Schlossfestspiele Ludwigsburg Oper voll anmutiger Bewegungen

Von Helga Spannhake
Die getanzte Oper „Dido and Aeneas“ wurde in Ludwigsburg aufgeführt. ⇥ Foto: Bernd Uhlig

Tanz und Ritual bilden dieses Jahr einen Schwerpunkt bei den Schlossfestspielen Ludwigsburg. Bei „Dido and Aeneas“ entführte daher  Choreografin Sasha Waltz das Publikum in eine eindringlich getanzte Opernwelt.

Der Vorhang verschwand und gab den Blick frei auf ein übergroßes Wasserbassin. Zeitgleich mit dem Erklingen der ersten Note, glitt ein erster Körper elegant ins kühle Nass, weitere folgten ihm und begannen gemeinsam einen ausdrucksvollen Aquatanz.

Anmutig flossen Wasser und Tanzende ineinander, kongenial begleitet von der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Christopher Moulds und den Sängerinnen und Sängern des Vocalconsorts Berlin. Henry Purcells, Ende des 17. Jahrhundert erstmals aufgeführte, Oper „Dido and Aeneas“ gilt als eines der wichtigsten musikdramatischen Werke des Barocks und schildert die unglückliche Liebe zwischen der Königin Karthagos und dem trojanischen Kriegshelden.

Für Sasha Waltz ein aktuelles Thema: „Wir als Menschheit bewegen uns leider immer noch in Kriegen und in Flucht. Wir müssen mit diesen Themen umgehen. Und jetzt hat es nochmal so eine brennende Aktualität, die schmerzhaft ist.“ Entstanden ist diese choreografierte Oper bereits 2005 und Sasha Waltz schuf damit ein neues Genre. Das Stück erlebte bei den Schlossfestspielen am Freitag bereits seine 94. Aufführung und erfreut sich großer Beliebtheit, wie auch der nicht enden wollende Applaus des  Publikums im Forum verdeutlichte. 

Verschmelzende Körperwelten

Spartenübergreifend zu arbeiten, charakterisiert die erfolgreiche und mehrfach ausgezeichnete Choreografin. Der erste Teil ihrer Trilogie „Körper“ markierte vor über 20 Jahren einen Neubeginn und einige damalige Elemente lassen sich noch heute wiedererkennen: sich umeinander windende Leiber, Intimität und Befremdlichkeit.

Neu hinzu kam aber das Narrativ des Operngeschehens. Die Erzählung der tragischen Liebesgeschichte wird allerdings nicht hauptsächlich durch den Solo-Gesang getragen, wie man es bei Opern eigentlich erwartet. Sasha Waltz übertrug dem klangvollen Chor und ihrem  Ensemble die Handlung. Auch das schlicht gehaltene Bühnenbild fokussierte den Blick auf die sich anmutig bewegenden Körper. Es erwuchs eine spielerische Symbiose, da auch die Hauptfiguren als Zwillinge auftraten, verkörpert jeweils von Tänzer oder Tänzerin und Sänger oder Sängerin zugleich.

Aktivität ist Sasha Waltz wichtig und so belebte nicht nur das Tanzensemble barfuß die Inszenierung. Das Vocalconsort Berlin, das im Prolog noch an der Seite stehend sang, war ebenso im Bühnengeschehen verwoben und zeigte sich des Tänzerischen genauso mächtig wie dem Stimmlichen. 

Pompöses Intermezzo

Plötzlich verstummte die Musik und ein Zwischenspiel voll barockem Pomp begann: Spitzenkragen, Federhut und Gesäß-Schößchen konnte das Publikum in diesem Mode-Rollenspiel bewundern, ebenso wie eine moderne Sonnenbrille und einen aufblasbaren Bade-Delphin. Einer Dame wurde mittels Peitschenhieben die angemessene Haltung gelehrt und so schlagartig wie das bizarre Treiben begann, endete es und die Opernhandlung setzte sich fort bis zum Selbstmord von Dido.

Die kurze völlige Stille nach Verklingen der letzten Note zeigte, wie tief ergriffen das Publikum war von diesem empathischen Gesamtkunstwerk aus Musik, Gesang, Tanz, Raum, Licht und Bühne.

 
 
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