„Anfang des Jahres war unser Bauchgefühl noch: ‚Wir verlieren alles.’ Jetzt aber hat sich uns eine Lösung geboten, aus der wir etwas machen können“, sagt Ilse Riedl aus dem Vorstand des Vereins Schwaben-Bühne aus Asperg im Gespräch mit der BZ.
Schwaben-Bühne Asperg Künftig wird in Bissingen und Oberriexingen gespielt
Nach dem Aus der eigenen Spielstätte der Schwaben-Bühne, haben sich dem Verein nun neue Möglichkeiten geboten.
Zur Erinnerung: Im November vergangenen Jahres wurde dem Verein der Mietvertrag für sein Theater gekündigt. Das Gebäude in der Königstraße 22 muss einem Neubau weichen. Ein Investor möchte dort 30 Wohnungen entstehen lassen. Die Stadt Asperg hatte zwar geprüft, das Gebäude vom Vorbesitzer zu kaufen, klamme Kassen ließen das allerdings nicht zu. Der Verein stand vor dem nichts (die BZ berichtete).
Weitermachen statt aufgeben
Statt jedoch die Köpfe hängen zu lassen, haben sich die Vorstandsmitglieder auf die Suche nach neuen Spielstätten begeben. „Wir haben uns ganz viele Orte im ganzen Kreis angeschaut“, sagt Riedl. „Wir waren schon kurz in Schockstarre verfallen, aber dann ging’s auch gleich weiter“, ergänzt ihre Vorstandskollegin Brigitte Bregler. Es habe nettere und schlechtere Begegnungen gegeben, es wurden ihnen bessere und weniger gute Angebote gemacht. „Zum Teil waren die Räume auch einfach unverschämt teuer“, so Bregler. Letztendlich durfte sich der Verein allerdings „die Rosinen herauspicken“, wie die beiden Frauen freudig berichten. Es wurde eine Lösung gefunden, die allen richtig gut gefällt und die den Verein weitermachen lässt.
Es konnten nämlich zwei feste Spielstätten aufgetan werden: einerseits in der Festhalle in Oberriexingen und andererseits im Alten Kino in Bissingen. „Das Tolle ist, dass wir an diesen beiden Spielstätten wirklich willkommen sind“, sagen die Vorstandsmitglieder. Der Oberriexinger Bürgermeister Ron Keller einerseits und die Betreiber des Alten Kinos, Tufan Çenberoglu und dessen Frau Kristina sowie Boris Kolman, andererseits. „Man will uns unbedingt dort haben, das ist ein schönes Gefühl“, so Riedl. Ideal sei auch, dass an beiden Spielstätten zusammenhängende Wochenenden geblockt werden könnten, sodass die Requisiten am Spielort verbleiben können. „Sonst wäre der Auf- und Abbau für nur einen Tag immer sehr viel Aufwand gewesen“, sagen die Frauen. Im Mai ist das Treffen mit allen Vereinen, die die Festhalle Oberriexingen nutzen möchten, dann werden die Termine für das nächste Jahr vereinbart. Für dieses Jahr stehen bereits einige Spieltage fest. Geplant sei, die Mundart-Stücke in Oberriexingen zu spielen und die Boulevard-Stücke sowie Musicals in Bissingen.
Und doch: „Wir bleiben ein Asperger Verein“, sagt Bregler. Denn die Schwaben-Bühne hat ihre Geschäftsstelle weiterhin in ihrer Heimatstadt Asperg. Der Verein kann, wie viele andere Vereine auch, Räume im Haus der Vereine, der früheren Schillerschule, nutzen. Auch gibt es dort ein Kellerabteil für Requisiten sowie ein nahe liegendes Depot, das für weiteren Stauraum sorgt. „Wir bekommen viel Zuspruch von der Stadt und Bürgermeister Eiberger“, so Bregler und Riedl. Der Verein hat kürzlich einen Fundus-Verkauf veranstaltet und einiges an Requisiten verkaufen können. Was übrig war, holte ein Entrümpler ab, der die Dinge weiterverkauft. „Es war uns wichtig, dass die Sachen nicht einfach mit abgerissen werden, sondern dass sie weiterleben“, so Bregler. Ein Teil des Inventars bekommt sogar an den beiden neuen Spielstätten ein zweites Leben: Teile der Tische und Stühle wurden nach Oberriexingen gebracht und der alte Theatervorhang wechselte ins Alte Kino. „Das hatte tatsächlich nichts damit zu tun, dass wir künftig dort spielen werden. Es war purer Zufall“, so Riedl. Schön sei das aber auf jeden Fall, einen Teil des alten Zubehörs in den neuen Spielstätten zu wissen.
Wieder mehr Zeit auf der Bühne
Leseproben und Szenenproben werden künftig im Hauptquartier in Asperg abgehalten, für Bühnenproben soll das Haus der Begegnung in Markgröningen genutzt werden. „Wir haben dort ein faires Angebot bekommen“, berichtet der Vorstand. „Wir schauen jetzt nach vorne. Der Verein, das sind schließlich die Menschen“, sagt Riedl. „Und die Mitglieder heißt es nun beisammen zu halten“, ergänzt Bregler. Da der wirtschaftliche Druck durch das eigene Theater nun wegfalle, könne man sich mehr auf das konzentrieren, um was es geht: die Menschen und natürlich die Schauspielerei. Heidi Falk
