Schwerpunkt Weihnachten Nordmanntanne ganz groß

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Slawomir Raducki (links, mit Michael Weiß) setzt das Geschäft mit den Christbäumen von seinem Vater Karl Weiß fort, der vor 40 Jahre damit im Nebenerwerb begonnen hatte. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

In der zweiten Generation pflanzt Slawomir Raducki in Löchgau auch seltene Arten von Christbäumen an.

Ganz früher, da hatte die Christbaumplantage im Löchgauer Ortsteil Weißenhof noch keinen Namen. Doch seit Slawomir Raducki sie von seinen Eltern übernommen hat, nennt sich die rund acht Hektar große Anbaufläche für Christbäume mit Verkauf „Weihnachtsbaumparadies“.

„Seit über 30 Jahren widmet sich meine Familie schon dem Anbau verschiedener Nadelbäume, der Pflege und dem Verkauf in der Vorweihnachtszeit“, erzählt Slawomir Raducki. Er legt Wert darauf, dass er nur seine eigenen Bäume verkauft, Nordmanntannen hauptsächlich und einige beliebte Exoten.

Ein Dutzend Jahre

Zwölf Jahre braucht ein Christbaum im Durchschnitt bis aus dem kleinen Setzling ein stattlicher Baum geworden ist. „Die meisten Käufer, wollen einen Baum, der um die zwei Meter hoch ist“, erzählt Slawomir Raducki, der zusammen mit seiner Frau, dem Bruder und der Mutter den kleinen Familienbetrieb weiterführt.

Natürlich ist die Aufzucht und Pflege von Nadelbäumen, die später einmal das Wohnzimmer in der Weihnachtszeit schmücken sollen, sehr zeitaufwendig. „Nicht nur, dass so ein durchschnittlicher Weihnachtsbaum zwölf Jahre braucht: In dieser Zeit müssen Böden gemulcht und gedüngt werden. Die Baumspitzen werden mit Bambusstäben abgestützt zum Schutz vor dem Zugriff der Vögel“, sagt der Fachmann.

Er und seine Familie sind nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über mit ihren Christbäumen beschäftigt. Zum Düngen kommt das Ausmähen der unteren Zweige. Korrektur- und Formschnitt sind aufwendig. Doch jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit zahlt sich für Slawomir Raducki und die seinen diese Arbeit nicht nur in klingender Münze aus. „Wir freuen uns, wenn ganze Familien zu uns kommen und sich die Kinder ihren Weihnachtsbaum bei uns selbst aussuchen“, macht er deutlich. Der Weg entlang der Landesstraße zwischen Bietigheim und Löchgau führt zum malerisch gelegenen Weiler „Weißenhof“, zwei Kilometer südlich vom Ortskern Löchgau.

Vor 40 Jahren begonnen

Karl Weiß, der Vater des heutigen Betreibers begann vor fast 40 Jahren im Nebenerwerb als Land- und Forstwirt. Heute findet hier sogar im Vorfeld zum Advent schon eine Weihnachtsausstellung statt. Da verkauft die Familie auch selbstgebundene Kränze und weihnachtliches Dekomaterial. „Die Nordmanntanne ist der Weihnachtsbaum des Süddeutschen“, erklärt Raducki. Doch damals gab es neben der Nordmanntanne noch die Douglasie und die Weißtanne in unseren Plantagen. Mit denen habe sein Vater angefangen. Die beiden seien aber in den letzten Jahrzehnten vom Markt verschwunden.

Nicht jeder wisse, dass es Alternativen zur Nordmanntanne gibt, die genauso lange halten und dabei wesentlich intensiver duften. „Wir haben einige Exoten wie die Coloradotanne und verschiedene Korktannen im Angebot. Dafür haben wir gezielte Interessenten, die vielleicht schon einmal einen seltenen Baum ausprobiert haben. Manche bezaubern auch mit ihrem Duft. Das kann die Nordmanntanne nicht so wirklich“, lacht Raducki.

Duft nach Orange oder Zitrone

Andere Nadelbäume duften nach Orange und Zitrone oder besonders intensiv nach Nadelbaum. Das ist im Adventswohnzimmer eine willkommene Dreingabe. Raducki zählt weitere Exoten auf, die er selbst züchtet: Rotfichten und andere Kiefernarten. Auch Christbäume mit Ballen gehören in sein Sortiment. „Einige wenige wollen einen Tannenbaum mit Wurzeln, den sie nach Weihnachten in ihren Garten pflanzen können. Deshalb führen wir auch Topfpflanzen“, lässt der Löchgauer wissen.

Bei ihm sei die Nordmanntanne mit 80 Prozent immer noch die unangefochtene Nummer eins und der klassische Weihnachtsbaum, gefolgt von der Coloradotanne und der Blaufichte. Die acht Hektar Plantagenland sind in nur 300 Metern auf sehr kurzen Wegen zu erreichen. Seine Philosophie ist: „Wir wollen das Tannenbaumschlagen zum Erlebnis machen und legen Wert auf eine gemütliche Atmosphäre.“ Wer möchte, kann sich eine Säge aussuchen und selbst seinen Baum schlagen. Außerdem können Bäume schon ab September reserviert werden. Da kommt dann ein Schild hin und der Baum wird in der Adventszeit geschlagen und abgeholt.

Doch auch das Schlagen und vor allem das Aufladen auf den Hänger oder auf das Autodach ist ein Ritual im Weihnachtsbaumparadies. Der große Run auf die Weihnachtsbäume sei immer in der Woche um den dritten Advent. „Da bieten wir Eselreiten für die Kinder an und holen Blasmusiker auf den Hof. Es gibt ein bisschen Weihnachtsdeko zu kaufen, meistens was gerade im Trend liegt und die Stimmung ist urig und gemütlich“, erzählt der Betreiber, der hauptberuflich im Vertrieb eines Autozulieferers arbeitet. Seine Christbaumplantage ist für ihn ein Ausgleich zum Job in der Natur.

Er lädt gerne Kindergärten zu sich ein und gibt den Kindern so ein kleines Einmaleins der Christbaumkunde mit auf den Weg. „Es ist einfach auch eine bewusste Fortführung einer Tradition“, sagt er leise. Dafür nimmt er in Kauf, dass er sich jede einzelne Nadelbaumspitze zwischen April und Mai vorknöpfen und mit einem Bambusrohr versehen muss, sonst war es das unter Umständen mit der Christbaumspitze – für Vögel eine Leckerei.

 
 
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