Schwerpunkt Besondere Wege Der „Sendach“ am Totenweg

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Der Totenweg führte, vorbei am Gerichtsplatz „Sendach“ unterhalb der „Linden“, von Groß- nach Kleiningersheim. Links der Galgenweg am Forst. ⇥ Foto: Zeichnung aus der Ingersheimer Ortschronik

Über die Kirchgasse und das Pflaster ging eine Wegstrecke in einem unregelmäßigen Verlauf durch die Weinberge.

Sucht man in Ingersheim nach ungewöhnlichen Plätzen und Wegen, ist ein Blick in die Ortschronik von 1979 hilfreich. Dort ist in dem Kapitel „Zur frühen Geschichte von Groß- und Kleiningersheim“ von Dr. Willi Müller von einem Gerichtsplatz der Ingersheimer Grafschaft die Rede, der den Namen „Sendach“ trug.

Dieser ehemalige Versammlungsort lag an einem sogenannten „Totenweg“, die es auch in anderen Gemeinden gab. Irgendwo verlief dieser Weg von Großingersheim über die heutige Kirchgasse, Pflaster und Brühl  vorbei an uralten Obstbäumen und weiter in einem unregelmäßigen Verlauf durch die Weinberge.  Auf diesem Weg trugen die  Kleiningersheimer bis anno 1606 ihre Toten nach Großingersheim, ist nachzulesen. Die Toten, so geht die Sage, besuchen sich in stürmischen Nächten und fliegen durch die Luft von einem Gottesacker zum anderen. Sie kümmert weder Baum noch Strauch, weder Haus noch Mauer, noch Zaun und Hecke.  Nicht hoch über der Erde, deshalb leiden sie auch keinen, nur wenige Ellen hohen Gegenstand auf ihrem Weg.

Realistischer ist da schon die Beschreibung von einem Gotteslästerer, der in Kleiningersheim 1606  vom „Halsgericht“ zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Er hatte törichte Äußerungen über eine göttliche Weltregierung getan, was nicht in die strengen Rechtsanschauungen der Zeit passte. Hinrichtungen von Ingersheimern sind auch aus den Jahren 1546 und 1756 bekannt.

Adlige, Ritter, Knechte, Rösser

Im „Sendach“  kam bereits um das Jahr 1100 das Gericht zusammen, neben Graf Adalbert von Calw gab es auch Abgesandte aus Hochdorf, Steinheim, Hessigheim,  Murr und Bietigheim. Auf dem Platz, der laut einem Plan in der Ortschronik am Totenweg liegt, lagerten neben den hohen Herren im weiten Rund zusätzlich viele Ritter, Knechte und Rösser.

Wohl auch, weil es an diesem Platz eine Quelle gibt, deren Wasser bis heute über den Siegentalgraben in den Neckar abfließt. Diese Quelle mit Brunnen spielte eine besondere Rolle. Sie war aus Gründen der Zweckmäßigkeit nötig, Quellen hatten bei Gerichtsplätzen auch eine mythische Bedeutung. So kann angenommen weden, dass der „Sendachbrunnen“ für die Menschen  damals mehr war, als nur ein gewöhnlicher Feldbrunnen.

Als weiteren Beweis für den Platz nennt Autor Müller das  Flurstück „Linden“, das an den „Sendach“ anschließt. Linden sind es dann auch, in deren Schutz und Schatten man zu Rate und Gericht saß. Linden, so Müller, mögen es auch gewesen sein, unter denen Graf Adalbert und seine Edlen im „Sendach“ beim Ingerheim Gerichtstag hielten.

 
 
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