Schafe Der zweite Winter ohne Unterstand

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Martin Stange inmitten seiner Schafe. Im Winter müssen sie ständig weiterziehen. Einen echten Unterstand hat er nicht. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die rund 50 Tiere von Hobbyschäfer Martin Stange aus Häfnerhaslach haben nach wie vor kein Dach überm Kopf. Das geht an die Substanz – nicht nur des Halters.

Martin Stange gibt nicht auf. Der Hobbyschäfer aus Häfnerhaslach sucht seit rund eineinhalb Jahren ein neues Grundstück, auf dem er einen neuen Unterstand für seine Schafe errichten kann. Den Bisherigen oberhalb Häfnerhaslachs musste er zurückbauen – aus Naturschutzgründen. Jetzt müssen seine Schafe im zweiten Jahr in Folge im Freien überwintern – das ist nicht ganz unproblematisch.

Vor fast drei Jahren berichtete die BZ zum ersten Mal. Der Streit zwischen dem Landratsamt Ludwigsburg und dem Hobbyschäfer dauert sogar schon rund 15 Jahre an: Die Untere Naturschutzbehörde forderte von Stange, den Schafunterstand inklusive Heulager oberhalb der Weinberge zu entfernen. Denn das Grundstück liegt im Naturschutzgebiet und sei störend. Der Fall landete vor Gericht, 2018 musste Stange abbauen. Auch der in diesem Sommer einberufene Petitionsausschuss brachte keine Lösung. „Das Grundstück muss frei von baulichen Anlagen sein, ansonsten ist es illegal“, beharrte die Naturschutzbehörde.

Vorwurf: Ungerecht behandelt

Stange will das aus mehreren Gründen nicht hinnehmen. Zum einen verweist er immer wieder auf den nahe gelegenen Parkplatz in der Töpfergasse. „Der liegt auch im Naturschutzgebiet, das interessiert niemanden.“ Zum anderen betont er: Das Streitobjekt sei erst im Nachhinein, nämlich 2003, zum Naturschutzgebiet ausgewiesen worden – ohne ihn zu informieren. Seit 1996 hatte Stange das Gebiet gepachtet, 2002 schließlich gekauft.

„Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll“, klagt Stange, „die hätten mich einfach in Ruhe lassen sollen da oben. Die Tiere tun was für die Umwelt, sie mähen. Das spart den Rasenmäher und die Mahd-Entsorgung.“ Außerdem bleibe „das Kleingetier erhalten, wo sie immer so groß schreien“, meint er mit Blick auf Mauereidechsen, Blindschleichen Frösche und Co. „Die Schafe fressen die nicht.“

Jetzt naht für die Tiere der zweite Winter ohne Unterstand. Die Kälte macht ihnen auch laut Tierschutzbund nichts aus (siehe Infobox). Dass sie aber gar keinen Unterstand haben, sei schwierig. „Vergangenes Jahr ging es, weil der Winter relativ mild war. Aber viel zu nagen hatten die Tiere nicht“, so Stange, „sie finden in der Regel schon was. Und wenn es zu wenig wurde, habe ich ihnen ein bisschen Heu hingeworfen.“ Stange macht sich aber auch Sorgen um den Schutz der Tiere. Der reine Elektrozaun reiche nicht au: „Sobald sie sich bedroht fühlen, brechen sie aus.“ Für den 81-Jährigen bedeutet das alles viel Arbeit. „Wir müssen im Winter jeden Tag – Zaun auf-, Zaun abbauen. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch schaffe.“ Ein paar Schafe habe er aus der 50er-Herde schon aussortieren müssen. „Die Älteren habe ich entsorgt. Erschossen, und ab in den Container“, schluckt er.

An den Verantwortlichen der Naturschutzbehörde lässt er schon lange kein gutes Wort mehr. Enttäuscht ist Stange auch von der Stadt Sachsenheim, die ihm Hilfe versprochen hatte. „Man hat ihm, sowohl auf seinem, als auch auf städtischen Grundstücken Alternativen geboten. Die hat er nicht angenommen – aus unterschiedlichen Gründen“, verteidigt Sprecherin Nicole Raichle die Stadt. Stange weist das zurück: „Es wurde mir gesagt, es gebe keine städtischen Grundstücke, die sie mir anbieten können.“ Lediglich zwei Flächen, die ihm ohnehin gehören, hätte man ihm als Alternativstandorte vorgeschlagen. „Aber da bin ich einmal im Landschaftsschutzgebiet und das andere ist zu steil.“

Für Stange ist von einer schönen Idee nur noch Frust geblieben. „Ich dachte, ich könnte es mir im Alter ruhig machen mit einem schönen Hobby und was für die Gesellschaft tun.“ Aufgeben kommt dennoch nicht infrage. „Das kann ich mir nicht leisten. So lange meine Füße mich tragen, mache ich es.“ Und weiter: „Mich ärgert es, wenn alle von Umweltschutz und Klimawandel reden und man dann jemanden wie mich ausbremst.“

 
 
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