Mölders freut sich auf Mission bei der SG Sonnenhof „Mir ist egal, ob ein Verein klein ist“

Von Andreas Eberle
Sascha Mölders war bei seiner offiziellen Vorstellung am Sonntagmittag ein gefragter Gesprächspartner. ⇥ Foto: Ralf Poller/Avanti

Kultstürmer Sascha Mölders freut sich auf die Rettungsmission bei Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach. Von Andreas Eberle

Sascha Mölders (36) soll die SG Sonnenhof Großaspach als spielender Co-Trainer zum Klassenerhalt in der Regionalliga Südwest schießen. Der frühere Bundesliga-Stürmer spricht im BZ-Interview über seinen Wechsel in die Provinz, Ehrlichkeit im Profisport und das besondere Verhältnis zu seinem neuen alten Trainer Hans-Jürgen Boysen.

Der schillernde Kultstürmer Sascha Mölders und der kleine schwäbische Dorfklub SG Sonnenhof – wie passt das zusammen?

Sascha Mölders: (lacht) Das werden wir im ersten Spiel sehen. Aber im Ernst: Ich komme von einem Ascheplatz aus dem Ruhrgebiet und sehe mich eher als Typ der Marke Kreisliga-Fußballer, der nach einem erfolgreichen Spiel gerne auch mal ein Bier trinkt oder eine Bratwurst isst. Mir ist egal, ob ein Verein groß oder klein ist. Entscheidend ist, dass die Leute, die dort arbeiten, Bock haben. Auch ich hatte nach den ersten Gesprächen gleich voll Bock auf Großaspach – erst recht, nachdem dort das Thema Hans-Jürgen Boysen ins Rollen kam.

Sie kennen den Trainer aus der gemeinsamen Zweitliga-Zeit beim FSV Frankfurt. Wie ist Ihr Verhältnis?

Unser Kontakt ist in all den Jahren nie abgerissen. Hans-Jürgen Boysen hat mich im Januar 2010 von Rot-Weiß Essen aus der Regionalliga geholt. Bei ihm habe ich damals auf Anhieb gespielt. Er war immer knallhart zu mir und hat mir direkt gesagt, wenn ich auch mal schlecht gespielt habe – sogar dann noch, als er gar nicht mehr mein Trainer war. Diese Ehrlichkeit hätte ich mir im Profifußball öfter gewünscht. Da geht einiges oft hintenherum. Ich selbst bin auch ein Typ, der geradeheraus seine Meinung sagt.

Was reizt Sie an der Aufgabe bei einem kriselnden Viertligisten?

Ich hätte auch als Spielertrainer in die Regionalliga Bayern gehen können, da gab es zwei konkrete Anfragen von Vereinen aus dem Tabellenmittelfeld. Das war für mich aber nicht annähernd so reizvoll wie das Projekt hier bei der SG. In meiner Bundesliga-Zeit beim FC Augsburg haben wir immer um den Klassenerhalt gekämpft, und mit 1860 ging es entweder um den Abstieg oder den Aufstieg. Ich brauche diesen Spirit irgendwie.

Welche Optionen hatten Sie nach Ihrem Aus in München sonst noch?

Ich war selbst überrascht über das große Interesse. Ich hatte Angebote aus der Dritten Liga, sogar aus Südkorea gab es eine Anfrage. Außerdem haben sich diverse Fußballsender für verschiedene Engagements bei mir gemeldet. In diese Richtung hätte ich auch komplett wechseln können. Bei DAZN beispielsweise bin ich ja bereits hin und wieder als Kommentator im Einsatz.

Wie viele Tore haben Sie sich für die restlichen 14 Regionalliga-Spiele im SG-Trikot vorgenommen?

Ich habe mir noch nie eine Marke gesetzt. Mir ist es auch gar nicht so wichtig, wie oft ich treffe. Wir müssen Spiele gewinnen, nur das ist entscheidend – auch wenn du als Stürmer natürlich immer Tore schießen willst.

Nagt an Ihnen noch die Ausbootung bei Ihrem Herzensklub TSV 1860 München?

Ich hatte sechs schöne Jahre in München und habe mit dem Verein viel mitgemacht. Darum war ich am Anfang natürlich schon schockiert. Im Fußball ist irgendwann aber alles mal zu Ende. Gewisse Sachen musst du einfach akzeptieren. Wenn man in ein paar Jahren über Sascha Mölders und seine Zeit bei 1860 redet, wird es wahrscheinlich nur wenige Menschen geben, die sagen: Hör‘ mir bloß mit dem auf. Die meisten werden sich gerne an mich erinnern – und das ist das, was zählt und wichtig ist.

Wie lange wollen Sie noch spielen?

Ganz aufzuhören wird‘s bei mir nie geben. Dazu liebe ich den Sport viel zu sehr. Wenn mal Schluss mit Profifußball ist, werde ich vermutlich noch beim SV Mering in der Landesliga weiterspielen – und wahrscheinlich dann auch mit 45 noch auf dem Platz stehen.

 
 
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