Serie Alte Keltern, neues Leben: Ingersheim Der richtige Platz für Impfaktionen

Von Jörg Palitzsch
Die Kelter in der Kirchgasse in Großingersheim diente lange Zeit ihrem ursprünglichen Zweck.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Kelter in Großingersheim wird vom DRK genutzt, die Kelter in Kleiningersheim liegt im Dornröschenschlaf.

In der Gemeinde gibt es in den beiden Ortsteilen jeweils eine Kelter. Beide Gebäude haben eine lange Geschichte hinter sich und werden bis heute auf ganz unterschiedliche Weise genutzt. 

Die Kelter in der Großingersheimer Kirchgasse diente lange ihrem ursprünglichen Zweck und wurde zunächst von badischer, dann von württembergischer Herrschaft unterhalten. Sämtlicher Wein, der auf der Markung wuchs, musste in das herrschaftliche Gebäude gebracht werden. Für die Benutzung musste der sogenannte Kelterwein, der 30. Teil von Druck und Vorlass, an die Herrschaft entrichtet werden, der stellvertretend vom Schultheißen in Empfang genommen wurde. 1619 wurde die Kelter in Richtung Straße erweitert, ein Zeichen für den Anstieg von Rebenanlagen und den Wohlstand der Bürger.

Im 19. Jahrhundert ging die Kelter schließlich an die Gemeinde über. Nachdem kein Wein mehr gekeltert wurde, fand die Freiwillige Feuerwehr dort zunächst ein Interimsquartier, bis sie 1998 in das Feuerwehrhaus an der Karl-Braun-Straße umzog. Nach kleineren Umbauten bezog der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes in der Kelter sein Quartier. Auch anderen Vereinen, wie etwa dem Angelsportverein, sowie der Gemeinde steht die geräumige Kelter als Lagerplatz zur Verfügung.

Für Vereine und Feste genutzt

Derzeit nutzt das DRK Ingersheim das ehemalige Feuerwehrmagazin und Mosterei in der Kelter. Der hintere Teil ist Abstell- und Lagerfläche für allerlei Gegenstände, teilweise für Vereine und für Dorffeste. Die Großingersheimer Kelter wurde vom DRK auch als Corona-Teststelle und für zwei Impfaktionen Ende 2021 und Anfang 2022 genutzt. Unterhaltskosten wie Steuern, Versicherungen und Abgaben belaufen sich laut Bürgermeisterin Simone Lehnert auf jährlich rund 3000 Euro und bis zu 1000 Euro für kleinere Reparaturen. „Fallen größere Dinge an, wie etwa am Dach oder an den Toren, sind es gleich mal 10 000 Euro und mehr“, so Lehnert.

Aus dem 18. Jahrhundert stammt die Kleiningersheimer Kelter. An manchen Lesetagen standen die Traktoren mit ihren Anhängern von der Kelter über die Austraße bis in das Neckartal an, um die Trauben abzuliefern. Die Traktoren wurden von Jugendlichen Stück für Stück vorgefahren, während es sich die gestandenen Wengerter nach einem arbeitsreichen Lesetag in der nahen „Schnitzelfabrik“ gutgehen ließen. 1993 wurde die Weingärtnergenossenschaft Kleiningersheim beim Amtsgericht Besigheim gelöscht, rund 55 Jahre hatten die Einwohner ihren Wein selbst gekeltert und vermarktet. 2000 kündigten rund 145 Ingersheimer Wengerter den Liefervertrag mit der Württembergischen Zentralgenossenschaft Möglingen und schlossen sich der Besigheimer Felsengartenkellerei an. 2002 hat man die letzten Trauben in der Kleiningersheimer Kelter zu Wein verarbeitet.

Die Kelter wurde seit 2005 immer wieder bei Dorffesten genutzt. Es fanden außerdem Konzerte des Musikvereins darin statt, ein Höhepunkt war 2007 das Musical „Der kleine Horrorladen“, das zusammen mit der Jungen Chorgemeinschaft und der Jugendarbeit Ingersheim über ein Jahr lang aufgeführt wurde. Außerdem stand die Kelter im Mittelpunkt zur Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“. Ansonsten wird sie als Lagerfläche oder bei Regen nach einer Hochzeit in der Georgskirche zum Unterstellen genutzt.

Im Sommer trainiert der TVI in der Kelter und auch der Jugendreferent der Evangelischen Kirche, Florian Binder, möchte die Kelter künftig mehr nutzen. In Corona-Zeiten haben Sänger die Kelter genutzt, weil sie so genügend Abstand halten konnten. Die Unterhaltskosten belaufen sich auf 1000 Euro im Jahr.

„Für mich ist die Kleiningersheimer Kelter ein echter Schatz“, sagt Bürgermeisterin Simone Lehnert, die das Gebäude mittelfristig aufwerten und unterschiedlich nutzen will. Etwa für Konzerte, Lesungen, Begegnungen, Feste und Hochzeiten. Derzeit liege die Kelter in einem Dornröschenschlaf. Es liege viel Potenzial in ihr, das geweckt werden könne, „wenn wir es wollen.“

 
 
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