Sanierungsarbeiten in Sachsenheim Stadtkirche: Sanierung dauert länger

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Durak Kukaj bei den Ausbesserungsarbeiten an der Kirche Sankt Fabian und Sebastian. Die neuen Sandsteine sind aus Freudental.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Die Sanierungsarbeiten an der Großsachsenheimer Kirche Sankt Fabian und Sebastian schreiten voran. Kaputte Balken verzögern jedoch die Fertigstellung.

Seit April ist die Großsachsenheimer Kirche komplett eingerüstet. Der Zahn der Zeit hat in den rund 39 Jahren seit der letzten Außenrenovierung gehörig an der Pfarrkirche Sankt Fabian und Sebastian genagt.

Vor allem der Sandstein hat unter dem sauren Regen massiv gelitten. So waren umfangreiche Sanierungsarbeiten dringend notwendig geworden. Die Bauarbeiten gehen voran, gibt sich Pfarrer Dieter Hofmann über den aktuellen Baufortschritt zufrieden. Im Umlauf auf dem Kirchturm waren größere Schäden durch Wasser entstanden, das durch Risse in den Sandstein gelaufen ist.

Eine Besonderheit war, dass der Kirchturm oben einen doppelten Boden hatte. Auf dem ursprünglich etwas schiefen Boden, der sinnigerweise etwas Gefälle aufwies, um das Wasser abzuleiten, wurde irgendwann ein zweiter Boden eben darüber gezogen. Auf diesem Boden blieb jedoch das Wasser stehen und verursachte im Lauf der Zeit dadurch größere Schäden. Nach Rücksprache mit dem Landesdenkmalamt darf nun der zweite Boden wieder abgetragen werden. Dann fließe, so Dieter Hofmann, über den schiefen alten Boden das Wasser wieder ordentlich ab. Die vorhandenen Risse werden abgedichtet und, damit an dieser Stelle künftig keine Schäden mehr auftreten, mit Mineralmörtel ausgefugt.

Etwas Kopfzerbrechen bereiten Hofmann die Holzauflagen des Kirchenschiffes. Eigentlich gehört dieser Bereich nicht zu der Außensanierung. Auf dem Kirchenboden unter dem Dach waren Mauern eingezogen, weil der Kirchen-Dachboden früher als Fruchtkasten genutzt wurde.

Balken sind marode

Zwischen diesen Mauern haben seinerzeit die Großsachsenheimer ihr mühsam geerntetes Getreide eingelagert. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich dort Schutt abgelagert, der jetzt samt den überflüssigen Mauern beseitigt wurde. Dabei stellte sich heraus, dass die Holzbalken, die das Kirchenschiff tragen, stark beschädigt sind und ersetzt werden müssen. Diese Schäden werden kartiert, dann erfolgt der Austausch der schadhaften Balken. Wegen dieser ursprünglich nicht vorgesehenen Reparaturarbeiten wird sich die Fertigstellung insgesamt verzögern. Zumal auch weitere Arbeiten stark von der Witterung abhängig sind und beispielsweise Malerarbeiten an der Fassade nur bei gutem Wetter durchgeführt werden können. Die Kirche wird übrigens wieder im selben zartgelben Farbton wie vor der Sanierung erstrahlen, „nur in schön“, so Dieter Hofmann.

Realistisch ist nach Ansicht des Pfarrers, vor allem mit Blick auf den notwendigen Balkentausch, die Fertigstellung in diesem Jahr eher nicht mehr. Wann die Sanierung abgeschlossen sei, könne man derzeit nicht sagen, „bei solchen Gebäuden segelt man auf Sicht“.

Steine mit Fugen bemalt

Außer den bekannten baulichen Besonderheiten hat man bei den Sanierungsarbeiten festgestellt, dass vermutlich in der Barockzeit die Sandsteine bemalt waren. Dabei waren sogar Fugen auf den Steinen aufgemalt, um eine gleichmäßige Steingröße und einen möglichst einheitlichen Fugenabstand vorzutäuschen. Die Sandsteine, die nun ersetzt werden müssen, kommen aus einem Steinbruch in Freudental.

Fast ausschließlich lokale Handwerker sind an der Kirchensanierung beteiligt, einige von ihnen wurden sogar vor etlichen Jahren in der Kirche konfirmiert. Für diese Handwerker sei die Arbeit an ihrer Kirche etwas Besonderes, sie haben eine innere Verbindung zu diesem Bauwerk. Die Handwerker bemühten sich allesamt außerordentlich, ist Pfarrer Dieter Hofmann voll des Lobes.

Da noch kein Gewerk vollständig abgeschlossen ist, könne man momentan noch keine Aussage darüber treffen, was die endgültigen Kosten angehe. Dieter Hofmann vertraut auf den Architekten, der viel Erfahrung mit solchen Bauwerken wie der Großsachsenheimer Kirche habe, und geht aktuell davon aus, dass der Kostenrahmen in Höhe von etwa 600 000 Euro nicht überschritten wird.

Info Die erste urkundliche Erwähnung der Großsachsenheimer Pfarrkirche Sankt Fabian und Sebastian datiert aus dem Jahr 1265. Die Kirche in ihrer jetzigen Form stammt aus dem Jahr 1484.

 
 
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