Schiedsrichter-Ehrung „Die Regelauslegung ist die Basis“

Von Claus Pfitzer
Die Geehrten (von links): Zvonko Mahmet, Ingo Ernst, Wolfgang Scheidt, Werner Stegmaier, Hans-Uli Karr, Hansjörg Arnold, Helmut Geyer, Rolf Gebert und Knut Kircher. Foto: DzFotografie/Dennis Zinkel

Die Schiedsrichtergruppe Ludwigsburg ehrt beim Festakt zu ihrem 80-jährigen Bestehen herausragende Persönlichkeiten.

Einblicke in die Arbeit und die Welt der im Profibereich tätigen Schiedsrichter vermittelten aus der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt Knut Kircher, der Geschäftsführer der DFB-Schiedsrichter-GmbH, und der ebenfalls langjährige Bundesliga-Referee Marco Fritz, seit Beendigung seiner aktiven Karriere Leiter der Abteilung Evaluation, Beobachtungen und Regelauslegung, beim Festakt der Schiedsrichtergruppe Ludwigsburg anlässlich deren 80-jährigem Bestehens in Möglingen.

Die Gemeinschaft unter ihrem seit 2024 amtierenden Obmann Sascha Conrad bereitete dabei auch acht Persönlichkeiten, die alle knapp 50 oder mehr Jahre das Schiedsrichterwesen im Bezirk Enz/Murr sowie auf Verbandsebene maßgeblich als aktive Referees oder später im Ehrenamt geprägt haben und vielen jungen Unparteiischen auch den Weg nach oben geebnet haben, einen würdigen und stimmungsvollen Rahmen für besondere Ehrungen.

Ehemalige Profi-Schiedsrichter seit 50 Jahren dabei

In seiner Laudatio würdigte Kircher als Chef der im Profibereich aktiven Referees besonders Helmut Geyer vom FV Markgröningen und Werner Stegmaier, der dem TSV in seinem Heimatort Schwiederdingen angehört. Beide traten 1976 in die einst in einer Ludwigsburger Gaststätte gegründeten Schiedsrichtergruppe ein. Geyer war jahrelang Assistent in der Bundesliga, danach war er Obmann der Gruppe Ludwigsburg, Verbandsschiedsrichter-Obmann im württembergischen Fußballverband (WFV), Schiri-Chef des Süddeutschen Fußballverbandes, Chef der DFB-Schiedsrichter-Kommission und Beobachter in der Bundesliga. „Er ist ein Visionär, hat Durchsetzungsvermögen, ist streitbar, sachlich und souverän“, lobte der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Kircher den in Hessigheim lebenden Geyer. Als seinen „größten Förderer und Steigbügelhalter“ bezeichnete Kircher den 84-jährigen Stegmaier. „Er war ein Netzwerker, der Wege nach oben geebnet hat und im Interesse des WFV Schiedsrichter nach oben begleitet hat“, sagte Kircher über den ebenfalls als Obmann der Gruppe Ludwigsburg und des WFV tätigen Stegmaier. In die Ehrungskategorie der ehemaligen Ludwigsburger Obleute gehörten auch Hans-Uli Karr aus Bietigheim-Bissingen und Rolf Gebert vom FV Kirchheim, der in Neckarsulm lebt.

Ex-Sportkreis-Vorsitzender gründete Gruppe im Ellental

Karr, der seit 58 Jahren Mitglied der Gruppe Ludwigsburg ist, leitete Spiele in der Zweiten Bundesliga, war zudem Sportkreis-Vorsitzender und führte die Schiedsrichter-Trainingsgruppe im Bietigheimer Ellental ein. Gebert stand der Gruppe als einer von 20 Obleuten seit 1946 insgesamt 14 Jahre lang vor, war ebenfalls in höheren Ligen aktiv unterwegs und hat sich einen Namen als langjähriger Beobachter gemacht.

Für ebenfalls über 40 Jahren im Dienste des Fußballs und der Schiedsrichterei geehrt wurden der aktuelle Bezirksvorsitzende Ingo Ernst (FSV Oßweil), Wolfgang Scheidt (FSV 08 Bietigheim-Bissingen), der als Einteiler in der Gruppe aktiv ist, Zvonko Mahmet (Spvgg 07 Ludwigsburg) und der langjährige Bezirksvorsitzende und Landesliga-Staffelleiter Hansjörg (SKV Hochberg). Die Gruppe Ludwigsburg, eine von 39 im Gebiet des Württembergischen Fußballverbandes, die zusammen mit den Gruppen Vaihingen und Leonberg dem Bezirk Enz/Murr angehört, umfasst im Jubiläumsjahr 190 Schiedsrichter und besetzt pro Saison rund 4400 Spiele im Aktiven- und Jugendbereich.

„Der Schiedsrichter trifft seine Entscheidungen aus Überzeugung, der Video-Schiedsrichter-Assistent (VAR, die Red.) bestätigt oder meldet ‚nicht okay‘, dann musst du als Schiedsrichter raus und dir die Szene anschauen. Da muss man bereit sein, eine Entscheidung, die du vor einer Minute getroffen hast, zu revidieren. Der VAR ist da eher eine Hilfe“, meinte der ehemalige Bundesliga-Referee Fritz aus Korb, der bei Welt- und Europameisterschaften auch als VAR im Einsatz, zum Thema „Kölner Keller“. Bei Entscheidungen auf dem Platz „ist die Regelauslegung die Basis von der Kreisliga B bis zur Bundesliga, in Nuancen kann sie auch anders ausgelegt werden“, so Fritz.

Themen-Recherche für die Konferenz vom Sofa aus

Kircher erzählte, dass er samstags von 13.30 Uhr bis 22.30 Uhr Spiele der Bundesliga und der Zweiten Liga von der Couch aus beobachtet, um Themen zu sammeln für die Spieltagskonferenzen mit seinen Kollegen und den Schiedsrichtern, die noch am Spieltag und regelmäßig montags in Frankfurt stattfinden. „Wir stehen international sehr gut da. Die Anfragen aus anderen Ländern, um dort wichtige Spiele zu leiten, sind eine Auszeichnung“, so Kircher.

 
 
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