Sersheim Fotos aus der Welt des Sports

Von Michaela Glemser
Sportsfreunde: Die beiden Fotografen Tom Weller(links) und Benjamin Lau stellen ihre Werke im Sersheimer Rathaus aus. Zu sehen sind die großformatigen Fotografien zu den gewohnten Öffnungszeiten der Stadtverwaltung.  Foto: /Martin Kalb

Im Rathaus zeigt eine Ausstellung eine Auswahl von Werken der beiden Sportfotografen Tom Weller und Benjamin Lau. 

E

r hat auf engstem Raum lange nach der geeigneten Perspektive gesucht, immer wieder mit dem Licht und der Einstellung seiner Kamera gespielt, um dann genau im richtigen Moment abzudrücken: Tom Wellers Lieblingsfoto von den Olympischen Spielen im Jahr 2024 in Paris zeigt zwei Turnerinnen, von denen die erste im Vordergrund am Schwebebalken nur unscharf zu erkennen ist, während die andere im Hintergrund deutlich sichtbar über den Barren schwingt.

Barren statt Schwebebalken

„Ich nahm es aus dem Augenwinkel wahr, dass die Sportlerin im Hintergrund am Barren immer wieder ins Bild geflogen kam, denn eigentlich wollte ich die Turnerin am Schwebebalken fotografieren. So entstand die Idee zu diesem Motiv“, erinnerte sich Weller, der zu den bekanntesten und erfolgreichsten Sportfotografen Deutschlands gehört.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Benjamin Lau stellt er einiger seiner bekanntesten Fotowerke in der Ausstellung „2x26 / Faszination Sport“ der Sportregion Stuttgart zur Schau, die noch bis zum 20. März im Rathaus Sersheim zu sehen ist. Bei der Vernissage mit Bürgermeister Jürgen Scholz, selbst ein begeisterter Hobbyfotograf, plauderten die beiden vielfach ausgezeichneten Fotokünstler aus ihrem Arbeitsalltag.

„Ich war jüngst bei der Winterolympiade in Italien bereits bei den vierten Olympischen Spielen als Fotograf dabei. Dort arbeite ich mit bis zu fünf Kameras am Mann und schieße pro Kamera bis zu 5000 Bilder am Tag“, schilderte Weller, für den die Olympischen Spiele mit ihren zahlreichen Wettkämpfen eine sehr anstrengende Zeit mit wenig Schlaf in der Nacht bedeuten. Aber auch wenn er an die Athleten teilweise hautnah herankommt und viele davon inzwischen persönlich kennt, bleibt die Beziehung beruflich.

„Wir gehen abends kein Bier trinken, sondern jeder weiß, was der andere von einem will“, betonte Weller, der im Sersheimer Rathaus auch ein Bild von Argentiniens Fußballstar Lionel Messi mit dem Weltmeisterpokal 2022 in Katar präsentiert. „Die fotografische Begleitung von bis zu 100 Fußballspielen im Jahr sichert mir die Butter und das Brot. Da kann ich nicht lange eine fotografische Idee verwirklichen. Bei Olympia muss ich die Sportart verstehen, wissen, was passiert und wie ich das im Foto umsetzen kann“, machte Weller deutlich.

Erinnerungen an Barcelona

Das Lieblingsfoto von Benjamin Lau ist bei Weltmeisterschaften entstanden – und zwar in Barcelona im Jahr 2013 beim Turmspringen-Finale vom Zehn-Meter-Brett der Frauen.

„Ich hatte damals erst ein Jahr lang die Sportfotografie professionell betrieben und mir im Vorfeld im Urlaub die Gegebenheiten vor Ort in Spanien angeschaut. Dieses Sprungstadion gehört für mich zu einer der schönsten Sportstätten dieser Welt“, erzählte Lau. Er saß genau gegenüber der Sprungplattform hat die Athletin so fotografiert, dass sie gleichsam in die Silhouette der Stadt mit der berühmten Kathedrale „Sagrada Familia“ zu springen scheint. „Damals wurde für mich ein echter Traum wahr, und dies war eine unvergessliche Zeit. Bei diesem Bild hat alles gepasst von der Perspektive bis zu den Lichtverhältnissen“, so Lau, der vor allem beim Wasserball, Handball und beim Tischtennis als Fotograf unterwegs ist.

„Ich fotografiere aber jede Sportart gerne und bin auf der Suche nach den Bildern, die andere nicht haben“, unterstrich Lau, der seine Fotos meist selbst bearbeitet, nur bei den Olympischen Spielen, wenn er im Auftrag eines Verbands wie des Deutschen Tischtennisbunds unterwegs ist, werden diese von Verbandsmitarbeitern weiter behandelt. Von den rund 5000 Bildern, die er beispielsweise bei einem Tischtenniswettkampf schießt, kann er letztlich nur einige hundert verkaufen.

Im Rathaus hängen sehr eindrucksvolle Fotografien aus der kunterbunten Welt des Sports vom Hunde-Agility bis zum Para-Marathon am Arc de Triomphe in Paris. Auch Bürgermeister Scholz zeigte sich begeistert und holte sich gerne noch den einen oder anderen Tipp von den beide Profis hinter der Fotokamera. „Egal ob analog oder digital, das Auge hinter der Kamera ist immer noch entscheidend“, stellte Scholz bei der Vernissage klar, die von Emily Foisl und Monika Scholand musikalisch an den Querflöten umrahmt wurde. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.

 
 
- Anzeige -