Für den schönsten Tag in ihrem Leben wünschen sich viele Brautpaare auch für die standesamtliche Trauung ein besonderes Ambiente. „In Ludwigsburg gibt es das Schloss, in Vaihingen das Archiv, und auch wir in Sersheim wollten noch einen anderen Trauungsort neben dem Trauzimmer im Rathaus anbieten können. Die Nachfrage ist vorhanden“, sagt die Sersheimer Standesbeamtin Ina Kissing.
Sersheim Ja-Wort im historischen Schmiedemuseum
Standesamtliche Trauungen sind jetzt auch im Walter-Strich-Chapell-Zimmer und im Gewölbekeller im Steinhaus möglich.
Daher hat sie Kontakt zu den Mitgliedern des Arbeitskreises Archiv in der Mettertalgemeinde aufgenommen. Sie wollen künftig im Strich-Chapell-Zimmer des Archivs im Obergeschosse des Steinhauses standesamtliche Eheschließungen ermöglichen. Der bekannte Maler Walter Strich-Chapell, der von 1904 bis zu seinem Tod im Jahr 1960 in Sersheim lebte und arbeitete, hat Schränke und Kommoden hinterlassen, die nach seinen Entwürfen angefertigt wurden und heute im Sersheimer Archiv stehen.
Spezieller Charme durch Gemälde von Walter Strich-Chapell
Im Gedächtniszimmer sind auch einige bekannten Gemälde des Künstlers zu sehen, der im kommenden Jahr 150 Jahre alt werden würde, und runden damit den speziellen Charme des neuen Schauplatzes für standesamtliche Trauungen ab. „Diese Räumlichkeit ist eher für kleinere Hochzeitsgesellschaften geeignet, da die Platzverhältnisse im Strich-Chapell-Zimmer beschränkt sind“, so Kissing. Für standesamtliche Trauungen mit einer größeren Besucherzahl gibt es in der Mettertalgemeinde jetzt aber auch einen originellen Rahmen für die Eheschließung.
Im historischen Gewölbekeller des Steinhauses können Brautpaare im altehrwürdigen Schmiedemuseum den Bund fürs Leben schließen. In der funktionsfähigen Werkstatt, die einst dank des Engagements der alteingesessenen Schmiedefamilien Abele und Götz eingerichtet werden konnte, können Hochzeitspaare Ja sagen, wo einst das Schmiedefeuer brannte und metallisches Hämmern zu hören war.
„Gerade Ende Juni dieses Jahres haben wir im Schmiedemuseum die erste Trauung, sogar von einem Hufschmied und einer Reiterin. Sie wollten eigentlich in einer Nachbargemeinde heiraten, in der ihr Wunschtermin aber nicht mehr frei war und sind jetzt dankbar für diesen passenden Trauungsort“, sagt Kissing. Als relativ kleines Standesamt mit rund 20 bis 30 Trauungen jährlich kann die Sersheimer Behörde viele Wunschtermine ermöglichen.
Anfragen für Trauungen schon ein Jahr vorher
„Viele Interessenten fragen schon ein Jahr vor ihrem gewünschten Termin an, andere erst vier bis fünf Monate vorher“, so Kissing. Sie ist seit Oktober 2024 vollausgebildete Standesbeamtin und damit nicht nur für Eheschließungen zuständig, sondern auch für Sterbefälle. „Ich war zuvor nur Eheschließungsstandesbeamtin und bekomme nach der Ausbildung nun die gesamte Bandbreite des Lebens mit“, sagt Kissing. Eheschließungsstandesbeamte werden nur ernannt und müssen keinen speziellen Lehrgang bei der Deutschen Personenstandsakademie in Bad Salzschlirf in Hessen absolvieren. „Für meine Rede bei den Trauungen führe ich in der Regel vorher ein Gespräch mit dem Hochzeitspaar und lasse sie einen Fragebogen ausfüllen. So kann ich meine Rede entsprechend individuell gestalten“, so die Standesbeamtin.
