch, dass es an ihrer Schule trotz Lockdowns auch Präsenzunterricht für einige Schüler geben sollte. „Wir konnten doch die, die zu Hause keine Möglichkeit haben, zu lernen, keine digitalen Geräte ihr eigen nennen oder sowieso schwierig lernen, im Regen stehen lassen“, sagt sie.

Aufgaben kamen von außen

„Die Titel und Aufgaben kamen – bis auf wenige Ausnahmen – von außen auf die Schule zu und hatten Aufgabenfelder im Gepäck, die ich immer wieder als Herausforderung gesehen und angenommen habe. In den letzten acht Jahren aber nahm der Berg dieser fremdbestimmten Herausforderungen an Höhe leider stark zu“, sagt sie und tat diese Kritik auch immer wieder an obersten Stellen kund. Um jede Lehrerstelle kämpfte sie persönlich, sprach mit potenziellen Kandidaten – immer zum Wohl der Kinder.

Die Sehnsuchts-Schublade

Jetzt, nachdem sie ihre „letzte berufliche Rede meines Lebens am letzten Schultag vor den Ferien“ gehalten hat, will sie ihre „Sehnsuchts-Schublade“ aufmachen und Dinge tun, für die sie während ihrer Amtszeit keine Zeit hatte. „Ab August habe ich die Freiheit, nicht mehr Monate im Voraus planen zu müssen. Ich kann und darf ganz neue Eindrücke sammeln und mich spontan von ihnen leiten lassen, muss aber nicht“, sagt Isolde Steigelmann.

 
 
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