Sersheim Nach Biogasanlagen-Unglück: Noch keine Fische in der Metter

Von Lisa Lorenz
Tote Fische waren alles, was letztes Jahr noch in der Metter gefunden werden konnte. Die Wiederbesiedlung dauert noch. Foto: privat

Im Mai hat Gülle, die aus der Biogasanlage ausgetreten war, den Fischbestand in der Metter getötet. Noch hat sich am leeren Fluss nichts geändert.

Bald ein Jahr ist es her, dass Gülle aus der Biogasanlage Sersheim austrat, in die Metter gelangte und dort für ein katastrophales Fischsterben sorgte. Was hat sich in der Zwischenzeit getan, und wann leben dort wieder Fische? Die BZ hat nachgefragt.

Das Ausmaß der Gewässerverunreinigung habe für einen erheblichen Schaden bei Fischen und Kleinstlebewesen gesorgt, teilt Franziska Schuster vom Landratsamt Ludwigsburg mit. „Es ist daher davon auszugehen, dass die vollständige ökologische Regeneration noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird“, sagt sie. Man stehe im Kontakt mit der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart und prüfe gemeinsam, mit welchen Maßnahmen sich die Metter am besten erholen könne. Auch ein Wiederbesatz mit Fischen sei möglich.

Schaden beträgt 70.000 Euro

„Von offizieller Seite passiert gar nichts“, sagt der 1. Vorstand des Angelsportvereins Bietigheim/Enz, Manfred Peter. Man habe gemeinsam mit den anderen Geschädigten ein Gutachten erstellen lassen, um den Schaden beziffern zu lassen. Allein beim fischereirechtlichen Anteil sei man auf einen Gesamtschaden von 70.000 Euro gekommen – ein „Totalschaden“, und da sei der Umweltaspekt noch nicht mitinbegriffen. Das Ergebnis des Gutachtens wurde dem Verursacher übergeben, so Peter, der es wiederum an seine Versicherung weitergegeben habe. Bis es wieder eine richtige Fischpopulation gibt, wird es aber noch dauern: Bis das Wasser sich regeneriert habe und die Sedimente, die sich abgelegt haben, sich wieder verflüchtigt haben, dauere es zwei Jahre. Erst dann könne der Fischbestand wieder aufgestockt werden.

Im nächsten Jahr will der Angelsportverein das gemeinsam mit der Fischereibehörde und dem Regierungspräsidium Stuttgart angehen. Bis dahin bleibt vermutlich der aktuelle Status bestehen: Bis auf ein paar vereinzelte Fische, die ihren Weg aus der Enz in die Metter finden, ist die Metter fischlos, zur Fischerei könne sie gerade nicht benutzt werden. Doch der Plan steht: Die Metter werde auf jeden Fall wieder mit Fischen besetzt – „egal, ob die Versicherung zahlt oder nicht.“ Peter Schütz aus dem Referat Natur- und Artenschutz des Landesfischereiverbands teilt zur Frage, ob nochmals der Fischbestand untersucht wurde, mit, dass bisher keine weiteren Untersuchungen erfolgt und diese frühestens in ein oder mehreren Jahren vorgesehen seien. „Es ist davon auszugehen, dass die Wiederbesiedlung mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Fische und andere aquatische Organismen wie Wasserinsekten werden voraussichtlich erst nach und nach von oberhalb und unterhalb der Unglücksstelle einwandern und den betroffenen Flussabschnitt wiederbesiedeln.“

Betrieb wieder aufgenommen

Nachdem die Biogasanlage nach dem Unglück außer Betrieb war, wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen des Eigentümers umgesetzt, berichtet das Landratsamt Ludwigsburg. So wurde Gelände abgetragen und ein Schutzwall errichtet, um die oberirdischen Gewässer zu schützen. Die so entstandene Rückhaltefläche könne im Fall von austretendem Gärsubstrat, sprich Gülle, dieses zurückhalten und verhindern, dass es in die Metter gelangt.

Staatsanwältin Mareike Hafendörfer von der Staatsanwaltschaft Heilbronn erklärte, dass die polizeilichen Ermittlungen zum Vorfall im Mai zwar abgeschlossen, jedoch noch nicht abschließend bewertet wurden und noch keine Abschlussverfügung getroffen sei. Der Betreiber der Biogasanlage wollte sich gegenüber der BZ nicht äußern.

 
 
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