Schwerpunkt Der Retter ist da Sie sind die schnellen Helfer vor Ort

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Kommandant Alexander Weidhaus in einem „Helfer vor Ort“-Fahrzeug vor dem Neuen Feuerwehrhaus in Freudental.⇥ Foto: Martin Kalb

In Freudental engagieren sich Freiwillige der Feuerwehr auch als „Helfer vor Ort“. Feuerwehrkommandant Alexander Weidhaus berichtet über ihre wichtige Arbeit.

Es war erst vor wenigen Monaten, im Sommer 2019. Freudental feiert Straßenfest, auch der Kommandant der hiesigen Feuerwehr, Alexander Weidhaus, tummelt sich im Ort. Plötzlich wird er alarmiert. Nicht, weil es brennt, sondern weil jemand dringend medizinische Hilfe benötigt. Als Freudentaler „Helfer vor Ort“ ist er in diesem Fall in zwei Minuten beim Patienten – ein paar Minuten weniger als die Rettungskräfte. Entscheidende Minuten.

„Das war ein dramatischer Einsatz“, erinnert sich Weidhaus, „weil wir den Mann alle kannten und noch eine halbe Stunde vorher auf dem Fest mit ihm Kontakt hatten.“ Infolge eines Insektenstichs hatte der Mann einen anaphylaktischen Schock erlitten. Weidhaus und weitere „Helfer vor Ort“ reanimierten ihn.

Der hauptberufliche Rettungssanitäter schätzt die Wahrscheinlichkeit hoch ein, dass der Mann ohne die umgehende Hilfe nicht überlebt hätte. Einige Tage später begegneten sie sich wieder, der Mann aus dem Krankenhaus entlassen und wieder genesen. So erzählt es Alexander Weidhaus.

„Unser Ziel ist: Schnell Hilfe leisten und aktiv Leben retten“, fasst Weidhaus zusammen. Seit sich vor rund fünf Jahren 16 Mitglieder der Freudentaler Wehr vom DRK Ludwigsburg in knapp 90 Stunden Unterricht und Praxis zu „Helfern vor Ort“ ausbilden ließen, wurden sie zu über 400 Einsätzen gerufen. Tendenz steigend. Wurden sie im vergangenen Jahr 67 Mal alarmiert, zählte Weidhaus 2019 bis zum 21. Dezember 120 Einsätze. In den allermeisten Fällen kämpften die Patienten mit Atemnot, Asthma, Diabetes oder einem Herzinfarkt, berichtet Weidhaus, nicht selten müsse die Person reanimiert werden. Vor fünf Wochen wurde im Rahmen der Freudentaler First-Responder-Hilfe zum ersten Mal ein Kind auf die Welt gebracht.

Das Kerngebiet der Freudentaler ist freilich der eigene Ort. Doch immer wieder komme es vor, dass die Einsätze außerhalb liegen, weil ihre Distanz unter allen verfügbaren Helfern die kürzeste ist. Als Beispiel nennt Weidhaus das Kirbachtal, in das die Rettungswägen der Krankenhäuser in Vaihingen und Bietigheim-Bissingen längere Anfahrtswege haben. In der Zwischenzeit ergreifen die First Responder Basismaßnahmen, verschaffen sich ein Bild vom Zustand des Patienten, messen Blutdruck und Puls, sammeln Informationen von Angehörigen, wie zum Beispiel eine Medikamentenliste oder achten auf die Lagerung des Patienten.

Gerufen werden die Freudentaler „Helfer vor Ort“ vom Disponent der Rettungswägen in der Ludwigsburger Leitstelle über den Funkmeldeempfänger der Feuerwehr.

Nicht alleine ausrücken

Der Weg führe ganz normal von daheim über das Gerätehaus der Wehr, erzählt Weidhaus, der nicht will, dass jemand aus dem Team alleine oder mit dem Privatwagen ausrückt. „Das ist ein ganz anderer Stressfaktor. Mit der vollen Ausrüstung und dem Martinshorn ist es einfach sicherer.“

Für die Einsätze nutzen die Helfer den Kommandowagen oder den Mannschaftstransportwagen, der vor allem bei Verkehrsunfällen genutzt wird, weil darin mehr Material an den Unfallort gebracht werden kann. In der Regel eilen sie zu zweit dorthin, bei Verkehrsunfällen mindestens zu viert. Meistens könne man aktiv helfen – Weidhaus schätzt den Anteil auf etwa 90 Prozent.

 
 
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