Wären Sie nächste Woche gekommen, dann wäre das Gerüst am Bau II des Schulzentrums weg“, sagt Peter Knoll, Leiter des Fachbereichs Bauen und Planen der Stadt Bönnigheim im Gespräch mit der BZ. Gemeinsam mit den Bauleitern Katja Detering und Sebastian Zumkehr sowie Projektplanerin Irene Bidlingmaier - alle drei von Herrmann + Bosch Architekten in Stuttgart – führt Knoll die BZ durch den Innenbereich der Baustelle. „Bisher war das nicht möglich, aber nun können wir den Rohbau innen zeigen“, so Knoll. Dennoch, an eine Fertigstellung bis zu Schulbeginn, wie noch vor einem Jahr vorgesehen, ist nicht zu denken. „Es wird April“, sagt Detering.
Schulzentrum Bönnigheim Jetzt geht’s an den Innenausbau
Bau II des Schulzentrums Bönnigheim ist von außen fertig, das Gerüst wird kommende Woche abgebaut. Dennoch wird der Bau nicht bis nach den Sommerferien fertig sondern eher im April.
Bevor es in das Gebäude geht, ist es Projektleiterin Bidlingmaier wichtig, auf die Besonderheiten der Fassade hinzuweisen. „Wir konnten das Gebäude nicht auf einmal entkernen, weil es noch in Benutzung war, also wurde nach und nach zurückgebaut“, sagt sie. Die notwendigen statischen Ertüchtigungsmaßnahmen an dem Gebäude aus den 1970er-Jahren seien dann erst sichtbar geworden. Es sei von Anfang an im Einklang mit den Wünschen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats gewesen, dass Teile erhalten werden, Neues an Altes gefügt werde oder beispielsweise die alten Fenster wiederverwertet werden. „Und das sieht man überall“, sagt Bauleiterin Katja Detering und weist am Haupteingang auf die Stellen hin, wo man noch das alte Betonmauerwerk sieht, an das sich in den oberen Stockwerken ein Holzrahmenbau anschließt. Der größte Teil der Fassade ist mit Weißtannenholz verkleidet. Auch der optische Unterschied zwischen alten und neuen Fenstern ist gewollt. Die alten aus der ehemaligen Bücherei sind dunkelbraun, die neuen in einem viel helleren Ton.
Viele statische Elemente hätten angepasst werden müssen, so wurden Stahlelemente als Basis für die Holzbauweise des Neubaus des zweiten Stocks genommen. Ein Problem sei auch die terrassenförmige Anordnung des alten Baus gewesen, den man hätte ausgleichen müssen. Die Stockwerke waren nach Osten und Norden im Versatz gebaut, so Sebastian Zumkehr, diese mussten zurückgestuft werden und mit dem neuen Anbau angeglichen werden. So wurden das Erdgeschoss und das erste Geschoss erweitert und darauf ein zweites Geschoss gesetzt.
„Wir wollten soviel wie möglich in Holz arbeiten, innen wie außen“, sagt Detering. Selbst der Aufzugschacht ist aus Holz (die BZ berichtete). Die Stahl-Beton-Skelett-Konstruktion des Gebäudes wurde in Holz gekleidet. Jetzt ist die Gebäudehülle von außen fertig, auch die Arbeiten auf dem Dach sind abgeschlossen, die Photovoltaikanlage montiert genauso wie die Lüftungsanlage, Verkleidung und Dämmung sind fertig, auch eine Außentreppe aufs Dach ist installiert. Nur noch das Dachgeländer muss angebracht werden.
„Jetzt geht es an die Innenarbeiten“, sagt Knoll. Im Erdgeschoss soll in einem großen offenen Raum die Mensa untergebracht werden. Die Holzfassade ist aus Weißtanne, genau dieser Werkstoff findet sich im Innern des Schulgebäudes. Dennoch hat jeder Stock seinen eigenen Charakter. Derzeit werden die Fußbodenheizung für die Mensa und die Klassenräume, die Lüftung für die Bibliothek sowie die Elektrik eingebaut – trotz Bauferien sind einige Handwerker bei der Arbeit.
