Schwimmen lernen Schwimmkurse sind derzeit eine Rarität

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Julius und Maren Ulfers halten derzeit die Schwimmanfängerkurse ihrer Sachsenheimer Schwimmschule im Springerbecken des Badeparks Ellental in Bietigheim-Bissingen ab.⇥ Foto: Werner Kuhnle

Viele Schwimmkurse finden wegen der Corona-Regeln nicht statt. Die DLRG befürchtet, dass immer weniger Kinder schwimmen können.

Die Hallenbäder in der Region sind noch geschlossen, in die Freibäder darf nur eine bestimme Anzahl von Besuchern. Seit Monaten fallen die Schwimmkurse an den Schulen aus, wenn überhaupt noch welche angeboten wurden. Immer mehr Grundschüler können nicht schwimmen. Zudem werden nun oft Seen oder Flüsse von den Familien zum Baden angesteuert, weil man die Anmeldung in einem Freibad vermeiden will. Und dann passieren, wie die DLRG Deutschland mitteilt, Badeunfälle vor allem, wenn Kinder nicht richtig schwimmen gelernt haben. Und zudem finden derzeit viele Anfängerkurse aus Mangel an Zugang zu Freibädern und aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht statt.

Nichtschwimmer nehmen zu

Die DLRG ist alarmiert, aber auch die privaten Anbieter von Schwimmkursen in der Region stellen fest, dass „es viele Eltern gibt, denen es wichtig ist, dass ihre Kinder schwimmen lernen, aber noch mehr, die darauf vertrauen, dass sie es in der Schule lernen und sie nicht in private Schwimmkurse schicken“, sagt Maren Ulfers vom Sachsenheimer Aquasport Ulfers.

Seit mehren Monaten gab es weder Anfängerkurse noch Schwimmen für Kids und auch keine Aquafitness bei der Schwimmschule Ulfers. Das Bad am Viadukt, in dem die meisten Kurse der Schule stattfinden, ist geschlossen. Aber: „Dank der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen können wir Kurse im Ellental-Freibad abhalten“, sagt  Ulfers. Entweder vor oder nach den offiziellen Öffnungszeiten finden die Kurse statt. Aber eine ganze Aquafitness-Gruppe, die seit mehr als 20 Jahren im Bad am Viadukt trainiert, hat sich abgemeldet: „Sie wollen erst wiederkommen, wenn das Bad geöffnet ist.“

Die Anfängerkurse und das Kinderschwimmen werden im Springerbecken abgehalten, da dieses Becken noch für den Publikumsverkehr geschlossen ist. Trotzdem sei die Zahl der Teilnehmer noch lange nicht so hoch wie vor der Corona-Pandemie. Viele Eltern wären auch eher zurückhaltend, ihre Kinder zu Schwimmkursen im Freibad anzumelden. „Vielen ist es für ihre Kinder zu kalt im Springerbecken, obwohl wir Neoprenanzüge verteilen“, sagt Ulfers. Hinzu komme die Unsicherheit  wegen des Wetters. Alle Kurse finden bei Regen statt, aber nicht bei Gewitter. „Das wollen manche Eltern nicht, dass ihre Kinder bei Regen schwimmen.“

Bei Ulfers, die nach Richtlinien des Deutschen Schwimmverbandes lehrt, sind in den Gruppen nie mehr als sechs oder sieben Kinder – diese Zahl ist auch nach Corona-Richtlinien erlaubt –, so sagt Maren Ulfers. Wenn im großen Becken außerhalb der Öffnungszeiten trainiert wird, sind nicht mehr als fünf Kinder im Wasser, „wegen der besseren Aufsichtsmöglichkeit“.

Kein Training

„Vor allem jetzt, wo doch viele Familien an Seen oder die Küste in Urlaub gehen, ist das eine Katastrophe, wenn die Kinder nicht schwimmen können“, warnt Frank Dautel, Leiter der Ausbildung beim DLRG-Bezirksverband in Ludwigsburg. Die DLRG, die in vielen Freibädern über die Sommerferien Kompaktkurse anbietet, so Dautel, sehe sich nicht in der Lage, unter diesen Bedingungen Kurse anzubieten. Die DLRG Bönnigheim/Kirchheim macht Anfang September im dortigen Freibad einen einzigen Ferienkurs, dieser ist aber seit Wochen ausgebucht. Ein Schwimmkurs sei, so Dautel, eine Einschränkung für den normalen Publikumsverkehr. Zudem dürfen keine Hilfsmittel wie Schwimmbrett oder Schwimmnudeln, die beim Anfängerunterricht wichtig sind, benutzt werden.

Normalerweise, so Dautel, habe man in manchen Bädern bis zu 200 Schwimmanfänger in den Kursen, auch in den Sommerferien. Aber nicht nur die Schwimmkurse fallen  ins Wasser, es finden derzeit in den Freibädern auch keine Aquafitness-Angebote statt.

Was für den DLRG in den Ortsverbänden aber weitaus problematischer ist, ist die Tatsache, dass auch die Rettungsschwimmer nicht trainieren können. Das werde zum Problem, wenn die Ortsverbände in den Sommerferien ihre Kollegen an den Seen oder den Küsten ehrenamtlich unterstützen. „Wir haben schon gehört, dass es an Nord- und Ostsee zu personellen Problemen kommt“, sagt Dautel. Im Bönnigheimer Ortsverband ist der Traininsbetrieb eingeschränkt möglich. In den regionalen Freibädern sei der Aufsichtsdienst durch die DLRG aber zu 100 Prozent gewährleistet, so Frank Dautel.

Auch der Schwimmverein Bietigheim, so dessen Vorsitzender Michael Bertet, ist in seinen Aktivitäten durch die Corona-Regeln eingeschränkt. Zwar kann der Verein nach der öffentlichen Badezeit im Badepark Ellental mit den Leistungsgruppen Junioren und Senioren, den Wasserballern und dem Triathlon trainieren. Aber: „Ein Kindertraining ist derzeit nicht möglich, da das Bad am Viadukt und das Bissinger Hallenbad noch geschlossen sind und die Zeiten im Freibad viel zu spät für Kinder sind. Unsere Anfängerkurse sind deshalb ausgesetzt“, sagt Bertet. Er hoffe, dass ab September die Hallenbäder geöffnet werden können, dann werde der Schwimmverein die Anfängerkurse nachholen.

 
 
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