Es ist bestimmt eines der schönsten Rathäuser im Landkreis – das Wasserschloss in Sachsenheim. Es gibt freilich viele herrliche Rathäuser, die in mittelalterlichem Fachwerk gebaut worden waren, aber ein echtes Schloss macht doch schon etwas mehr her.
Schloss Sachsenheim Ein Gebäude mit wechselvoller Geschichte und einem Geist
Das Wasserschloss in Großsachsenheim wurde erstmals um das Jahr 1200 urkundlich erwähnt. Nicht ganz so alt ist jedoch die Sage vom „Klopferle“.
Wann genau das wuchtige und doch filigran erscheinende Gebäude erbaut wurde, kann nicht mit gänzlicher Sicherheit gesagt werden, jedoch steht anhand alter Unterlagen fest, dass bereits um das Jahr 1200 eine befestigte Burg existiert haben soll. Sicher ist jedoch, dass die Herren und Ritter von Sachsenheim ihren Hauptwohnsitz Ende des 13. Jahrhunderts hierher verlegt hatten.
Heutiges Schloss 1544 erbaut
Seine heutige Gestalt im Renaissance-Stil erhielt das „Schlössle“ nach einem verheerenden Brand im Jahr 1544, als es neu aufgebaut werden musste. Doch schon 1561 stirbt das Geschlecht derer von Sachsenheim aus. Das Schloss fällt an das Haus Württemberg und seine Herzöge, ab dem 19. Jahrhundert wechseln dann immer wieder verschiedene Privatbesitzer – so geht es etwa an die Familien von Misani, von Roeder, von Koenig-Fachsenfeld und Schönleber. Ende 1951 erwirbt die Stadt Großsachsenheim das Schloss, es wird zum Rathaus umgebaut.
Nach fast umfassender fünfjähriger Generalsanierung ist das Kleinod seit 2020 wieder als Rathaus und Verwaltungssitz zugänglich. Zuvor hatte es unterschiedliche Nutzungen, so war es in der NS-Zeit ab 1938 im Besitz des Deutschen Reichsbunds für Leibesübungen. Der Kriegsausbruch 1939 verhindert jedoch den Umbau und Nutzung für sportliche Zwecke, kurz vor Kriegsende richten sich dann französische und amerikanische Militärs ein, bevor es zwischen 1946 und 1950 als Genesungsheim für sogenannte „displaced persons“ zur Verfügung steht. Anfang der 1950er-Jahre dient es dann kurzfristig als Müttererholungsheim des evangelischen Hilfswerks, bevor es 1951 an den Landessportbund zurückgegeben wird. Bereits im Besitz der damaligen Gemeinde Großsachsenheim erfährt es zwischen 1958 bis 1962 umfangreiche Umbaumaßnahmen.
„Schlossherr“ Holger Albrich, ist zu Recht stolz auf das „Schlössle“: „Unser Wasserschloss ist einzigartig und das Wahrzeichen Sachsenheims. Ich erinnere mich daran, wie es mich schon als kleines Kind beeindruckt hatte bei Spaziergängen mit meinen Eltern, auf dem Weg zu meinem Schlosskindergarten und bei meinen Besuchen im Schlossfreibad direkt nebenan.“
Das Wasserschloss sei seit seiner sehr gelungenen Sanierung von 2016 bis 2020 ein hochfunktionaler Verwaltungssitz auf dem neuesten Stand der Technik, in einem einzigartigen historischen Ensemble.
Film gedreht im leeren Wasserschloss
Albrich weiter: „Mein erstes Amtsjahr als Bürgermeister verbrachte ich noch im gegenüberliegenden Neubau. Ich hatte von dort einen täglichen Blick auf den Fortschritt bei der Sanierung des Wasserschlosses. Meine Kollegen und ich konnten es kaum erwarten, ins Wasserschloss einzuziehen. Leider konnten wir den Umzug im September 2020 wegen Corona nicht öffentlich feiern. Geplant war eine Beteiligung am Tag des Denkmals.“
Stattdessen habe man einen Film drehen lassen im noch leeren, frisch sanierten Wasserschloss. Dabei seien, neben eindrucksvollen Bildern, seine Amtsvorgänger Andreas Stein, Horst Fiedler und der für die Sanierung zuständige Architekt Egon Bermayer, und er selbst zu Wort gekommen.
„Das Wasserschloss ist für die Kolleginnen und Kollegen ein sehr attraktiver Arbeitsort, mit dem wir gut punkten können“, sagt der Rathauschef. Er finde es auch besonders schön, dass der Innenhof frei zugänglich sei und die Menschen den Weg hindurch sehr gerne nutzten. Hier habe er täglich nette Gespräche mit den Bürgern.
Außerdem fänden dort auch regelmäßig klassische Konzerte statt. Bei öffentlichen Veranstaltungen gebe es Stände im Innenhof. „Ich könnte mir sehr gut eine erweiterte Nutzung des Innenhofs für öffentliche Veranstaltungen vorstellen“, so Albrich.
Die Sage vom „Klopferle“
Wer über das Schloss schreibt, der muss freilich auch auf die Sage vom „Klopferle“, der auch „Entenwick“ genannt wird, eingehen. In der Sage heißt es, dass im 16. Jahrhundert im Schloss der Herren von Sachsenheim ein unsichtbarer Geist mit einer Vogelstimme auftauchte. Allerdings sei das „Klopferle“ nie gesehen worden. Das wiederum aber wurmte den Burgherrn gewaltig, und er verlangte vom „Klopferle“/„Entenwick“, dass er sich ihm doch endlich zeigen solle. Der Geist jedoch warnte den Burgherrn, dass sein Aussehen so grauenvoll sei, das der Herr es nicht ertragen würde. Doch auf weiteres Betteln machte das „Klopferle“ seinen Arm sichtbar. Es war eine grässliche gezackte Klaue mit Dornen und Stacheln. Dieser Anblick erschreckte den Burgherren so, das er seinen Freunden davon erzählte. Diese drängten ihn dazu, den Geist zu vertreiben. Dieser nahm Rache, denn kurze Zeit später sei das Schloss abgebrannt und habe die Familie des Burgherren in den Tod gerissen.
