Schwerpunkt Der Retter ist da Rettungswache liegt strategisch gut

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Von links Lars Kastner, Henning Umbach, Walter Konstantin und Michael Umbach.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Besigheimer ASB-Rettungssanitäter in der Bietigheimer Straße sind seit 1979 fest im Ort verwurzelt und von der Bevölkerung anerkannt.

Ältere Besigheimer rufen manchmal noch direkt bei der Rettungswache des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) an, wenn sie Hilfe brauchen und ignorieren den Notruf. „Dann klären wir mit der Integrierten Leitstelle in Ludwigsburg ab, ob es okay ist, dass wir hinfahren, meistens geht das“, sagt der Leiter der Rettungswache, Henning Umbach. Sein Bruder Michael war 25 Jahre sein Vorgänger, mittlerweile ist er in der Rettungsdienstleitung der ASB-Zentrale in Ludwigsburg verantwortlich für das Qualitätsmanagement. Er kann sich noch gut an die Anfangszeiten erinnern, als die Besigheimer noch um „ihre“ Rettungswache kämpfen mussten.

Noch große Konkurrenz

Im Juli 1979 wurde die Rettungswache in der Bietigheimer Straße eröffnet. Aber die Einbindung durch die Rettungsleitstelle stellte sich als äußerst schwierig heraus. „Damals gab es noch eine große Konkurrenz zwischen den Rettungsdienstorganisationen“, sagt Michael Umbach. Aber Besigheim war und ist noch heute der größte ASB-Stadtverein mit den meisten Mitgliedern. Die ganze Stadt wollte diese Rettungswache, sammelte 6000 Unterschriften, der Bürgermeister insistierte, der Streit dauerte zwei Jahre. Heute ist die Besigheimer Rettungswache des ASB fester Bestandteil des Rettungsdienstplanes der Intergrierten Leitstelle. „Wir liegen strategisch gut“, sagt Michael Umbach, der noch fest mit der Wache verbunden ist. „Es ist ja fast ein Familienbetrieb“, fügt Henning Umbach hinzu.

Die Besigheimer Wache ist die einzige im nördlichen Landkreis, die Notfallsanitäter sind schnell in Bönnigheim, Löchgau, Lauffen, Brackenheim. Ein Rettungswagen mit einem Notfallsanitäter, einem Rettungssanitäter und einem Auszubildenden steht sieben Tage, rund um die Uhr bereit. Die Mitarbeiter arbeiten jeweils 12 Stunden im Zweischichtbetrieb. „Wir können die sogenannte Gebietsabsicherung innerhalb von 15 Minuten gewährleisten“, sagt Henning Umbach.

Für die ASB-Zentrale in Besigheim steht fest, so Michael Umbach, dass am Standort festgehalten wird. Zudem, so deutet er an, soll in der Zukunft die Rettungswache modernisiert und vergrößert werden. „Das machen wir grade an vielen Standorten“, so Michael Umbach. Als erste Institution wird der ASB Region Ludwigsburg auch 2020 zweimal im Jahr neue Auszubildende annehmen. „Wir brauchen mehr Notfallsanitäter und durch zwei Ausbildungsstarts werden wir dann auch zeitversetzt ausgebildete Sanitäter bekommen“, sagt er. Die Einsatzzahlen hätten eklatant zugenommen in den letzten Jahren, es gebe kaum noch saisonale Schwankungen, außer in der Art der Erkrankungen. „Im Winter sind es eher Brüche bei Glatteis oder Schnee und im Sommer Insektenstiche“, so Michael Umbach.

Schwere Fälle zuerst

Sein Bruder Henning weiß aus der Praxis, dass viele Menschen den Rettungsdienst anrufen, „weil sie dann denken, sie kommen im Krankenhaus schneller an die Reihe, aber da liegen sie falsch, denn dort kommen die schweren Fälle zuerst dran“.

Es sei zu beobachten, so Michael Umbach, dass viele Patienten auch zum Hausarzt oder selbst in die Notfallpraxis fahren könnten. „Das hat im Vergleich zugenommen, früher ist ein Bauer mit einem Schnitt im Arm noch mit dem eigenen Traktor ins Krankenhaus gefahren, weil er dachte, er sei kein schwerer Fall und darf uns nicht rufen“, sagt Michael Umbach. „Aber wir haben die Vorgabe, jeden ins Krankenhaus zu bringen, wir schieben den Schwarzen Peter also weiter“, sagt Henning Umbach.

Für die kommenden Feiertage rechnet er mit einem höheren Aufkommen an Einsätzen. An Heiligabend seien es meist handgreifliche Familienauseinandersetzungen, die zu einem Notruf führten. „In einem Jahr hatte ich 13 Selbstmordversuche an einem Heiligabend“, erinnert sich Michael Umbach. An Silvester seien es mehr Einsätze bei Verbrennungen durch Feuerwerk, aber auch Schlägereien durch hohen Alkoholgenuss. „Und ansonsten gilt die Regel, wo viele Leute sind, passiert auch viel“, sagt Michael Umbach.

 
 
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