Ganerbenburg, Palas einer Stadtburg (Steinhaus), Burgstelle am Rotenberg, Schloss Hohenstein und das Stadionsche Schloss – Bönnigheim kann fünf Schlösser und Burgen aufweisen. „Alle fünf Bauten sind wichtig für Bönnigheim“, sagt Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bönnigheim.
Serie Schlösser und Burgen Eine Stadt mit drei Burgen und zwei Schlössern
Bönnigheim kann gleich fünf großherrschaftliche Bauten vorweisen. Die Ganerbenburg war lange Zeit Amtssitz der herrschenden Ganerben.
Die Ganerbenburg
Für Sartorius steht an erster Stelle die Ganerbenburg, war sie doch im 14. Jahrhundert der Stadtsitz des jeweiligen Ganerben, der gerade in der Stadt war. Deshalb steht sie auch sehr zentral am Burgplatz und an einer geschützten Ecke der Stadtbefestigung, die Stadtmauer läuft direkt auf die Ganerbenburg zu. Bönnigheim wurde im Laufe des 14. Jahrhundert von einer ganzen Menge an Ganerben geführt, die bekanntesten sind die Herren aus Sachsenheim, Gemmingen, Neipperg und Liebenstein. Aber, so Sartorius, man kann insgesamt 64 Ganerben im Laufe der Zeit nachweisen und so wurde nicht nur Bönnigheim sondern auch die Burg aufgeteilt. Jedoch wurde der Amtssitz in der Burg zwar als solcher genutzt, aber die Ganerben hatten alle noch eigene Stadtwohnungen oder -häuser.
Gebaut wurde die Burg schon um 1290, genau könne man dies aber nicht sagen, so Sartorius, auch wisse man nicht, warum sie gebaut wurde und wer sie baute. Sicher ist, ab 1370 gehörte sie den Ganerben. Dann wurde die Ganerbenburg irgendwann zerstört. „Über die Burg ist noch nicht viel erforscht und kaum etwas in den Archiven auffindbar“, sagt Sartorius. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg wieder aufgebaut, auch von wem ist nicht bekannt. Sie war bis in die 1960er-Jahre in Privatbesitz, dann kaufte sie die Weingärtnergenossenschaft Bönnigheim und nutzte sie als Lager und als Büro. 1978 wurde sie an die Familie Seiler verkauft, die die Burg zum Wohnhaus umbaute, bis heute wohnt eine Nachfahrin der Seilers in der Burg.
Vor allem der Burgturm ist ein exponiertes Zeichen der Ganerbenburg. Von ihm kam man in das eigentliche Gebäude, bis die Stadt den Burgturm übernahm. Heute gibt es einen separaten Eingang zum Gebäude, die Treppe im Turm, so Sartorius, sei vor einigen Jahren renoviert worden und kann als Notausgang für das Wohnhaus benutzt werden. Das Besondere im Turm ist die Glocke, die aus dem Jahr 1359 stammt. 1899 bekam sie ein neues Geläut, die Glocke selbst ist immer noch dieselbe, aber der Glockenstuhl ist kaputt, da er am 7. April 1945 durch eine Granate zerstört wurde und die Glocke vom Turm auf die Straße fiel, wie Sartorius weiß. Der Glockenstuhl wurde durch einen eisernen ersetzt, aber seither läutet die Glocke, „die ein machtvolles Geläut hatte“, nicht mehr, so Sartorius. Der Hobbyhistoriker wünscht sich, so sagt er, dass eines Tages aus der Ganerbenburg ein Stadtmuseum werden könne, um die wechselvolle Geschichte der Ganerbenstadt im Sitz der Ganerben zu präsentieren.
Das Palas einer Stadtburg
Die zweite Burg in Bönnigheim war das sogenannte Palas, also Wohnhaus und Stadtburg, das heutige Steinhaus. Diese Burg, so Sartorius, wurde von den Herren von Bönnigheim 1296 erbaut, aber wohl nie bewohnt. „Es fanden sich keine Spuren einer damaligen Bewohnung, sogar die Kamine sind ist bis heute unbenutzt.“ Es gebe keinerlei Rußspuren. Ab 1822 war das Steinhaus dann doch bewohnt, von verschiedenen Mietern und wurde auch als Lagerraum genutzt. 1988 kaufte die Stadt den Palas. Die letzte Mieterin, so Sartorius, war bis 1990 Sophie Bechtel. 1993 übernahm die Historische Gesellschaft und baute das heute Steinhaus genannte Gebäude zum Schwäbischen Schnapsmuseum um.
