Schlechtes Internet in Sachsenheim Unternehmen lahmgelegt

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Autohausinhaber Jens Schmidt klagt: "Das Internet ist hier viel zu langsam."⇥ Foto: Martin Kalb

Im Stadtgebiet warten Gewerbetreibende sehnsüchtig auf schnelles und stabiles Internet. Dieses soll wohl kommen, aber wann?

Schnelles Internet ist für viele Firmen wichtig, wenn nicht überlebensnotwendig. Doch die Realität sieht auch in der Region anders aus. Die IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg haben diesem Mangel den Kampf angesagt (siehe Infobox). In der Rede dazu nennt der Vorsitzende Thomas Wiesbauer als Negativbeispiel explizit Sachsenheim: „Drastisch“ nennt er die Situation vieler Unternehmen. „Viele Betriebe müssten einfach befürchten, bis 2025 ohne Glasfaseranschluss nicht mehr zu überleben“, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung. Die BZ-Recherche zeigt: Das stimmt.

Ein negativer Hotspot ist offenbar das Gewerbegebiet Holderbüschle in Großsachsenheim. Stefan Schmid, Geschäftsführer vom dort angesiedelten Möbelhaus Schmid’s Domino fasst das Grundproblem zusammen: „Das Thema ist der fehlende Kabel- beziehungsweise Glasfaserleitung. Vorhanden ist aktuell eine Kupferleitung.“ Und weiter: „Damit kommen wir nicht weit.“

Viele Unternehmer müssen deshalb Alternativen ausloten. „Da sucht sich jeder seine eigene Lösung“, so Schmid. Das Möbelhaus nutzt das Angebot über Richtfunk. Das funktioniere laut Geschäftsführer „mal mehr, mal weniger gut“. Den Richtfunk, eine drahtlose Datenübertragung via Radiowellen, bezeichnet er daher als „Notlösung“ und „Brückentechnologie“. Er selbst käme zwar mittlerweile klar. „Aber wir haben auf unserem Lager auch direkt eine Verteilstation, weil wir der höchste Punkt im Gewerbegebiet sind. Diese Möglichkeit hat nicht jeder.“ Zudem musste der Unternehmer seinen Zeitplan anpassen: „Ich schaue, dass ich Daten schon frühmorgens, herunterlade, weil da eine relative Sicherheit besteht, dass das Internet stabil ist.“

Teure Alternativen

Ähnliche Probleme hat das Autohaus Nissan Schmidt. „Wir kämpfen schon seit fünf bis sechs Jahren wegen der Internetverbindung“, sagt Geschäftsführer Jens Schmidt. „Wenn‘s gut läuft“, hätte man Geschwindigkeiten von vier bis fünf Mbit. Das reiche definitiv nicht aus für Fahrzeugdiagnosen und Datentransfer. „Ganz akut ist es, seit wir einen zweiten Standort in Heilbronn aufgebaut haben.“ Ein Problem: Die Hilfslösung, eine Mobilfunkverbindung, liefert keine festen IP-Adressen. „Deshalb müssen wir über ein Rechenzentrum umleiten, dass die Mitarbeiter in Heilbronn arbeiten können.“ Als „Katastrophe“ bezeichnet Jens Schmidt die Situation. „Unser EDV-Dienstleister sagt, er kann uns gar keinen richtigen Service bieten, zum Beispiel bei der Sicherheitsüberwachung.“

Am selben Strang hängt auch Matthias Kurz mit seinem Geflügelhof in Hohenhaslach. Heißt: Auch seine Leitung kommt aus Großsachsenheim. „Wir sind nicht wie der Rest von Hohenhaslach mit dem neuen schnellen Internet versorgt“, bedauert er. „Seit die Telekom das ISDN abgeschaltet hat, können wir uns nur behelfen mit teurem LTE. Aber der Empfang ist sehr gering“, sagt der Landwirt. Das Richtfunk-Signal kommt von der Kirche. „Allein letztes Jahr haben wir Tausende Euro für Störungsbehebungen unseres IT-Experten ausgegeben.“ An manchen Tagen hätten die Mitarbeiter Schwierigkeiten, die Kunden am Telefon zu verstehen. „Und manchmal warten wir stundenlang auf mickrige Datenmengen.“

Die beiden Unternehmer aus dem Holderbüschle wissen: Dort gibt es noch ein paar mehr Kollegen, „die warten alle auf schnelles Internet“. Stefan Schmid bedauert aber, er sehe nicht, dass es in Sachsenheim vorangeht. „Von der Stadt werden wir vorsorglich auf zentralen Netzausbau des Zweckverbands Kreisbreitband Ludwigsburg verwiesen.“ Immerhin da soll sich jetzt etwas tun, allerdings bleibt die Frage, wie schnell: Matthias Friedrich Wirtschaftsförderer der Stadt betont auf BZ-Nachfrage: Ende Juli sollen im Gemeinderat die Perspektiven vorgestellt werden. „Eine Ausschreibung für eine sogenannte ‚Weiße-Flecken-Förderung‘ wurde über den Zweckverband von uns beauftragt. Demnach besteht die Hoffnung, dass dadurch in den kommenden Jahren ein geförderter Breitbandausbau realisiert wird.“ Das Fördervolumen würde dann 90 Prozent betragen.

Stefan Schmid ist das zu wenig: „Es ist höchste Eisenbahn. Es geht nur mit Glasfaser bis ins Haus. Und das kann dauern.“ 2030, wie zuletzt über die BZ angekündigt, sei „definitiv keine Option“. Auch Jens Schmidt betont: „2030 ist natürlich schlimm für uns. Jedes Mal, wenn das Internet ausfällt, stellt das den ganzen Betrieb lahm.“ Und auch Matthias Kurz geht alles zu langsam: „Wir sind im Hier und Jetzt und müssen unseren Betrieb aufrechterhalten. Das Internet wird zum Standortfaktor.“

 
 
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