Schwerpunkt: Qualität in der Pfanne „Die Aufzucht im Freien schmeckt man“

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Seniorchef Manfred Nirk hat sich nach eigenem Bekunden mit seiner Firma „G&M“  auf Fleisch der höchsten Qualitätsstufe spezialisiert und zeigt in seinem Bönnigheimer Firmensitz ein Rindersteakfleisch aus Uruquay..⇥ Foto: Martin Kalb

Manfred Nirk, Seniorchef des Bönnigheimer Familienunternehmens G&M Gourmet, erkennt einen neuen Trend beim deutschen Verbraucher: Weg vom Billigfleisch, hin zur Qualität.

Seit knapp fünf Jahrzehnten ist Fleisch, im Besonderen geschmacklich gehaltvolles Rindfleisch aus Südamerika, die Leidenschaft von Manfred Nirk: Professionell inzwischen als Seniorchef des vor 23 Jahren gegründeten Distributions-Dienstleister G&M Gourmet in Bönnigheim, persönlich als Feinschmecker, mit insgesamt fünf verschiedenen Grills in seinem Garten in Bietigheim-Bissingen.

„Ein gutes Stück Fleisch, wie etwa ein ,American Flanksteak’, nur mit grobem Salz gewürzt, perfekt gegrillt, dazu ein Stück Baguette, ein Pils oder ein Glas Wein“, mehr braucht es für Manfred Nirk nicht, für einen großen Genuss. Der 72-jährige Geschäftsmann kennt sich aus mit dem Handel von hohen Qualitäten beim Fleisch. Nach fast 50 Jahren in der Branche, habe er einfach sehr gute Kontakte zu Tierzüchtern in der ganzen Welt, sagt Nirk im Gespräch mit der BZ: „Ich bin bei uns im Unternehmen der Südamerika-Spezialist, und war bereits 1989 zum ersten Mal dort.“

Die kilometerweiten Weiden in Uruguay, Brasilien oder Argentinien, mit einer Artenvielfalt von mehr als 100 unterschiedlichen Gräsern und die darauf weidenden Rinder, das habe ihn schon damals begeistert. „Dort leben die Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung auf solchen Weiden, und dies schmeckt man dann einfach beim Fleisch“, schwärmt Nirk.

Rindfleisch aus Südamerika, den USA und Kanada

Dies Tierhaltung ist der Hauptgrund seines Familienunternehmens, Rindfleisch aus Südamerika, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland bundesweit zu vertreiben. Nirk lobt dabei, „die extrem hohen Hygiene-Standards, die von EU-Kontrolleuren überprüft werden“. Die Produzenten würden beim Schlachten in diesen Ländern besonderen Wert auf einen niedrigen PH-Wert legen, was dieses Fleisch ideal zum Kurzbraten mache, betont er. „Mit Abstrichen Fleisch aus Irland“ und sogenanntes „French Beef“ der weißen Charolais-Rinder, die in Frankreich rund sechs Monate im Freien aufwachsen, gehören bei „G&M“ zum europäischen Angebot der insgesamt 350 Produkte aus mehr als 40 Nationen.

Container mit „zehn Tonnen Edelteilen“, wie Nirk es nennt, gehen für seine Firma aus entfernten Ecken Welt auf die Reise, mit dem Ziel Bönnigheim. Vier Wochen sind sie aus Südamerika unterwegs, eine Zeitspanne in denen die Fleischstücke ideal reifen können. Vom Firmensitz in der Robert-Bosch-Straße im Bönnigheimer Gewerbegebiet, der inzwischen über eine Kühlfläche von rund 1200 Quadratmetern verfügt, werden die Kundenbestellungen aus dem Einzelhandel (wie etwa selbstständige Rewe- oder Edekamärkte) und der gehobenen Gastronomie bundesweit angeliefert.

70 bis 80 Tonnen pro Woche

37 Mitarbeiter hat der Familienbetrieb. Elf eigene Kühlfahrzeuge beliefern Kunden in einem Radius von rund 300 Kilometern, für größere Entfernung arbeite man mit Kühlspeditionen zusammen. „Zu unseren weitest entfernten Kunden gehört ein 100 000-Quadratmeter-Einkaufszentrum in Posthausen bei Bremen“, sagt der Schwabe  nicht ohne Stolz. Pro Woche verlassen zwischen 70 und 80 Tonnen Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch das Bönnigheimer Unternehmen.

Am Ende des Gesprächs räumt Nirk noch mit dem Mythos „Kobe-Rind auf. „Streng genommen gibt es das ,Kobe-Rind’ eigentlich gar nicht“, erklärt er. Es handle sich dabei lediglich um eine geschützte Herkunftsbezeichnung einer japanischen Region. Vielmehr geht es dabei ums das Wagyu-Rind, eine indigene Rinderrasse mit Ursprung in Japan. Das japanische stark marmorierte Fleisch habe einen Fettanteil rund 50 Prozent, seine Firma importiere Wagyu-Fleisch aus Australien mit einem Fettanteil von lediglich 30 Prozent. „Das ist das beste Rindfleisch überhaupt“, ist sich Manfred Nirk sicher und er freut sich, dass sich in Deutschland in letzten zehn bis 15 Jahren ein Wandel vollzieht: „Besonders die jüngere Generation legt viel Wert auf hohe Qualität.“

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