Drei Aufzüge für jede Nutzung in dem Gebäude
In der Mensa wird es viele „Weißräume“ geben, wie Detering sagt, um Helligkeit zu erzeugen. „Es war komplex, das Innere zu planen, weil vieles in allen Stockwerken aufgenommen werden sollte, aber jedes Stockwerk sollte seine charakteristischen Eigenheiten haben“, sagt Bidlingmaier. Weil eben jedes Stockwerk eine eigenständige Nutzung hat: Die Mensa im Untergeschoss soll für die Schüler schnell erreichbar sein, deswegen hat sie einen eigenen Eingang. Auch ein Aufzug ins Untergeschoss wird eingebaut, um Essensvorräte und anderes zu transportieren sowie in die Technikräume zu kommen.
Ins erste Stockwerk kommt man durch einen weiteren Eingang über eine Treppe in die künftige Stadtbibliothek oder mit dem Aufzug, den jeder Nutzer benutzen darf. Derzeit schreibt Bidlingmaier die Möblierung der Bibliothek aus. Einen weiteren Aufzug gibt es vom Haupteingang in die Klassenzimmer, für den die Lehrer Schlüssel haben werden. „Er soll nur benutzt werden für behinderte oder kurzfristig eingeschränkte Schüler und Schülerinnen“, sagt Knoll. Das sei der Vorschrift der Barrierefreiheit, wie für die Stadtbibliothek auch, geschuldet. „Es war eine planerische Herausforderung, diese Barrierefreiheit zu gewährleisten, gemeinsam mit dem Bauamt haben wir uns dann für die Drei-Aufzug-Lösung entschieden, eben weil das Gebäude drei unabhängige Nutzungen hat“, sagt Bidlingmaier.
Im aufgesetzten neuen, zweiten Stockwerk werden sechs Klassenzimmer, ein Differenzierungsraum und ein Lehrerzimmer eingebaut. Zudem gibt es eine große freie Fläche in der Mitte, auch diese soll wie der Differenzierungsraum als Gruppenarbeitsfläche genutzt werden, erklärt Knoll. „Heutzutage benötigt man viel mehr Fläche, weil die Klasse sehr oft in Gruppen aufgeteilt wird, die brauchen eben auch Platz“, sagt er.
Während in den unteren beiden Stockwerken die Decken mit Weißtannenplatten ausgekleidet werden, ist im Obergeschoss das Holztragwerk mit den dicken Balken zu sehen. „Wir fanden dies so eindrucksvoll, dass dazwischen Holzwolleleichtbauplatten gesetzt werden, um die Balken sichtbar zu lassen“, so Bidlingmaier. Der Boden in Mensa und Bibliothek wird mit Parkett besetzt, in den Klassenzimmern wird Linoleum ausgelegt. Auch die Trockenbauer sind derzeit dran, die Trennwände für die Klassenzimmer aufzubauen. Und das, obwohl es um einen Nachtrag ihrer Kosten Ärger im Bönnigheimer Gemeinderat gegeben hatte (die BZ berichtete). 178.000 Euro forderte die Trockenbaufirma zuzüglich, das verweigerte der Gemeinderat. Nun, so sagt Knoll, hat die Firma ihre Arbeiten und Ausgaben genau belegt und nach der Sommerpause soll der Gemeinderat neu entscheiden.
Es wird keine Klimaanlage geben
Eine Klimaanlage wird es nicht geben, nur die drei Belüftungstürme in der Bibliothek. „Wir planen seit 2020, würden wir nach dieser Hitzewelle planen, wäre es vielleicht etwas anderes“, sagt Peter Knoll. Dennoch Detering ist der Meinung, dass die Beschattung, die an allen Fenstern vorhanden ist, das Gebäude vor der direkten Sonneneinstrahlung und somit auch vor Hitze schützt. „Die Technik wird in so einem Gebäude sowieso immer mehr und immer teurer, es ist besser, eine Beschattung durch qualitativ hochwertige Rollladen hinzubekommen“, sagt sie. Das Gebäude sei aber sehr energie- und wärmeeffizient, „die Kälte wird außen gehalten“.
