Thilo Staudenrausch, Gemeinderat der ABö-Fraktion fragte in seiner Rede zur Haushaltsdebatte im Gemeinderat Bönnigheim, ob statt einer Rathaussanierung nicht ein Umzug ins leer stehende Schloss viele Kosten einspare und die Attraktivität steigere. Auf den ersten Blick sicher eine attraktive Alternative. Das Rathaus im Schloss – Beispiel wäre die Stadt Sachsenheim, die den Sitz ihrer Verwaltung in ihrem Wasserschloss hat.
Schloss Bönnigheim Das Rathaus kommt nicht ins Schloss
Aus dem Gemeinderat kam der Vorschlag, die notwendige Grundsanierung des Verwaltungsgebäudes durch eine Übersiedelung in das historische Gebäude zu ersetzen.
Immer noch im Originalzustand
Ein Wasserschloss ist das Stadionsche Schloss zwar nicht, ein Hingucker von außen und innen ist das ehemalige Wohnhaus der Charlotte von Roche jedoch allemal. „Ein solch verspieltes und beschwingtes Bauwerk im spätbarocken Stil in einem mittelalterlichen Stadtkern mitten in Württemberg zu finden, ist eine Seltenheit“, schreibt die Stadt Bönnigheim auf ihrer Homepage. Dank mehrerer Renovierungen ist das Stadionsche Schloss immer noch in seinem Originalzustand.
Jedoch unbrauchbar für einen modernen Verwaltungssitz, sagt Bönnigheims Bürgermeister Albrecht Dautel im Gespräch mit der BZ. „Ja, der Vorschlag kam in der letzten Gemeinderat auf und er wird immer wieder genannt, aber unsere Planung sieht nicht vor, das Schloss in ein Rathaus zu verwandeln.“ Es sei ein „netter Gedanke“, die Amtsgeschäfte im Schloss zu führen, aber das alte Gebäude sei „vollkommen ungeeignet, die Räume sind zu groß, zu hoch, völlig ungedämmt und schwer zu heizen“, so Dautel. Und ob eine Modernisierung wirklich billiger sei als die Grundsanierung des 1972 gebauten Rathauses, bezweifle er. „Wir planen weiterhin mit der Sanierung des Rathauses im Jahr 2028.“ Dabei würde ein Umzug ins Schloss, also eine Neubelegung des Gebäudes, eine seiner Sorgen nehmen.
Denn vor Kurzem ist der zweite potenzielle Investor für das Schloss abgesprungen. Der Gemeinderat hatte entschieden, das Gebäude einer Hotelnutzung zuzuführen und dafür einen Betreiber zu suchen. Zwei Ausschreibungsrunden gab es, nachdem der Brauer und Hotelier Wolfgang Scheidtweiler Ende 2024 von der Absicht, das Schloss zum Hotel umzubauen, zurückgetreten war. In der vergangenen Woche war nun ein zweiter potenzieller Investor, dessen Name nicht genannt werden soll, abgesprungen.
Neue Diskussion übers Schloss
„Nun muss der Gemeinderat wieder neu entscheiden, ob wir in eine weitere Ausschreibung gehen oder uns noch mal grundsätzlich zur Nutzung des Schlosses Gedanken machen“, sagt Dautel. Nur – dass das Rathaus ins Schloss kommt, sei „sehr, sehr unwahrscheinlich, aber wenn gewünscht, diskutieren wir auch das“.
Das Rathaus jedenfalls muss umfassend saniert werden, derzeit werden vom Bietigheimer Architekturbüro KMB Pläne erarbeitet, die dann dem Gemeinderat vorgestellt werden. Das Gebäude hat undichte Fenster, eine veraltete Heizung und andere grundlegende Mängel. Das Gebäude liegt aber im Ortskernsanierungsgebiet, sodass Dautel hofft, dass einige Arbeiten gefördert werden. Derzeit werden auch die potenziellen Kosten für die Sanierung berechnet und mögliche Förderungen eruiert. Das Bönnigheimer Rathaus steht nicht – wie beispielsweise das Bissinger – unter Denkmalschutz.
Die Vorplanung für die Sanierung, so Dautel, werde wohl noch zwei Monate in Anspruch nehmen, dann geht sie in den Gemeinderat zur Diskussion und dem Beschluss. Die Diskussion um das Schloss und seine zukünftige Nutzung, so Dautel, wird wohl früher stattfinden.
Nutzung des Schlosses Bönnigheim
1769 zog Hofrat Georg Michael Frank La Roche mit seiner Frau Sophie ins Stadionsche Schloss, das so heißt, weil Großhofmeister Johann Philipp von Stadion es erbauen ließ. Sophie La Roche schrieb dort ihr Lebenswerk „Das Fräulein von Sternheim“, das sie berühmt machte und viele bekannte Künstler der Zeit in den kleinen Ort zog. Der Eigentümer der umliegenden Besitztümer, Herzog Karl Eugen von Württemberg, kaufte 1770 h Bönnigheim. Prinz Ludwig Eugen übersiedelte mit Familie nach Bönnigheim, bis er Herzog in Stuttgart wurde.
Nach Ludwig Eugens Auszug stand das Schloss bis 1801 leer. Dann lebte 20 Jahre Prinzessin Albertine von Württemberg hier. Ab 1828 bis zum Ende der 1880er-Jahre war es Königlich-Württembergisches Oberforstamt. Von 1889 bis 1966 war die Königlich-Württembergische Taubstummenanstalt im Schloss untergebracht. 1967 kaufte Professor Dr. Walter Leibbrecht das Schloss für sein „Schiller-College“. 1973 wurde es an das Christliche Jugenddorfwerk vermietet, das 1993 den Betrieb aufgab. Die Stadt Bönnigheim kaufte ihr Schloss.
Von 1996 bis 2020 beherbergte es die Werke der Sammlung Charlotte Zander. Im Waschhaus und Forstgefängnis ist das Museum Sophie La Roche und die Bönnigheimer Vinothek untergebracht. Das Schloss wird mittlerweile nur noch selten für Veranstaltungen genutzt.
