Schäfer Martin Stange aus Sachsenheim-Häfnerhaslach gibt auf Jetzt sind fast alle Schafe weg

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Martin Stange und und Sohn Stephan mit den restlichen fünf Schafen.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Hobbyschäfer Martin Stange aus Häfnerhaslach musste aufgeben. Weil das Landratsamt Heulager und Unterstand nicht genehmigte, musste er die Tiere abgeben.

Martin Stange muss noch schwer schlucken, wenn man ihn auf seine ehemaligen Schafe anspricht. „Mir geht es schlecht, die Schafe sind weg.“ Rund 50 Tiere hielt der 82-Jährige in Häfnerhaslach, graste mit ihnen große Flächen ab. Jetzt kam der mehr als 15 Jahre andauernde Streit zu einem für ihn traurigen Ende. Weil er kein geeignetes Grundstück gefunden habe, musste Stange die Herde nun schweren Herzens abgeben.

Es ist das Ende eines Streits zwischen dem Hobby-Schäfer und dem Landratsamt Ludwigsburg. Dieses war der Auffassung, dass die Bauten, die Stange zur Unterbringung für die Schafe und Stroh auf sein Grundstück gebaut hatte, nicht in diesem Naturschutzgebiet stehen dürften (die BZ berichtete). Der Schäfer argumentierte, er und seine Schafe seien zuerst da gewesen, erst später wurde das Gebiet unter Schutz gestellt. Der Fall ging vor Gericht, Stange verlor.

Drei Winter ohne Unterstand

Bereits vor dem Winter 2018/2019 musste er Unterstand und Lager abbauen. Auch der von ihm angerufene Petitionsausschuss 2019 brachte nicht die erhoffte Wendung. Insgesamt drei Winter kämpfte der Rentner weiter und hielt die Schafe ohne Unterstand. Für die Schafe sei das weniger schlimm gewesen als für ihn. Denn für Stange bedeutete die Haltung ohne Unterstand eine Menge Arbeit: Fast täglich habe er im Winter den Weidezaun auf- und abbauen müssen.

Nebenher suchte er nach neuen Grundstücken, auf der er die Basis für sein Schafe errichten kann. Ohne Erfolg. Jetzt hat er aufgegeben. Ende Juli trennte sich Stange von seinen Tieren. Auch das direkte Wenden an Bürgermeister Holger Albrich sei erfolglos geblieben: „Er hat vor zwei Jahren gesagt, er kümmert sich darum, das er einen Platz für die Schafe findet. Aber daraus ist nichts geworden.“ Die Stadtverwaltung hatte gegenüber der BZ mehrfach betont, dem Senior Alternativgrundstücke angeboten zu haben. Doch laut Stange sei nichts Passendes dabei gewesen.

Nur vier Tiere hat er behalten. Stange kümmert sich gemeinsam mit Sohn Stephan und seiner Schwiegertochter Marina um sie. „Das ist ein schwacher Trost, aber immerhin musste ich nicht alle abgeben“, sagt der Häfnerhaslacher. Und er konnte vermeiden, dass die gesamte Herde auf die Schlachtbank musste, wie lange befürchtet. Schäfer Hans-Peter Schuhmacher aus Ochsenbach hat die Herde übernommen. Nur die alten und schwachen Tiere wurden aussortiert. Und weil Stange für die Herde nichts verlangte, bekam seine Enkeltochter ein Mutterschaf mit zwei Jungen geschenkt, die die Familie Stange gemeinsam mit der Flasche großgezogen hat.

Für die Natur und für die Leute"

„Ich habe das alles rein für die Natur und für die Leute getan, deren Stückle sonst verwildert wären“, beteuert Stange. Finanziell gelohnt hätte sich die Schafhaltung für ihn nie. Ein Hobby, das ihm Spaß bringen sollte, hat nicht nur ein trauriges Ende gefunden. Zurückgeblieben ist auch viel Frust auf die zuständigen Behörden. „Ich dachte, ich könnte es mir im Alter ruhig machen mit einem schönen Hobby und was für die Gesellschaft tun“, hatte Stange bereits 2019 gesagt, „mich ärgert es, wenn alle von Umweltschutz und Klimawandel reden und man dann jemanden wie mich ausbremst.“ Denn wie die Wiesen, die er mit seinen Tieren abgegrast hat, in Zukunft gemäht werden sollen, ist ihm noch nicht so ganz klar.

Was Stange nun tun will mit der vielen freien Zeit, die er sonst mit den Schafen verbracht hat? „Ich weiß es noch nicht. Aber fürs zur Ruhe setzen bin ich nicht der Typ.“ Doch ein neues Hobby ist wohl dringend notwendig. „Meine Familie hat schon gesagt: Ohne meine Schafe bin ich nicht zu ertragen“, ringt sich der Schäfer zu einem Lächeln durch. Im Moment fällt noch genug Arbeit an. „Ich bin dabei, alles abzubauen und die gepachteten Grundstücke zu mähen, bevor ich sie abgebe. Das muss er aber jetzt mit Rasenmäher, Sense und Co. erledigen. Denn seine Schafe können ihm nicht mehr dabei helfen.

 
 
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