Hautirritationen, Augenreizungen und Atembeschwerden – das sind nur ein paar der Symptome, die bei der Berührung mit den Brennhaaren auftreten können. Die Rede ist von der Raupe des Eichenprozessionsspinners, ein Schmetterling aus der Familie der Zahnspinner. Wie der Name schon sagt, besiedelt die Spezies unter anderem Eichenbäume, heimisch ist sie in den Eichenwäldern in Süd- und Mitteleuropa. Gerade durch den Klimawandel breitet sich die Art jedoch immer weiter nördlich aus und kommt wegen Massenvermehrungen in allen Bundesländern vor. Besonders in Baden-Württemberg.
Schädling Eichenprozessionsspinner: Erneut Raupenplage im Kreis Ludwigsburg
Der Eichenprozessionsspinner kommt nicht zum ersten Mal in der Region vor. In mehreren Kommunen mussten Spielplätze gesperrt werden.
Im Kreis Ludwigsburg ist das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners keine Neuheit. Auch in den vergangenen Jahren war der Befall Thema. Die Raupe mit ihren winzigen Brennhaaren ist für Menschen gefährlich, aber auch bei Tieren kann die Berührung allergische Reaktionen oder Atemerkrankungen auslösen.
Vor ein paar Wochen hat die Stadt Sachsenheim über die Sperrung aller Waldspielplätze informiert, vor allem, weil der Befall der Bäume im Stadtgebiet mit dem Eichenprozessionsspinner festgestellt wurde. „Es gab mehrere Hinweise von verschiedenen Stellen. Unter anderem kam es zu allergischen Reaktionen“, sagt der Sachsenheimer Pressesprecher Arved Oestringer auf BZ-Anfrage. In der Stadt habe man in den vergangenen Jahren häufig mit der Thematik zu tun gehabt. Im Freibad wurden laut Oestringer die Raupen auf Veranlassung des Trägervereins abgesaugt, somit könne es als bereinigt betrachtet werden. Die Waldspielplätze wurden vorsorglich gesperrt.
Die Haare bleiben bis in den Herbst in der Luft und am Boden bestehen, sagt Oestringer. „Menschen mit hoher Sensibilität können auch darauf reagieren. Wir geben die Spielplätze wieder frei, sobald dies gefahrlos möglich ist.“
Gefährdung der Gesundheit
Die Pressesprecherin des Landratsamtes Ludwigsburg, Franziska Schuster, erklärt, dass der Raupenbefall schon immer im Kreis vorhanden sei und die Befallsituationen mit Gesundheitsgefährdung regelmäßig vorkommen würden. „Im Landkreis Ludwigsburg ist uns aktuell kein vermehrter Befall mit Eichenprozessionsspinnern bekannt, der den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln rechtfertigen würden“, sagt sie. Die Kommunen reagieren, indem die betroffenen Bereiche abgesperrt oder Warnschilder aufgestellt werden. Es könne auch zu Massenvermehrungen kommen.
„Der Raupenfraß im Frühjahr kann unter solchen Bedingungen auch für Waldbäume zum Problem werden“, sagt Schuster. In den vergangenen Jahren und auch in diesem Jahr habe aber kein Kahlfraß im Wald stattgefunden, „daher mussten zum Schutz des Waldes auch keine Maßnahmen getroffen werden.“ Der Eichenprozessionsspinner sei allenfalls für einzelne Eichen gefährlich und nicht für ganze Waldbestände. Weiterhin nennt Franziska Schuster neben Sachsenheim den Befall nahe des Favoriteparks in Ludwigsburg. Dort musste ein Spielplatz gesperrt werden.
Zehn Eichen befallen
Betroffen waren zehn Eichen im Bereich des Kinderspielplatzes Heiligenäcker und des Römischen Gutshofes in der Nähe des Favoriteparks. Die Meldung erreichte die Verwaltung in der Woche vom 9. bis 15 Juni, sagt Meike Wätjen von der Pressestelle Ludwigsburg. „Die Absperrung des Geländes erfolgte unverzüglich. Die Bekämpfung wurde durch ein Fachunternehmen zeitnah durchgeführt. Inzwischen ist der Spielplatz wieder geöffnet.“
In Ludwigsburg habe man trotz prophylaktischer Maßnahmen an den meisten Eichen im Stadtgebiet zahlreiche Eichenprozessionsspinner festgestellt und bekämpft. Die Raupe wurde beispielsweise an der Grundschule in Pflugfelden und im Wäldchen Marienwahl festgestellt.
Das Vorkommen liege vorwiegend an der trockenen Witterung und den milden Temperaturen im Frühjahr, sagt Wätjen. Sobald der Befall festgestellt wird, der die Sicherheit der Menschen gefährdet, werden die Nester durch Absaugen oder Abflammen von Fachunternehmen entfernt. „Die Bäume bleiben davon unbeeinträchtigt“, sagt sie. Im Einzelfall werden die Bereiche zeitweise abgesperrt.
Auch Bietigheim-Bissingen ist vor Kurzem betroffen gewesen. Laut der Leiterin des Presseamtes, Anette Hochmuth, gibt es Eichenprozessionsspinner schon seit vielen Jahren in Bietigheim. „Allerdings ist die Stärke des Befalls jeweils sehr unterschiedlich, in den letzten Jahren und so auch in diesem Jahr betraf es nur vereinzelte Eichen.“
Befall im Overland-Park-Garten
2025 seien vier Bäume aufgefallen, dabei insbesondere eine Eiche im Overland-Park-Garten. „Die Bäume wurden unmittelbar nach Entdeckung des Befalls abgesperrt und mit Warnschildern versehen“, so Hochmuth. Im Overland-Park-Garten fiel ein Nest zu Boden. Die Reste und Raupen seien dann direkt von der Stadtgärtnerei aufgesaugt und der Bereich gereinigt worden. „Es gab jedoch noch ein zweites Nest im Baum, weshalb der Baum weiterhin gesperrt blieb.“
Die Raupennester seien Ende Juni von einer Fachfirma entfernt worden. „Ein vorbeugender Schutz ist nicht möglich, man kann lediglich zu Beginn der Vegetationsperiode Insektizide ausbringen, was aber im Stadtgebiet nicht erste Wahl ist, solange es keinen großflächigen Befall gibt“, sagt Hochmuth.