Burgstelle am Rotenberg
Die dritte Bönnigheimer Burg ist eine Ruine. Die Burgstelle liegt im Wald des Rotenbergs auf dem Rotenberg-Höhenweg von der Pfeifferhütte kommend. „Den Burggraben kann man noch sehr gut erkennen“, sagt Sartorius. 1853 wurde die Burgstelle in Dokumenten des Oberamts Besigheim beschrieben, aber erstmals genannt wurde sie 1188. 1968 wurde sie durch den Freudentaler Wolfgang Lämmle wieder entdeckt.
Schloss Hohenstein
Eigentlich, so Sartorius, sei auch anstelle von Schloss Hohenstein einst eine Burg gewesen. 1250 wurde diese Burg Howenstein erbaut und bis 1443 von den Freiherren von Howenstein bewohnt. Der Graf von Württemberg übernahm das Gut und Burg Hohenstein, wie es von da an hieß und verlieh es an die Herren von Sachsenheim. Weitere Besitzer in den Nachfolgejahren, so heißt es in der Chronik von Bönnigheim, ließen die Burg zur Ruine verkommen. 1593 übernahmen die Herren von Plieningen das Gut und bauten anstelle der Burg ein Schloss. Die Besitzer des Schlosses wechselten in den folgenden Jahrhunderten mehrmals. 1944 suchte der Bönnigheimer Otto Mecheels, ehemaliger Färbemeister der Firma Amann, Forscher, Wissenschaftler, Dozent und Leiter einer Textilschule in Mönchengladbach, für seine Schüler eine neue Bleibe. Er erinnerte sich an Schloss Hohenstein. In diesem aber hatte sich die NSDAP breit gemacht, Mecheels zog mit seiner Schule erst mal ins Bönnigheimer Stadionsche Schloss. Im Sommer 1945 griff er den Gedanken mit Schloss Hohenstein wieder auf. Die französische Militärregierung vermietete ihm das Schloss. Mecheels gab seine Beamtenstelle auf, baute das Forschungsinstitut auf, aus dem die Hohenstein Institute wurden. Seit 1952 gehört das Schloss der Familie Mecheels. Seit 1945 wuchsen die Hohenstein Institute kontinuierlich auf dem Hügel über dem Ort.
Das Stadionsche Schloss
Um 1753 ließ der höfische Welt- und Lebemann Friedrich von Stadion das alte 1560 erbaute Schloss in Bönnigheim abbrechen (die Nebengebäude, auch der Kavaliersbau, blieben stehen). Ab 1769 bewohnte der Hofrat der Familie von Stadion, Georg Michael Frank La Roche, mit seiner Frau Sophie La Roche das Schloss. In dieser Zeit schrieb sie dort den ersten deutschen Frauenroman, „Die Geschichte des Fräulein von Sternheim“, die damit Bönnigheim zur Literatenstadt machte.
Prinz Ludwig Eugen übersiedelte mit Familie nach Bönnigheim. Nach Ludwig Eugens Auszug stand das Schloss bis 1801 leer. Dann lebte 20 Jahre Prinzessin Albertine von Württemberg hier. Ab 1828 war es Königlich-Württembergisches Oberforstamt für den Stromberg und das Zabergäu.
Seit 1889 war die Königlich-Württembergische Taubstummenanstalt im Schloss untergebracht. Sie wird nach dem ersten Weltkrieg bis 1966 zur Staatlichen Gehörlosenschule. Im Jahr darauf kaufte Professor Dr. Walter Leibbrecht das Schloss und gründete das „Schiller-College“. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) betrieb ab 1979 20 Jahre lang eine Ausbildungsstätte. Der Bönnigheimer Gemeinderat entschied 1994 „sein“ Bönnigheimer Schloss zu kaufen. Vom 20. September 1996 bis Dezember 2020 beherbergte das Stadionsche Schloss das Museum für Internationale Naive Kunst und Art Brut mit der Sammlung von Charlotte Zander. Heute steht das Schloss leer und wird nur noch sporadisch als Veranstaltungs- oder Ausstellungsraum genutzt. Die Stadt sucht einen Investor für das Gebäude.
