Aufgrund der Hitze wurden bereits am Eingang orangefarbene Fächer verteilt – und sie waren im sehr warmen Ordenssaal durchaus nützlich. Einzelne Plätze waren noch frei, als die LGT Young Soloists mit ihrem Gründer und musikalischen Leiter Alexander Gilman die Bühne betraten. Das Konzert bildete den Abschluss des einwöchigen Besuchs des preisgekrönten Streicherensembles. 2013 gründete der Violinist Alexander Gilman das Jugendorchester, zu dem herausragende Talente aus über 18 Nationen gehören und das seinen Sitz in der Schweiz hat. Entsprechend groß war die Erwartungshaltung des Publikums.
Schlossfestspiele Ludwigsburg Pure Spielfreude von exzellenten Solisten
Nach ihrem Education-Programm mit dem Goethe-Gymnasium beeindruckten die LGT Young Soloists auch in ihrem eigenen Konzert.
Anders als im Programmheft angegeben, begannen sie ihr Konzert mit Antonio Vivaldis berühmten „Die vier Jahreszeiten“: „Jede Jahreszeit wird von einem anderen Solisten vorgestellt und schon allein das wird jede Jahreszeit in eine andere Richtung rücken“, so Alexander Gilman. Und so stellte sich zuerst Piju Cešesaitis aus Litauen mit seiner Violine in die Mitte. Sanft war sein Beginn und brillant differenziert ausgearbeitet sein Spiel.
Der erzählende Vivaldi
Für die zweite Jahreszeit, den Sommer, kam die junge Geigerin Kiana Chan aus Hongkong in die Bühnenmitte: Zurückhaltend im Gestus beeindruckte sie nachhaltig mit solch hochvirtuos perlenden Läufen, bei denen ihr Bogenstrich fast schneller schien als ihre Geige zu antworten vermochte. Das tosende Sommergewitter wirkte greifbar. Die LGT Young Soloists ließen Vivaldis Programmmusik durch eine lebendige Erzählweise und pures Musikerleben ihren vollen lyrischen Charakter entfalten. Mit dem Herbst trat Nigedemu Zeng aus China hervor. Mit zum Teil geschlossenen Augen war er komplett versunken, ließ ebenfalls Vivaldis Musik erstrahlen, ohne Schnörkel und mit viel Hingabe.
Besonders vorwärtstreibend war die südkoreanisch-amerikanische Violinistin Haeun Honney Kim, die Solistin des Winters: Sie bestach durch eine starke Präsenz, löste sich temporeich aus dem Tutti und war doch stets im perfekten musikalischen Austausch mit den Streichern. Für diese meisterhafte Interpretation erhielten die LGT Young Soloists bereits erste Standing Ovations.
Wer im Publikum dachte, besser kann es nicht mehr werden, wurde eines Besseren belehrt. Gespielt wurde das Konzert Nr. 2 für Violoncello und Streichorchester mit dem Titel „Klatbutne“ des lettischen Komponisten Peteris Vasks. Übersetzt bedeutet es Präsenz, und zwar im wörtlichen Sinn – ich bin da. Es sei das menschliche Leben von der Geburt bis zum Tod in Musik gefasst, so beschrieb es Alexander Gilmann. Cellistin Tara Stranegger aus Österreich schlug zunächst leise rhythmisch mit ihrem Bogen, zupfe anschließend die Saite mit der Hand und ging äußerst gefühlvoll über zu einem getragenen Bogenstrich.
Lange Standing Ovations
So zart und ruhig der Anfang des Lebens dargestellt wurde, so kontrastreich wild wurde der zweite Satz, der das junge Leben darstellte. Getragen war der dritte Satz, wo sich der älter gewordene Mensch zurücklehnt, bevor im vierten Satz das unausweichliche Ende bevorsteht. Sehr virtuos und tief emotional in ihrem Spiel brillierte Tara Stranegger bis hin zu ihrer kurzen Gesangseinlage. Nicht enden wollende Standing Ovations belohnten die LGT Young Soloists.
