Schlossfestspiele Ludwigsburg Ausdrucksstarker Konzertabend

Von Helga Spannhake
Zu Gast in der Stadtkirche war die Gaechinger Cantorey mit ihrem Dirigenten Hans-Christoph Rademann. Foto: Andreas Essig

Die Schlossfestspiele gaben ein Jubiläumskonzert zum 300-jährigen Bestehen der Ludwigsburger Stadtkirche.

Ein Jubiläumskonzert zum 300-jährigen Bestehen der Ludwigsburger Stadtkirche stand am Wochenende auf dem Programm der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Zu Gast war die Gaechinger Cantorey mit ihrem Dirigenten Hans-Christoph Rademann und sorgte für Begeisterungsstürme beim Publikum.

Nur wenige Einzelplätze blieben im Innenraum der Saalkirche frei, die zusätzlich zum Konzert dem diesjährigen Gewinner des Kunstpreises Wechselspiel der Evangelischen Landeskirche in Württemberg viel Platz widmete. Daniel Rodes Installation mit dem Titel „Halte mich“, ein vier Meter hohes und gut sieben Meter breites Gerüst mit einem großen weißen Text-Banner, dominierte den Raum.

Daher war die Sitzplatzanordnung für das Konzert entsprechend angepasst, um jedem im Publikum trotzdem eine optimale Sicht zu ermöglichen. Vor dem Altar war die Bühne für die Sängerinnen und Sänger sowie Musikerinnen und Musiker der Gaechinger Cantorey, dem Ensemble der Internationalen Bachakademie, aufgebaut und bereits beim längeren Einstimmen war ein „das klingt einfach toll“ aus den Publikumsreihen zu hören. Dieses bezog sich sicher sowohl auf das international profilierte Ensemble für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts als auch auf die besondere Akustik des Kirchenraums. In erwartungsvoller Spannung verstummten alle Stimmen und die vier Solisten und Solistinnen traten mit Dirigent Hans-Christoph Rademann zum Ensemble – nahtlos der kraftvolle musikalische Beginn. Als erstes Werk des Abends erklang die „Miserere“ in c-Moll von Johann Adolf Hasse, einem der bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit.

Seitlich schlechtere Akustik

Neben all seinen Opern ist das kirchenmusikalische Schaffen Johann Adolf Hasses heutzutage weniger bekannt. Das „Miserere“ ist der 50. Psalm nach der Zählung der Vulgata und gehört zu den sieben großen Bußpsalmen der Bibel. Arien, solistische Ensemblesätze und Chor wechseln sich in der, Trost und Erbarmen spendenden, Psalmvertonung ab und die Gaechinger Cantorey brillierte unter ihrem Dirigenten Hans-Christoph Rademann – ein akzentuierter warmer Chorklang im präzisen Zusammenspiel mit seinem fein nuanciert spielenden Barockorchester.

Als erster der Solisten erhob sich Jonas Müller. Der Nachwuchssänger ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und sein, trotz seiner Jugend als reifer und kontrastreicher Bariton erfüllte die Stadtkirche. Allerdings auf den linken seitlichen vorderen Plätzen war ein Verlust an Tragfähigkeit zu hören – zu einseitig entfaltete sich der Klang im Innenraum, was eventuell auch der großformatigen Kunstinstallation geschuldet war. Positioniert waren die Solisten vor dem Orchester, das sich wiederum in der Mitte zwischen dem links- und rechtsseitig verteilten Chor befand. Und gerade bei ihren kraftvollen Einsätzen kam es außerdem aufgrund der längeren Nachhallzeit von Kirchenräumen zu leichten Verschiebungen im Klang.

Bedeutendes Requiem

Diese leichten, klanglichen Raumakustik-Probleme waren beim zweiten Werk aufgrund seines getragenen Charakters dagegen kaum präsent: Eher schlichte, aber nicht weniger wirkungsvolle teils polyfone Chorsätze mit Solo/Tutti Wechseln sowie zahlreiche Vorhaltsdissonanzen prägen die bekannteste Totenmesse vor Mozarts unvollendetem Requiem. Geschrieben wurde die „Missa pro defunctis“ 1756 von Niccolò Jommelli während seiner Zeit als Kapellmeister am Hofe des württembergischen Herzogs Carl Eugen. Anlass war der Tod der Herzoginmutter Maria Augusta. Getragen, emotional ergreifend war der Einsatz der Stimmen.

Da die, für das Konzert angekündigte Sopranistin Miriam Feuersinger leider indisponiert war, war Marie Luise Werneburg für sie eingesprungen. Gemeinsam mit der Altistin Elvira Bill präsentierte sie ein äußerst gefühlvolles Legato und es war wunderbar zu hören, wie beide Stimmen klanglich perfekt harmonierten. Diese stimmliche Verschmelzung gelang auch Tenor Benedikt Kristjánsson und Jonas Müller. Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum. Helga Spannhake

 
 
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